Allrounderin Rahel Kopp will sich im
Ski-Weltcup etablieren

Die Sarganserländer Skirennfahrerin Rahel Kopp kämpft um den Durchbruch im Weltcup. Sie hat schon in allen Disziplinen gepunktet.

Ives Bruggmann
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Rahel Kopp während des Trainings zur Weltcupabfahrt in Garmisch-Partenkirchen.

Rahel Kopp während des Trainings zur Weltcupabfahrt in Garmisch-Partenkirchen.

Bild: Philipp Guelland/EPA (7. Februar 2020)

Es ist ein Thema, das sie schon während ihrer ganzen Karriere begleitet. Die 25-jährige Rahel Kopp ist eine vielseitige Skifahrerin, fährt in allen Disziplinen auf Weltcup-Niveau. Doch die Frage, die sich ihr immer wieder stellt: Auf welche Disziplinen setze ich? Ihre besten Ergebnisse feierte die gebürtige Sarganserin in der Kombination. Vier Top-Ten-Plätze stehen im Weltcup zu Buche, der vierte Platz 2019 in Crans-Montana ist das Bestresultat. Zudem wurde sie in dieser Disziplin 2015 in Norwegen Juniorenweltmeisterin. Doch um im Weltcup dauerhaft Fuss zu fassen, reichen die maximal vier Rennen pro Saison in der Kombination nicht aus. Die Allrounderin Kopp befindet sich also im Zwiespalt.

Rahel Kopp

Rahel Kopp

Swiss-Ski

In der laufenden Saison hat sich die 1,67 m grosse und 68 kg schwere Athletin auf den Super-G und den Riesenslalom fokussiert, hauptsächlich im Europacup. Zudem startete Kopp natürlich in ihrer Paradedisziplin, der Kombination. Es fanden jedoch im Weltcup nach zwei Absagen nur zwei Rennen statt. In Crans-Montana wurde Kopp Neunte, in Altenmarkt resultierte der 17. Platz. Durch das abgesagte Rennen in La Thuile wurde die Sarganserländerin um die Chance gebracht, ihren Status als Mitglied der Nationalmannschaft zu bewahren.

In der Abfahrt den Startplatz gesichert

Damit steht mit grosser Wahrscheinlichkeit fest, dass Kopp wieder in das A-Kader von Swiss-Ski absteigen wird. «Es ist schade, dass ich nicht darum fahren konnte», sagt Kopp. «Aber es hätte schlimmer kommen können.» Auch in den anderen Disziplinen fehlte der St.Gallerin der Exploit im Weltcup. «Es weht ein anderer Wind als im Europacup», sagt Kopp, die im Weltcup häufig mit hohen Startnummern und bei nachlassender Piste starten muss. Das Selbstvertrauen hat sie sich in dieser Saison im Europacup geholt, wo sie sich in der Abfahrt mit dem dritten Rang in der Disziplinenwertung wohl einen fixen Startplatz in der kommenden Weltcup-Saison sicherte. Im Super-G steht sie vor dem letzten Rennen auf Platz vier. Gut möglich, dass sich Kopp auch in dieser Disziplin den Fixplatz im Weltcup sichert.

Die guten Resultate im Europacup – ein Sieg sowie zwei Podestplätze – seien zwar schön, so Kopp. «Aber über allem steht der Weltcup, in dem ich den Durchbruch schaffen will.» Bereits 2013 bestritt Kopp ihr erstes Weltcup-Rennen – damals ging die eigentliche Technikerin im Slalom an den Start. Die ersten Weltcup-Punkte sicherte sie sich 2014 in Kühtai ebenfalls im Slalom.

Die Juniorenweltmeisterin

24 Rennen hat die Sarganserländerin Rahel Kopp in dieser Saison absolviert. Knapp die Hälfte davon im Weltcup. Die 25-Jährige ist in Sargans aufgewachsen und wohnt heute in Vilters. Im Weltcup hat Kopp bisher 69 Rennen bestritten und erreichte in allen Disziplinen einen Rang unter den besten 30. Die vier Top-Ten-Ergebnisse gelangen ihr allesamt in der Kombination, in der sie 2015 auch Gold bei den Juniorinnen gewann. Nebenbei absolviert Kopp ein Fernstudium in Wirtschaft. (ibr)

Doch der Durchbruch als Technikerin blieb der Sarganserländerin im Weltcup verwehrt. Und so verschoben sich die Einsätze der 25-Jährigen in den vergangenen Saisons in Richtung Speed-Disziplinen. Der Sieg in der Europacup-Abfahrt im italienischen Pila mit 1,48 Sekunden Vorsprung bestätigte heuer das vorhandene Potenzial in diesem Bereich. Die Gleitfähigkeiten sowie ein gutes Gefühl für den Ski bezeichnet Kopp als ihre Stärken in der Abfahrt.

Dabei hilft ihr auch der Skimarkenwechsel, den sie im vergangenen Sommer vollzogen hat. Neu fährt Kopp nicht mehr Rossignol, sondern mit dem zum selben Unternehmen gehörenden Dynastar. «Ich merke keinen Unterschied», sagt Kopp. Eigentlich sei alles gleich am Ski, nur das Deckblatt anders. Geändert hat sich für sie einzig, dass sie bei Dynastar bevorzugt behandelt wird. Bei Rossignol sind derzeit viele Topfahrerinnen unter Vertrag. Kopp musste sich deshalb hinten anstellen. Bei Dynastar kommt sie eher an die schnellen Ski, was sich vor allem in den Speed-Disziplinen ausgezahlt hat. «Ich bin sehr zufrieden mit dem Wechsel.»

Kopf-an-Kopf-Rennen mit Jasmina Suter

Einen Meilenstein erreichte Kopp im Januar mit dem 27. Platz in der Abfahrt von Bansko. Damit hat die St.Gallerin, die in Vilters lebt, in allen Weltcup-­Disziplinen gepunktet. «Das können nicht viele von sich behaupten», sagt Kopp, fügt aber sogleich hinzu: «Das Ziel ist jetzt aber der nachhaltige Erfolg im Weltcup in einer Disziplin.»

Kopp hat in dieser Saison noch den letzten Super-G im Europacup in zwei Wochen im Blick. In Saalbach steht Platz drei in der Disziplinenwertung auf dem Spiel. Diesen Rang hat ausgerechnet Teamkollegin Jasmina Suter inne. «Wir trainieren oft gemeinsam, teilen häufig das Zimmer.» Zuletzt seien sie auch auf der Piste fast gleich schnell gefahren, so Kopp. Doch nur eine der beiden erhält wohl den fixen Startplatz in der kommenden Weltcup-Saison.