Ein schwerer Sturz bremst Jolanda Neff: Trotzdem fährt die St. Galler Mountainbikerin beim Comeback auf den zweiten Platz

Keine andere hat so viel Klasse wie sie. In den USA erleidet Jolanda Neff im Dezember bei einem Unfall einen Milzriss, nun fährt sie in einem sehr gut besetzten Rennen auf das Podest.

Daniel Good
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Jolanda Neff in Kanada auf der Fahrt zu WM-Silber.

Jolanda Neff in Kanada auf der Fahrt zu WM-Silber.

Bild: Jacques Boissnot/AP (Mont Sainte-Anne, 31. August 2019)

Am Sonntag startet Jolanda Neff zur Schweizer Meisterschaft. In der Regel eine sichere Sache für die vierfache Weltmeisterin in der olympischen Mountainbikedisziplin Cross-Country. Einmal, 2015, wurde sie von einem Defekt gestoppt, der sie fünf Minuten kostete. Sie landete noch noch auf Platz drei. Alle anderen Schweizer Meisterschaftsrennen gewann sie.

Eine ähnlich starke Bilanz hat Neff an Europameisterschaften: fünf Starts, viermal Gold.

Jetzt aber ist die Seriensiegerin am Aufholen. Sie hat einen grossen Trainingsrückstand, denn im Dezember stürzte sie in den USA schwer, erlitt einen Milzriss und weitere Verletzungen. «Ich bin erst seit zwei Monaten richtig am Trainieren. In den Jahren zuvor dauerte meine Saisonvorbereitung fünf Monate», sagt Neff.

Für einmal ist Platz zwei ein Erfolg für Neff

Deshalb war sie erstaunt über die gute Platzierung im ersten Rennen nach der Coronapause am vergangenen Sonntag in Leukerbad. Sie erreichte nach einer Aufholjagd den zweiten Platz, noch vor der französischen Weltmeisterin Pauline Ferrand-Prévot, die Fünfte wurde. Neff sagt:

Ich dachte im Vorfeld des Rennens, dass ich keine Chance haben würde und weit ab vom Schuss lande. Ich habe viel weniger trainieren können als die Konkurrenz. Viele meiner Gegnerinnen haben wohl so viel trainiert wie noch nie.»

Aber in Leukerbad lief es der 27-jährigen Neff von Runde zu Runde besser. Am Ende lag sie bloss eine gute halbe Minute hinter Sina Frei, der Schweizer U23-Weltmeisterin.

Jolanda Neff

Jolanda Neff

Bild: Gian Ehrenzeller / KEYSTONE (Altenrhein, 4. Juni 2019)

Es war der erste Ernstkampf für Neff seit dem 6. Oktober, als die St.Gallerin in Japan vor Frei die Olympia-Hauptprobe für sich entschied. «So eine lange Rennpause hatte ich noch nie, seit ich Wettkämpfe bestreite», sagt Neff. Ihre ersten Rennen bestritt sie als Sechsjährige.

Sie kann ohne jegliche Beschwerden trainieren

Neff geht normalerweise an den Start, um zu gewinnen. Aber für einmal war der zweite Platz von Leukerbad ein Erfolg. «Das Rennen war ja extrem gut besetzt. Fast so gut wie im Weltcup.» Wichtig ist vor allem, dass Neff nach dem schweren Unfall ohne jegliche Beschwerden trainieren kann.

Das Siegen kommt momentan an zweiter Stelle. «Ich fühle mich gut. Ich muss dem Körper jetzt Zeit geben. Es ist gut möglich, dass ich auch am nächsten Sonntag an der Schweizer Meisterschaft nicht gewinne», sagt die Thalerin vor dem Rennen in Gränichen.

Für Tokio wäre Neff noch nicht bereit gewesen

Schweizer-Meister-Titel hat Neff ohnehin genug. Was ihr noch fehlt, ist der Olympiasieg. Das Rennen in Japan findet wegen der Coronapandemie erst am Montag in einem Jahr statt. Für Neff ist es gut, dass die Olympischen Spiele um ein Jahr verschoben wurden. Wegen des Unfalls wäre sie diesen Sommer im wichtigsten Rennen ihrer Karriere nicht bereit gewesen.

Leiden beim Zeitfahren: Jolanda Neff auf dem für sie ungewohnten Gefährt

Leiden beim Zeitfahren: Jolanda Neff auf dem für sie ungewohnten Gefährt

Marcel Bieri / KEYSTONE (Belp, 12. Juli 2020)

Mit dem gleichen Velo wie Olympiasieger Cancellara

Schon vor dem Swiss Bike Cup in Leukerbad hatte Neff ein Zeitfahren in den Beinen. Sie schrieb sich für die Schweizer Meisterschaft in Belp ein und belegte den vierten Platz. Sie fuhr das gleiche Velomodell wie Fabian Cancellara beim Olympiasieg 2016 in Rio. «Ich habe mich extra noch vergewissert, dass es so ist», sagt Neff.

Die spezielle Position auf der Zeitfahrmaschine ist aber nicht ihre Sache. «Ich bin froh, bin ich Mountainbikerin. Ich schaffe mit dem Bike höhere Wattzahlen als auf dem Zeitfahrvelo.» Neffs Aufholjagd geht weiter. Die Mountainbike-WM soll im Oktober in Österreich stattfinden.