«Die Arbeit war nicht umsonst»

Der Abstieg von Rapperswil-Jonas Eishockeyclub aus der NLA beschäftigt auch Markus Bachschmied. Der Präsident des SC Herisau plante mit den St. Gallern ein Farmteam-Projekt für die NLB. Diesem gibt Bachschmied noch Chancen.

Matthias Hafen
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«Wir gingen die Planung sehr seriös an», sagt Markus Bachschmied, Präsident des 2.-Liga-Vereins Herisau. (Bild: zVg)

«Wir gingen die Planung sehr seriös an», sagt Markus Bachschmied, Präsident des 2.-Liga-Vereins Herisau. (Bild: zVg)

Herr Bachschmied, bedeutet der Abstieg von Rapperswil-Jona das Ende aller Nationalliga-Träume in Herisau?

Markus Bachschmied: Nein, das würde ich nicht sagen. Wir sind auf gutem Weg, den SC Herisau wieder vorwärts zu bringen. Hatten wir vor einigen Jahren noch 50 Kinder im Nachwuchs, so sind es derzeit wieder 150. Das ist ein sehr gutes Zeichen. Wichtig ist aber auch, dass wir die Schulden von 350 000 Franken weiter tilgen können. Grundsätzlich bin ich der Meinung, dass es weiterhin Platz für ein Nationalliga-B-Team hat in Herisau.

Als Sie das Farmteam-Projekt mit Herisau und Rapperswil-Jona in Angriff genommen hatten, dachten Sie da jemals daran, dass es auf diese Weise enden würde?

Bachschmied: Ich hatte es sicher nie gehofft. Aber wir gingen die Planung beidseits sehr seriös an. Alle Worst-Case-Szenarien wurden diskutiert. Die Planung sah diverse Exit-Daten vor, mit denen man auf verschiedene Umstände hätte reagieren können. Ein solches Ausstiegsdatum war auch der Abschluss der Ligaqualifikation, in der Rapperswil-Jona schliesslich gegen den B-Meister Langnau verloren hat.

Wie war Ihre Gefühlslage, als Rapperswil-Jonas Abstieg feststand?

Bachschmied: Es tat mir vor allem für die Sache leid – und die Menschen, die den Karren mitgezogen haben. Mich und Rapperswil-Jonas Sportchef Harry Rogenmoser verbindet eine langjährige Freundschaft im Eishockey. Natürlich war ich enttäuscht. Aber ich war deswegen nicht am Boden zerstört. Als Präsident des SC Herisau ist meine Hauptaufgabe die Führung des gesamten Vereins. Dieser besteht nach wie vor.

Wurden Sie seitens von Rapperswil-Jona persönlich enttäuscht?

Bachschmied: Überhaupt nicht. Es ehrt die dortige Clubführung, dass sie auch in einer sportlich schwierigen Lage mit einer solchen visionären Strategie auf uns zugekommen ist. Die Zusammenarbeit war immer hoch professionell. Wir Herisauer konnten in den vergangenen Monaten viel lernen von den Rapperswilern. Etwa, wie sie es zustande brachten, innert kurzer Zeit relativ viel Geld zu generieren.

Denken Sie, dass ein Farmteam-Projekt in Herisau in Zukunft nochmals zum Thema wird?

Bachschmied: Ich glaube daran, dass die Sache nur aufgeschoben ist. Ziel bleibt es, im Eishockey mehr Ausbildungsplätze zu schaffen. Die Nationalliga B ist für mich eine klassische Ausbildungsliga. Zudem wurde unsere Vorarbeit so akribisch geleistet, dass bei einem Wiederaufstieg von Rapperswil-Jona das Dossier nur wieder aus der Schublade gezogen werden kann.

Oder dann, wenn ein anderer Interessent aus der Nationalliga A anklopfen würde?

Bachschmied: Auch das schliesse ich grundsätzlich nicht aus. Die Arbeit war sicher nicht umsonst.

Was spricht denn gegen einen anderen Partner wie etwa Davos oder Zug?

Bachschmied: Ich denke, wir sollten zuerst einmal verarbeiten, was passiert ist. Es wäre nicht seriös, wenn wir uns jetzt an den nächstbesten Club aus der Nationalliga A wenden würden. Es gab für Herisau in dieser Sache nie einen Plan B.

Aber müssten gute Ideen wie ein NLB-Farmteam in Herisau nicht weiterverfolgt werden?

Bachschmied: Natürlich würde ich es begrüssen, wenn die Sache nun nicht auf Jahre in einer Schublade verschwindet. Aber bei allem visionären Denken muss man sich auch mit dem beschäftigen, was aktuell ist. Im Fall des SC Herisau sind das mittlerweile 350 000 Franken Schulden. Vielleicht hat es ja auch sein Gutes, dass das Farmteam-Projekt nicht sofort zustande gekommen ist. So haben wir nochmals etwas Zeit, um unsere Altlasten abzubauen.