DIE BERÜHMTESTEN NAMEN IM CHINESISCHEN FUSSBALL: Ein spätes Eldorado

Der 32-jährige Argentinier Carlos Tevez wechselt zum chinesischen Club Shanghai Shenhua und steigt mit einem Jahresgehalt von 33 Millionen Euro zum bestbezahlten Fussballer der Welt auf.

Tobias Käufer
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Tobias Käufer

Carlos Tevez hatte kaum Platz genommen, da begann die denkwürdige Pressekonferenz in Buenos Aires. Der «Apache», wie sie ihn in Argentinien rufen, machte aus seinem Gemütszustand kein Geheimnis. Müde und ausgebrannt fühle er sich, sagte der 32-jährige Offensivspieler der Boca Juniors, des populärsten Clubs im Land des zweifachen Weltmeisters, vielleicht sogar in ganz Lateinamerika. Tevez war an jenem Tag im September dieses Jahres das, was gemeinhin als amtsmüde bezeichnet wird.

Jetzt, gerade einmal elf Wochen später, ist davon nicht mehr viel zu spüren. Ganz im Gegenteil. Aus dem trotz Lionel Messi populärsten aktiven argentinischen Fussballspieler ist inzwischen der bestbezahlte Fussball-Profi der Welt geworden. Möglich macht das die chinesische Super League, genauer gesagt Shanghai Shenhua. Der Club aus dem Reich der Mitte zahlt Tevez die unfassbare Summe von versteuerten 33 Millionen Euro im Jahr. Das sind rund 700000 Euro in der Woche. Nicht einmal Messi, mit dem Tevez eine Hassliebe verbindet, oder der Portugiese Cristiano Ronaldo kassieren solche Summen.

Hohn und Spott in Argentinien

Das fürstliche Gehalt hat in Argentinien Hohn und Spott zur Folge, hatte Tevez doch bei seiner Präsentation nach der Rückkehr im legendären Stadion «La Bombonera» einen Satz geprägt, der ihm nun wie ein Spiegel vor die Nase gehalten wird. «Mit Geld kann man kein Glück kaufen», antwortete Tevez auf die Frage, ob Boca denn mit Italien oder England vergleichbar sei, wo Tevez zwar mehr verdient, sich eben aber auch fremd gefühlt habe.

Der Tevez-Wechsel ist ein Indiz dafür, dass Chinas Fussball den Rest der Welt angreift und noch mehr Geld in den ohnehin schon überhitzten und bisweilen pervertierten Transfermarkt pumpt. Zur Zeit sind es vor allem jene Spieler, die in Europa und Südamerika durch den Rost gefallen sind oder zu fallen drohen. Renato Augusto zum Beispiel, bei Bayer Leverkusen für nicht bundesligatauglich befunden, schaffte es in seiner brasilianischen Heimat, wieder zum Spieler des Jahres aufzusteigen und entschied sich prompt für eine Offerte von Beijing Guoan. Dort will sich Olympiasieger Augusto nun auf seine tragende Rolle an der WM 2018 in Russland vorbereiten. Auch Stürmer-Landsmann Hulk zog es zu Shanghai IPG. Inzwischen soll auch der Deutsche Lukas Podolski von den Chinesen umworben sein.

Chinas Staatsführung hat den Fussball zur Chefsache gemacht. Mit ihren Millionen-Investitionen in Spielermaterial wollen die Chinesen Know-how einkaufen. Das gilt auch für das Management. Vor allem deutsches Fachwissen aus den Geschäftsführeretagen der Bundesliga ist gefragt. Ausverkaufte Stadien, schwarze Abschlussbilanzen und hohe Marketingeinnahmen wecken das Interesse der Manager aus Fernost. Am Ende der Entwicklung könnte eine Schubumkehr der bisherigen Verhältnisse stehen: Die Europäer versuchen derzeit, den chinesischen Markt zu erobern. Wenn es dumm läuft für Europas Traditionalisten, könnte es aber auch gut andersherum gehen. Es wäre nicht das erste Mal, dass eine konzertierte Aktion der chinesischen Wirtschaft die bestehenden Machtverhältnisse umkehrt. Oder wie sagte es einst der frustrierte Jürgen Klopp 2013 mit Blick auf ein enteiltes Bayern München? Die würden es wie die Chinesen machen. Kopieren ein erfolgreiches System. Das Ganze nur mit viel mehr Geld.