Kolumne

Die Breite entscheidet sportlich wie finanziell

Die EM hat einmal mehr gezeigt, dass Handball eine grossartige Sportart ist. Leider hat das Turnier aber auch bestätigt, dass die Schweiz trotz der ersten EM-Teilnahme seit 14 Jahren im Konzert der ganz Grossen noch nicht mithalten kann.

René Bühler
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Kolumnist René Bühler

Kolumnist René Bühler

Benjamin Manser

Mit Andy Schmid hat die Schweiz einen der besten Handballer Europas, der fünf Mal in Folge zum besten Spieler der deutschen Bundesliga gewählt wurde. Mit seinen 36 Jahren ist Andy Schmids sportliche Zukunft aber überschaubar, auch wenn sein Vertrag den Rhein Neckar noch bis ins Jahr 2022 läuft.

Die Breite an guten Schweizer Spielern ist aber deutlich höher als noch vor einigen Jahren – und trotzdem machte diese Breite eben doch den Unterschied zu den Topmannschaften in Europa aus. Seit dieser Saison stehen zum ersten Mal gleich acht Schweizer Nationalspieler als Profis im Ausland unter Vertrag.

Spellerberg ist eine Bereicherung für den Schweizer Handball

Auch beim TSV St.Otmar ist die Breite und dementsprechend die Stärke des Kaders ausgeglichener als in früheren Jahren. Wie entscheidend dies sein kann, zeigt sich in dieser Saison, in der diverse Leistungsträger wegen langwieriger Verletzungen ausfallen. In der laufenden Spielzeit müssen die St.Galler NLA-Handballer sogar ihren Topskorer Severin Kaiser ersetzen.

Trotzdem spielt das Team mit seinem 40-jährigen Spielertrainer Bo Spellerberg als Aussenseiter um den Meistertitel. Aus finanziellen Gründen wurde der Vertrag von Spellerberg nicht verlängert. Das ist bedauernswert, denn Spellerberg ist mit seiner Art zu spielen, auch im Herbst seiner Karriere eine Bereicherung für den Schweizer Handball.

St.Otmar hat mit dem «Club2000» seit 1987 eine sehr aktive Sponsorenvereinigung, die schon fast eine Institution ist. Kürzlich wurde die beinahe unglaubliche Zahl von 500 (!) Mitgliedern erreicht. Vom «Club2000» dürfte gegen eine Million Franken in die Vereinskasse fliessen. Präsident der Gönnervereinigung ist der ehemalige Vereinspräsident Patrick Stach, der mit weiteren treibenden Kräften für den Erfolg verantwortlich zeichnet.

Mit 2000 Franken kann bei St.Otmar mehr bewegt werden als beim FC St.Gallen

Im Vergleich dazu haben die drei Gönnervereinigungen des FC St.Gallen – Dienstagclub, Ambassadoren und Pioneersclub – rund 300 Mitglieder. In der Geldbeschaffung der beiden St.Galler Spitzenvereine gibt es aber grosse Unterschiede. Mit 2000 Franken kann man bei St.Otmar natürlich mehr bewegen als beim FC. Dies ist schon alleine den Budgets und den unterschiedlichen Lohnsummen der Spieler geschuldet.

Mit der Unterstützung aus dem «Club2000» und den Mitgliederbeiträgen könnte St.Otmar aber einen reduzierten Meisterschaftsbetrieb in der NLA knapp stemmen. Mit den Einnahmen aller Gönnervereinigungen des FC St.Gallen wäre dies hingegen nicht möglich.

Die Gönnervereinigungen sind enorm wichtige Partner, da zusätzlich zu deren Beiträgen bei etlichen Mitgliedern auch weitere Sponsorings hinzukommen. Diverse Personen oder Firmen sind übrigens sowohl im «Club2000» wie auch in einer Gönnervereinigung des Fussballclubs dabei.

Im Handball gibt es keine Position «Transfererlöse»

Ein grosser Unterschied besteht bei den Transfererlösen der Spieler. Im Fussball kann ein Club mit guten Transfers viel zu einem erfolgreichen Jahresabschluss beitragen. Ein Verein wie der FC St.Gallen muss sogar auf Transfererlöse hoffen, kalkulieren lassen sich diese im Budget aber nicht. Im Handball ist die Position «Transfererlöse» hingegen gar nicht existent. Ein wichtiger Unterschied liegt auch bei der Präsenz der Mitglieder der Gönnervereinigungen an den Partien. Wenn der FC St.Gallen ein Heimspiel bestreitet, ist die Mehrheit der Mitglieder der Gönnervereinigungen im Stadion.

St.Otmar würde man sich wünschen, dass die guten Leistungen der Mannschaft von den Zuschauern und den Mitgliedern des «Club2000» durch eine grössere Präsenz an den Spielen in der Kreuzbleichehalle noch stärker honoriert würden.

Unser Kolumnist

René Bühler wirft einen Blick auf das Geschehen im Sport. Bühler ist Ehrenpräsident des FC Fortuna St. Gallen und Herausgeber des Buches «Fussballjahre». (red)