Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

DIE ERFOLGREICHE KARRIERE VON MARTINA HINGIS: Jetzt sagt sie definitiv Adieu

Martina Hingis wird nach dem WTA-Masters in Singapur ihre Karriere beenden. Mit ihr verabschiedet sich eine herausragende Schweizer Sportlerin, die auf 23 bewegte Karrierejahre zurückschauen kann.
Marco Keller (sda), Singapur
Martina Hingis mit ihrer Mutter und Trainerin Melanie Molitor. (Bild: Arno Balzarini/Keystone (Trübbach, 1991))

Martina Hingis mit ihrer Mutter und Trainerin Melanie Molitor. (Bild: Arno Balzarini/Keystone (Trübbach, 1991))

Marco Keller (SDA), Singapur

Da war sie wieder, diese grossartige Spielkunst von Martina Hingis, die das Tennispublikum seit dem Début auf der Tour 1994 immer wieder fasziniert hat. Bei 30:30 im letzten Game, die Gegnerinnen hofften ein letztes Mal auf die späte Wende, da gelang der 37-Jährigen aus schwieriger Position ein brillanter Vorhand-Longline-Passierball. Unerreichbar, das Staunen unter den ­Zuschauern der WTA-Finals in Singapur war gross, wenige Sekunden später machte Chan Yung-Jan mit einem Vorhandvolley den Halbfinaleinzug perfekt. Ihre Partnerin habe gespielt wie «eine Kriegerin am Netz», sagte Hingis im Platzinterview. Das Lob hätte sie getrost zurückgeben können und das macht die grosse Stärke dieses Teams aus: Beide ergänzen sich perfekt. Hingis ist für die technischen Finessen zuständig. Um optimale Leistung zu erzielen, braucht sie aber als Ergänzung eine Powerspielerin. So wie Chan und so wie vorher Sania Mirza, mit der sie 14 Turniere gewann.

Eine Marke, die sie mit Chan bei gleichbleibender Leistung wohl im nächsten Frühling übertroffen hätte. Doch da ist der Konjunktiv und zwar schon seit Jahresanfang. Im Gegensatz zur Öffentlichkeit hatte Hingis ihre neue Partnerin darüber informiert, dass dies sehr wahrscheinlich ihre letzte Saison auf der Tour sei. Der Harmonie tat dies keinen Abbruch, neun Turniere gewannen die beiden bisher, das Jubiläum ist in Singapur noch möglich. Am prestigeträchtigsten war jedoch die Trophäe beim US Open.

Auf dem Höhepunkt aufhören

Hingis gewann an jenem September-Wochenende in New York ihre Major-Titel 24 und 25. Zehn davon holte sie im Doppel und Mixed, nachdem sie 2013 ihr zweites Comeback gestartet hatte. Sie hatte in den Monaten zuvor als Coach von Anastasia Pawljutschenkowa und Sabine Lisicki gemerkt, dass sie im Doppel immer noch mit den Allerbesten mitzuhalten vermochte. «Diese Erfahrungen haben mir sehr geholfen, aber ich wusste auch, dass ich nicht beides gleichzeitig machen konnte.» Also wurde aus der Trainerin wieder eine Spielerin.

Besser hätten die letzten drei Jahre kaum verlaufen können und so ist der erneute Rücktritt von Hingis aus ihrer Sicht logisch. «Man soll auf dem Höhepunkt aufhören. Die Leistungen der vergangenen drei Jahre wären ohnehin kaum zu toppen.» Als Nummer eins der Doppel-Weltrangliste gibt sie ihren Abschied. Ein «Goodbye» sei es aber nicht: «Wie die Vergangenheit zeigt, war ich nie in der Lage, dem Tennis lange fern zu bleiben. Ich freue mich zu sehen, welche Möglichkeiten und Herausforderungen vor mir liegen.»

Mit dem Abschied als Nummer eins der Doppel-Weltrangliste schliesst sich ein zwei Jahrzehnte umspannender Kreis. Ende März 1997 war Hingis im Einzel erstmals die Nummer eins geworden, mit 16 Jahren und 6 Monaten als jüngste Spielerin überhaupt. Acht Wochen zuvor hatte sie in Australien ihren ersten Grand-Slam-Titel gewonnen. Es folgten im Einzel vier weitere Major-Titel, dazu sieben Endspiele, 43 Einzelturniersiege und 209 Wochen an der Spitze der Weltrangliste. Dank Hingis markierte das Land der Ski- und Bobfahrer erstmals auch sportliche Globalpräsenz. Hingis war aber auch forsch und manchmal etwas zu forsch: Beachtliche Teile der Schweiz taten sich schwer mit dem Shootingstar.

Erster Rücktritt mit 22 Jahren

Hingis’ Vita bestand nicht nur aus Höhepunkten. 1999 kassierte sie im French-Open-Final gegen Steffi Graf eine der bittersten Niederlagen und musste sich vom unfairen Publikum auspfeifen lassen, weil sie das No-Go begangen hatte und auf die andere Platzseite gestürmt war, um einen Abdruck zu kontrollieren. Es ist der einzige grosse Titel, der ihr bis heute fehlt. Mit 22 Jahren folgte dann der Rücktritt wegen Fussproblemen und zwei Jahre nach der ersten Rückkehr der erneute Abgang nach einer positiven Dopingprobe in Wimbledon.

Nun also gibt es spätestens am Sonntag, zum Ende der WTA-Finals, ein dritter Abschied. Und wie Hingis betonte, wird es kein weiteres Comeback geben. Das permanente Reisen zehrte zunehmend an der Substanz. «Zudem verändern sich meine Prioritäten», sagte sie lachend. Wie auf dem Court ist die 37-Jährige auch abseits glücklich – mit dem gleich alten Zuger Arzt Harald Leemann.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.