Deutscher Liga-Chef kritisiert Blatter

Reinhard Rauball, der Präsident des deutschen Liga-Verbands, übt harsche Kritik an Joseph Blatters Idee, die WM 2022 im Winter auszutragen.

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Fussball. Joseph Blatter hatte Anfang des Jahres scheinbar beiläufig die Verlegungen der WM 2022 in den Winter ins Spiel gebracht. Die Kritik an der Vergabe der Endrunde an den Wüstenstaat Qatar schien erste Wirkungen beim Fifa-Präsidenten zu zeigen. Die Reaktionen auf Blatters Vorschlag, der offensichtlich ohne Absegnung eines Fifa-Gremiums erfolgte, sind teilweise heftig. Man habe nun «einen unfassbar grossen Reparaturaufwand für eine falsch getroffene Entscheidung», sagte Reinhard Rauball, der Präsident des deutschen Liga-Verbands, gegenüber der «Süddeutschen Zeitung». Er sehe auf die grossen internationalen Ligen riesige Probleme zukommen.

Kaum lösbare Probleme

«Ich finde es ausserordentlich erstaunlich, dass die klimatischen Gesichtspunkte bei dieser WM-Vergabe keine Rolle gespielt haben», so Rauball weiter. Er sehe kaum Lösungen für die Probleme, die durch eine Verschiebung der WM in den Winter entstünden. «Was geschieht mit dem Afrika-Cup im Januar, dem Asien-Cup?» Dazu komme, dass die nationalen Ligen ihre Termine umwälzen müssten. «Soll künftig im Sommer durchgespielt werden?» Da stelle sich unter anderem die Frage, wer dann noch Dauerkarten kaufe, wenn er in den Sommerferien diverse Spiele verpasse.

Gegenkandidat für Blatter?

Der Weltverband wäre «ausserordentlich gut beraten, sich das nächste Mal mit den fünf grossen Ligen in Europa zusammenzusetzen, bevor er Entscheide trifft, die von diesen Ligen nicht mitgetragen werden», so Rauball. «Sollte dieser Ratschlag wieder mit Füssen getreten werden», sagte Rauball, müsse «darüber nachgedacht werden, ob die Uefa nicht einen eigenen Kandidaten für die nächste Fifa-Präsidentschaftswahl stellt».

Zuvor hatten schon Gian-Franco Kasper, der Präsident des internationalen Skiverbandes FIS, und weitere Vertreter des Internationalen Olympischen Komitees IOC die Idee einer Winter-WM der Fussballer kritisiert. (tw)