Die Entscheidung naht

Am Donnerstag steht in der Europa League die vierte Runde an. In der Gruppe A, in der auch der FC St.Gallen mitspielt, könnten dann erste Entscheidungen fallen. Eine Übersicht mit Formstand und Aussichten der vier Teams.

Dominic Wirth
Drucken
Teilen

Vielleicht ist am Donnerstag alles schon fast vorbei, vielleicht gewinnen Valencia und Swansea ihre Spiele in St. Gallen und Krasnodar. Dann hätten die favorisierten Teams in der Gruppe A der Europa League die Qualifikation für die nächste Runde schon beinahe auf sicher. Ihr Vorsprung auf die Aussenseiter St. Gallen und Krasnodar betrüge dann mindestens sechs (Valencia) und sieben (Swansea) Punkte – und das bei nur noch zwei ausstehenden Spielen.


Swansea
Formstand: Die Waliser mussten am Sonntag eine Niederlage einstecken, sie verloren in Cardiff, beim grossen walisischen Rivalen, mit 0:1. Das einzige Tor erzielte Steven Caulker nach einer guten Stunde. Es war das erste «South Wales Derby» in der Premier League, ein Spiel, welches das ganze Land während Tagen in Atem hielt. Entsprechend schmerzhaft ist die Niederlage für Swansea, das damit in der Liga hinter Cardiff zurückgefallen ist und derzeit auf Platz 13 liegt. «Wir haben nicht gespielt und keinen Willen gezeigt», sagte Captain Ashley Williams. Am Ende stand bei Swansea Angel Rangel, ein Verteidiger, im Tor. Goalie Michael Vorm hatte in der Nachspielzeit nach einem Foul die rote Karte gesehen. Von den vergangenen acht Spielen hat Swansea nur zwei gewonnen.
Prognose: Auch wenn Swansea derzeit nicht das Niveau der vergangenen Saison erreicht: In der Europa League schaffen die Waliser den Einzug in die nächste Runde.

Valencia
Formstand: Die Spanier blieben in dieser Saison meist unter den Erwartungen. Sie spielten oft durchschnittlich, ab und zu gar schwach, doch kaum einmal wie die spanische Nummer drei, die sie immer noch gerne wären. Als sie den FC St. Gallen vor knapp zwei Wochen gleich mit 5:1 aus dem Mestalla fegten, hofften sie auf Besserung. Doch schon drei Tage später mussten sie den nächsten Nackenschlag hinnehmen. Gleich mit 1:4 unterlag Valencia im Derby in Villareal. Weil der ehemalige Champions-League-Finalist am vergangenen Mittwoch auch gegen den Tabellenletzten Almeria verlor, und das erst noch zu Hause, stand er am Sonntag in Getafe gehörig unter Druck. Valencia reagierte stark auf die jüngsten Resultate, es gewann die schwierige Partie mit 1:0. Stürmer Dorlan Pabón war der einzige Torschütze. Miroslav Djukic, der Trainer, der zuletzt in die Kritik geraten war, sagte danach: «Wenn wir als Team auftreten, sind wir gut.» Trotz des Sieges fehlt Valencia indes noch einiges zur Konstanz, die es braucht, um in der Primera Division das Ziel zu erreichen: Die Qualifikation für die Champions League.

Prognose: Vieles hängt davon ab, wie sich Valencia am Donnerstag in St. Gallen präsentiert. Wenn die Spanier ihren Gegner genauso ernst nehmen wie im Hinspiel, dann haben sie gute Chancen, den vorentscheidenden Sieg zu schaffen.

St.Gallen
Formstand: Die St. Galler erreichten in dieser Saison ungeahnte Höhen, als sie 4:2 in Moskau gewannen, oder später, beim 2:0 gegen Kuban Krasnodar. Auch in der Meisterschaft beeindruckten sie immer wieder, zu Hause gegen die Young Boys und Luzern, auswärts bei den Grasshoppers. Die Länderspielpause Anfang Oktober kam ihnen zwar gelegen, weil sie dringend Erholung brauchten. Doch sie raubte ihnen auch ein wenig ihren Rhythmus. Die Ostschweizer traten zuletzt nicht mehr mit demselben Selbstverständnis auf, sie verloren in Basel mit 0:3 und kurz darauf in Valencia mit 1:5. Seither haben sie sich indes gefangen. Zuletzt, beim 3:0 in Lausanne, liessen sie in der Defensive nichts zu. Allmählich scheinen sie wieder zur Kompaktheit zu finden, die sie während ihres Höhenflugs auszeichnete. Sie haben seit drei Spielen nicht mehr verloren, liegen in der Meisterschaft gut im Rennen, sind im Cup noch dabei und auch in der Europa League. Noch mehr zu erwarten, wäre schlicht vermessen. Man darf nicht vergessen: Vor eineinhalb Jahren spielte der Club noch in der Challenge League.

Prognose: Die St. Galler brauchen am Donnerstag einen Sieg, wenn sie ihre Chancen auf die nächste Runde wahren wollen. Schliesslich wartet danach die unangenehme Reise nach Krasnodar, bevor im letzten Spiel Swansea nach St. Gallen kommt. Falls die Ostschweizer so mutig auftreten, wie sie das in der Europa League schon ein paar Mal taten, ist ein Sieg gegen Valencia nicht unmöglich. «Das wird ganz ein anderes Spiel als in Valencia», sagt Jeff Saibene.

Kuban Krasnodar
Formstand: Seit Mitte Oktober haben die Russen einen neuen Trainer. Viktor Gonscharenko, ein 36jähriger Weissrusse, ersetzte Dorinel Munteanu. Der Rumäne hat vor seiner Absetzung fünf von sieben Spielen verloren. Diese Bilanz war dem ambitionierten Verein zu schlecht. Jetzt hat also Gonscharenko übernommen, und zuletzt kam Kuban Krasnodar mit ihm zu einem wichtigen Sieg. Am Sonntag gewann der Club das Stadtderby gegen den FK Krasnodar, Gigel Bucur und Ivelin Popov trafen in der zweiten Halbzeit beim 2:1-Erfolg. Mit Gonscharenko feierte Kuban zuletzt zwei Siege in der russischen Meisterschaft, und bei Swansea errang das Team dank einem späten Tor von Dijbril Cissé ein 1:1-Unentschieden. Obwohl die Russen in der heimischen Liga derzeit nur Platz acht belegen, zeigen sie einen Aufwärtstrend.

Prognose: Kuban Krasnodar ist zwar Letzter, aber ganz abschreiben sollte man die Russen noch nicht. Sie bestreiten jetzt zwei Heimspiele, zuerst gegen Swansea, Ende November gegen den FC St. Gallen. Wenn die Russen diese beiden Spiele vor ihrem lautstarken Heimpublikum gewinnen, dürfen sie sich noch Hoffnungen machen auf den Einzug in die nächste Runde.

Aktuelle Nachrichten