Die eigene Bestleistung als Ziel an der U23-EM

Morgen Donnerstag startet der schnellste Thurgauer Hürdenläufer, Kariem Hussein, an der U23-EM in Tschechien in seiner Paradedisziplin. Der 22jährige Tägerwiler musste in den vergangenen Monaten während der Vorbereitungsphase über viele Stolpersteine springen.

Raya Badraun
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Kariem Hussein (r.) will an der U23-EM angreifen. (Bild: kh)

Kariem Hussein (r.) will an der U23-EM angreifen. (Bild: kh)

Leichtathletik. Die letzten Monate vor der U23-EM liefen für Kariem Hussein von der LG erdgas Oberthurgau nicht ganz wunschgemäss ab. Während der Prüfungen im Juni machte der Medizinstudent aus Tägerwilen vor allem Krafttraining. Dass er nur beschränkt trainieren konnte, lag nicht nur am Studium, sondern auch an einer Verletzung.

Weil er am Rücken einen eingeklemmten Nerv hatte, konnte er das Bein eine Zeitlang nicht richtig heben und deshalb auch nicht trainieren. Nach den Prüfungen kehrte der junge Athlet von Fribourg, wo er im zweiten Jahr Medizin studiert, in den Thurgau zurück. Nach zwei Trainings bei Werner Dietrich fühlt sich der Tägerwiler nun besser. Dass ist wichtig, denn am Montag reiste Hussein nach Ostrava. In der tschechischen Stadt findet von Donnerstag bis Sonntag die U23-EM der Leichtathleten statt. Dort startet der Thurgauer morgen Mittag im 400-m-Hürdenlauf und am Sonntagabend in der 4×400-m-Staffel. «Ich freue mich sehr», sagt der 22-Jährige. «Es war mein Ziel, dorthin zu kommen.»

«Er überlegt zu viel»

«Wie die Chancen beim Wettkampf stehen, ist schwer zu sagen», sagt Dietrich. Der Riedter kennt sich aus: Er trainierte den ehemaligen Kugelstoss-Weltmeister Werner Günthör, den ehemaligen Schweizer Meister im Zehnkampf, Mirko Spada, und seit zwei Jahren auch Kariem Hussein. «Für ihn ist es der erste Grossanlass. Er ist noch sehr jung und ich weiss nicht, wie er das mental schafft», sagt der Trainer. Sportlich verfüge der Leichtathlet über ein enormes Potenzial, aber er hat ein Problem: «Er überlegt zu viel und ist zu wenig locker.»

Für die U23-EM sei es trotzdem realistisch, dass es der Hürdenläufer in den Halbfinal schaffe, meint sein Trainer. Hussein selbst würde gerne seine persönliche Bestleistung laufen. Im Hürdenlauf sind das 51,64 Sekunden – der Thurgauer Rekord und schweizweit die zweitbeste Zeit im Jahr 2010 in der Kategorie U23. «Ich bin zuversichtlich, dass es klappt», sagt der 22-Jährige.

Ferien im Thurgau

Obwohl ihm der Hürdenlauf viel Spass mache, träumt Hussein noch immer vom Zehnkampf. Es sei aber anspruchsvoll, Studium und Leistungssport unter einen Hut zu bringen, gibt Hussein zu. «Den Dreh habe ich noch nicht ganz raus.» Sein Berufswunsch ist auch der Grund, warum Hussein nicht auf das ganze Paket setzt. «Von dem, was er kann, wäre es möglich», sagt Dietrich. «Aber vom Aufwand her nicht.»

«Vielleicht nach dem Studium», sagt der Tägerwiler. Aber zuerst will sich der Nachwuchsathlet im Hürdenlauf beweisen. Nach der U23-EM findet Anfang August die Schweizer Leichtathletik-Meisterschaft in Basel statt. Dort holte er in seinem ersten Jahr in der Leichtathletik bereits die Silbermedaille bei den Elite. «Vielleicht gehe ich dazwischen in die Ferien», sagt das Nachwuchstalent. «Oder ich mache Sport und geniesse den Sommer im Thurgau. Stress hatte ich in letzter Zeit ja genug.»