Die Exoten der Liga

Ein Trainer, der einspringt, weil ihm der Club ans Herz gewachsen ist. Eine Mannschaft, die nicht mit ausländischen Spielern verstärkt wird. Ein Verein, der stolz ist, ein Exot in der NLA zu sein. Das ist Andwil-Arnegg, der Aufsteiger.

Markus Scherrer
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Führt den Aufsteiger durch die NLA-Saison: Andwil-Arneggs Trainer Richi Stolz. (Bild: Michel Canonica)

Führt den Aufsteiger durch die NLA-Saison: Andwil-Arneggs Trainer Richi Stolz. (Bild: Michel Canonica)

Was Andwil-Arneggs Trainer Richi Stolz vor der neuen Saison, die an diesem Wochenende mit dem Supercup beginnt, zu erzählen hat, ist aussergewöhnlich. Am Ende seiner Ausführungen, die zuweilen auch willkommene Erklärungen sind, ist zu verstehen, wenn er sagt: «Wir sind die Exoten der Liga.» Denn beim VBC Andwil-Arnegg, der im vergangenen Jahr sein 20jähriges Bestehen feierte, ist so manches anders als bei den Ligakonkurrenten. Das beginnt bei der Mannschaft, die nicht eine Ansammlung von Studenten ist, wie das auf die meisten Teams in der NLA zutrifft. «Unsere Spieler», sagt der Trainer, «sind zu hundert Prozent <Büezer>. Bei uns spielen Informatiker, Schreiner oder Bänkler. Darum sind wir kein typisches Volleyballteam.»

Das Anderssein setzt sich aber auch in der Philosophie des Dorfvereins fort. Der Club hält nichts davon, für viel Geld Spieler aus dem Ausland zu verpflichten. Andwil-Arnegg hätte ohnehin nicht die finanzielle Potenz. Dass mit Jefferson Bellaguarda in der vergangenen Saison ein Brasilianer am NLA-Aufstieg beteiligt war, hatten die Andwiler glücklichen Umständen zu verdanken. Bellaguarda belastete die Rechnung des Vereins nicht.

Die eigenen Spieler fördern

Andwil-Arnegg verfolgt vor allem ein Ziel: die eigenen Spieler zu fördern. Dass dies nicht nur leere Worte sind, hat der Club vor dieser Saison bewiesen. Die nach den Abgängen von Sascha Messmer, der zu Appenzell zurückkehrte, und Bellaguarda, der keine Hallensaison mehr bestreiten wollte, frei gewordenen Plätze wurden mit eigenen Junioren besetzt. Und so kann Stolz mit gewissem Stolz sagen: «Die meisten unserer Spieler sind im Dorf aufgewachsen.» Und dass er, Stolz, den Aufsteiger durch die NLA-Saison führen wird, ist ebenfalls aussergewöhnlich. Denn eigentlich hatte er «gar nicht geplant, nochmals einzusteigen», nachdem er 2006 den Verein in die höchste Liga geführt hatte und danach zurückgetreten war. Doch der Verein fand in diesem Sommer keinen Nachfolger für Cäsi Fink, der aus zeitlichen Gründen aufgehört hatte.

Die Spieler, von denen einige in Andwil einst bei Primarlehrer Stolz zur Schule gingen, beknieten den 54jährigen, das Amt doch zu übernehmen. Stolz konnte und wollte nicht nein sagen, da ihm einerseits der Club ans Herz gewachsen ist und ihn anderseits «mit den Spielern mittlerweile schon eine persönliche Freundschaft verbindet», wie er sagt.

«Besser werden und reifen»

So starten Trainer Stolz und seine Mannschaft mit den Teamstützen Andre Kraft, Mathias Keller und Patrik Thürlemann an diesem Wochenende in eine Saison, die ihnen wohl so manche Niederlage bringen dürfte. «Dass es schwer wird, ist uns bewusst», sagt Stolz. Aber gleichwohl ist die Freude auf dieses Abenteuer NLA gross. «Wir wollen besser werden und reifen», sagt der Trainer. Und vor allem eine Rolle wollen die Andwiler Volleyballer, die Exoten der Liga, in der höchsten Spielklasse übernehmen: jene des Spielverderbers.

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