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Die Facetten des Toni Kroos

Beim entscheidenden Vorrundenspiel von Deutschland gegen Südkorea wird heute vor allem einer im Mittelpunkt stehen: Toni Kroos. Er verkörpert die zwei Gesichter der Mannschaft.
Sascha Reuter
Toni Kroos feiert den Sieg gegen Schweden. (Bild: Thanassis Stavrakis/AP)

Toni Kroos feiert den Sieg gegen Schweden. (Bild: Thanassis Stavrakis/AP)

Es ist schon ein wenig seltsam, was aktuell in Fussball-Deutschland passiert. Da hat Toni Kroos so ziemlich alles gewonnen, was es in diesem Sport so zu gewinnen gibt. Er ist Weltmeister sowie vierfacher Champions-League-Sieger und Club-Weltmeister. Und damit sind nur die wichtigsten Titel erwähnt. In den meisten Ländern der Welt würden ihm die Anhänger meterhohe Denkmäler errichten und haufenweise Neugeborene nach ihm benennen. In Deutschland ist das etwas anders. Da können sich ganze Stammtische stundenlang über den Mittelfeldspieler zoffen.

Kritik an den eigenen Anhängern

Die einen halten ihn für Weltklasse, die anderen für masslos überschätzt. Damit steht der 28-Jährige sinnbildlich für die Wahrnehmung der Nationalmannschaft. Titelfavorit vor WM-Beginn. Eine Truppe lustloser, satter Millionäre nach der Niederlage gegen Mexiko. Und nach dem Sieg in letzter Sekunde gegen Schweden irgendwas dazwischen. Und mittendrin: Toni Kroos.

Der Mittelfeldakteur von Real Madrid ist der Taktgeber. Ein Spieler, der den vorletzten Pass gross gemacht hat. Der Räume sieht, bevor sie überhaupt entstehen. Und der seine Mitspieler so perfekt einsetzen kann, dass sie den Angriff dann scheinbar mühelos zu Ende führen können. Ohne Kroos. Ein Phänomen, das dazu führt, dass seine Bedeutung auf dem Spielfeld nicht auf Anhieb sichtbar ist. Schliesslich schiesst er kaum Tore und bereitet ebenso wenige direkt vor.

Zumindest das kann ihm gegen Schweden keiner vorwerfen. Er erzielte das 2:1-Siegtor per Freistoss und leitete auch einen Treffer direkt ein. Die Führung für Schweden. Mit einem Fehlpass. Dabei ist der Fehlpass etwas, das im Wortschatz von Kroos eigentlich nicht existiert. Von seinen 127 Pässen gegen Schweden kamen 121 an. Eine überragende Quote, jubeln seine Fans. Die Kritiker erwidern: kein Wunder bei all den Querpässen.

Das Selbstvertrauen von Kroos kann das nicht erschüttern: «Natürlich geht das Gegentor auf meine Kappe, das ist keine Frage. Aber wenn du im Spiel 400 Pässe spielst, kommen eben auch mal zwei nicht an. Wenn einer zum Tor führt, ist das blöd.» Allerdings, fügte er hinzu: «Du musst dann aber auch die Eier haben, die zweite Hälfte so zu spielen – doch das sehen wieder die Wenigsten. Man hatte das Gefühl, viele Leute in Deutschland hätte es gefreut, wenn wir rausgegangen wären. Aber so einfach machen wir es nicht.»

Die Diskussionen drehen sich aber nicht nur um die Kritik und die Kritik an der Kritik. Das grosse fachliche Thema ist die Kontersicherung und damit die Balance im zentralen Mittelfeld der Deutschen. Womit wir wieder bei Kroos wären. Der Vorwurf: Er arbeite in der Rückwärtsbewegung nicht fleissig und schnell genug nach hinten. Seine Befürworter hingegen halten Kroos den Rücken frei: Das gehöre nicht in seinen Aufgabenbereich.

Ein bisschen Spott des Bruders

Bei Real Madrid stellt sich diese Frage so nicht. Der Grund hat einen Namen: Casemiro. Ein typischer Mittelfeld-Abräumer, der böse wird, wenn ein Gegner Kroos zu nahe kommt. Die Casemiros in der deutschen Elf heissen Sebastian Rudy oder Ilkay Gündogan, beide keine Freunde des rustikalen Zweikampfes. Und so wird dieses Thema weiter heiss diskutiert. Vor dem heutigen Spiel gegen Südkorea – und natürlich auch vor einem potenziellen Achtelfinal, womöglich gegen die Schweiz.

Einer wird es ganz genau beobachten: Kroos‘ Bruder Felix, selber Profi in der 2. Bundesliga bei Union Berlin. Der twitterte nach dem 2:1-Sieg gegen die Schweden fröhlich und mit einer Prise brüderlicher Häme in Richtung Toni: «Stark! Ein Tor gemacht, eins vorbereitet.»

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