Die Eiszeit ist gar nicht so kalt

Ein unglücklicher FC Wängi verliert in der 2. Liga interregional das letzte Spiel des Jahres gegen Bazenheid mit 1:2 und bleibt mit fünf Punkten auf dem letzten Rang. Ein Besuch im Tabellenkeller, wo es gar nicht so kalt ist.

Beni Bruggmann
Drucken
Teilen

Fussball. Die Winterpause hat begonnen, es wird kalt. In einem Verein wie dem FC Wängi muss jetzt die Eiszeit beginnen: 13 Spiele, 10 Niederlagen, nur 1 Sieg. Bei so viel Ungemach kann man mit frostigem Klima, hektischen Vereinsfunktionären und resignierenden Spielern rechnen. Aber in Wängi sieht alles ein bisschen anders aus.

Zum Klima: Fast 400 Zuschauer säumen den Platz und verbreiten eine gute Stimmung.

Der Speaker heisst Gäste-Trainer Ueli Heeb, früher fünf Jahre Coach bei Wängi, auf herzliche Art willkommen. Zur blitzsauberen Sportanlage Grosswies gehört eine kleine Tribüne. 16 blaue Klappsitze stehen für «Frühbucher» bereit. Diese Sitze haben eine Geschichte: Als der Zürcher Hardturm abgebrochen wurde, sicherten sich die Wängemer diese Sitze, dazu noch die Matchuhr und einen Grillwagen. So schwebt ein Hauch von Grossstadt über der Fussballprovinz.

Die fröhliche Masseurin

Für gute Stimmung ist auch Zoé Braun verantwortlich. Sie ist die Masseurin der Wängi-Spieler. Vor dem Spiel, nach getaner Arbeit in der Kabine, kommt sie auf den Platz, winkt hier einigen Bekannten zu, begrüsst dort eine Frau mit ihren Kindern und grüsst sogar den Fremden freundlich.

Zum Vereinsfunktionär: Peter Läubli, Wängi-Präsident seit sieben Jahren, gesteht zwar vor dem Spiel, ein bisschen nervös zu sein.

Aber da sitzt kein gestresster Macher beim Gespräch, sondern ein geerdeter, währschafter Patron, der stolz ist auf seinen Verein. «Die Vereinsfinanzen sind im Lot, von der Gemeinde werden wir gut unterstützt», sagt Läubli, «und mit unserer ersten Mannschaft müssen wir realistisch sein.» Das heisst: Er spürt den guten Willen, er vertraut dem Team, und er weiss: «Im vergangenen Jahr hatten wir eine Spur mehr Glück, dieses Jahr eine Spur mehr Pech.» Die Mannschaft harmoniert, der Trainer ist kein Thema.

Blick voraus

Zum Spieler: Thomas Schlittler, 22jährig, Sohn von Trainer Hanspeter Schlittler, zeigt mit seinen guten Zuspielen eine ausgezeichnete Partie. Den Kommentar zur ersten Halbzeit, als Wängi vier Grosschancen verpasst, Bazenheid aber aus zwei stehenden Bällen ein 2:0 erreicht, gibt er nonverbal: Er tritt beim Verlassen des Platzes so wuchtig in die Bande, dass die Zuschauer erschrecken. Nach Spielschluss ist er zwar enttäuscht, aber nicht resigniert. Er denkt an die Zukunft: «Im ersten Spiel im neuen Jahr spielen wir zu Hause gegen Chur.

Da müssen wir gewinnen.» Eigentlich müsste Schlittler den Spielbericht verfassen. Schliesslich studiert er Journalismus. Aber das macht jemand anders. Auf der Internetseite des FC Wängi finden sich sämtliche Berichte. Autorin: Zoé Braun. Die Masseurin verfasst auch den Matchbericht. Sie hätte diesmal mit dem traurigen Satz beginnen können: «Gegen Bazenheid geriet Wängi zum zehntenmal in der ersten Viertelstunde in Rückstand.» Aber sie entschied sich anders. Sie schrieb vom Fluch des frühen Tores…

Aktuelle Nachrichten