Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

DERNIÈRE: «Es herrschen schlechte Zustände»

Das Springreitturnier CSI, das ab morgen im Hallenstadion ausgetragen wird, ist das 30. und letzte in Zürich. Gründer Urs Theiler über mangelnde Infrastruktur, steigende Geldsummen und eine Flop-Show.
Peter Wyrsch
Nach 30 Jahren Turnierorganisation auf höchstem Niveau sagt Urs Theiler: «Ich würde es wieder tun.» (Bild: Claudia Minder/Freshfocus)

Nach 30 Jahren Turnierorganisation auf höchstem Niveau sagt Urs Theiler: «Ich würde es wieder tun.» (Bild: Claudia Minder/Freshfocus)

Interview: Peter Wyrsch

Mit seinem jüngeren Bruder Rolf, der sich vor drei Jahren aus gesundheitlichen Gründen als Co-Präsident zurückgezogen hat, war Urs Theiler der Vorreiter moderner Turniere. Das Konzept der beiden ehemaligen Nationenpreisreiter fusste auf drei Komponenten: Sport, Show und Ausstellung. Eine Idee, die Anklang fand. Der CSI entwickelte sich zum grössten und bestbesetzten Hallenturnier der Welt.

Urs Theiler, wie ist die Idee für eine neue Turnierform entstanden?

Wir wollten Sport, Show und Expo vereinen und das Pferd als Kulturgut näher zu den Menschen und in die Stadt bringen. Das ist uns geglückt, und darauf sind wir stolz. Wir haben das Pferd und den Pferdesport in unserem Land gefördert und begeisterten auch «Nichtrösseler» für unser Projekt.

Wie kamen Sie und Ihr Bruder Rolf eigentlich aufs Pferd?

Ich nahm sechs Jahre lang Klavierunterricht. Mein strenger Papa stellte mich dann vor die Wahl: Klavierspielen oder Reiten als Hobby. Ich entschied mich leichten Herzens fürs Reiten. Mit 15 Jahren erwarb ich die Lizenz. 1976 gehörte ich zu den Top Ten der Schweiz, gewann in Yverdon mit meinem Pferd Black Water eine Qualifikation zur Schweizer Meisterschaft und bestritt auch zwei Nationenpreise. Mit meinem Wallach drehte ich im Nationenpreis im polnischen Olszyn eine Nullerrunde und ritt mit den Brüdern Markus und Thomas Fuchs sowie Philippe Guerdat in der gleichen Equipe. Ich beendete meine aktive Reiterei 1977 aus beruflichen Gründen, hatte aber mit dem Turniersport nicht abgeschlossen.

Nun folgt das Ende des CSI nach 30 Jahren. Was hat Sie zum Rückzug bewogen?

Es gibt mehrere Gründe. Der Rückzug ist wohl überlegt. Vorausschicken möchte ich, dass es uns – auch nach drei Jahrzehnten – nicht an Motivation gefehlt hat. Wir haben einfach zu wenig Platz für unsere Bedürfnisse rund ums Hallenstadion. Die Infrastruktur, die wir für Stallungen, Abreiteplatz, Parkplätze für Pferdeanhänger und Aussteller benötigen, ist katastrophal. Das Platzvolumen ist um die Hälfte geschrumpft. Ebenerdige Garagen stehen uns nicht mehr zur Verfügung. Wir können die Pferde nicht mehr unterbringen. Es herrschen Notzustände. Der CSI Zürich hat keine Zukunft mehr.

Das ist ein triftiger Grund, aber nicht der einzige.

Als wir 1988 auf der offenen Rennbahn in Zürich-Oerlikon begannen, gab es in Europa acht Fünfsternturniere. Jetzt sind es über 80. Die Konkurrenz wird immer grösser. Geld regiert immer mehr. Die Gewinnsummen steigen eklatant. Und die FEI, der internationale Verband, schaut zu, wie man sich für Turnierstarts einkaufen kann, und konkurrenziert sich damit selbst. Wir sind zwar noch immer das höchstdotierte Weltcupturnier. Doch alles hat seine Grenzen. Zudem haben sich die Gesellschaft und die Freizeitbeschäftigungen im Laufe der Zeit verändert. Alleine in Zürich und Umgebung gibt es massenweise Sport- und Kulturveranstaltungen.

Der Zuschauerzuspruch war leicht rückläufig.

Wen wundert’s bei dieser Konkurrenz? Es ist aber zu erwähnen, dass wir uns jahrelang immer steigern konnten. Bei der Premiere hatten wir auf der offenen Rennbahn 21000 Zuschauer an vier Tagen. Und als wir vor zwölf Jahren nach dem Umbau des Hallenstadions von vier auf drei Turniertage zurückgingen, verzeichneten wir durchschnittlich pro Event immerhin rund 35000 Besucher. Nebst der Zuschauerzahl ging auch das Medieninteresse zurück. Allzu viel ist eben un­gesund.

Die besten Reiter kamen aber gerne und oft nach Zürich.

Wir hatten sie alle, Olympiasieger, Welt- und Europameister und die besten Paare der Welt. Ich denke da an John Whitaker und Milton, Pierre Durand mit Jappeloup oder Willi Melliger mit Calvaro. Und auch die früheren Grössen wie Rodrigo Pessoa, Franke Sloothaak, Jan Tops oder Hugo Simon starten bei uns. Wir profitierten auch von ausgezeichneten Schweizer Leistungen, von Markus Fuchs mit Goldlights und vor allem vom Mythos, den Willi Melliger mit Calvaro verbreitete.

Welche Shows werden Ihnen in Erinnerung beleiben?

Wir hatten viele erstklassige Shows mit Pferden und verschieden Tieren. Wir präsentierten auch Gastländer wie Jordanien oder Südafrika und brachten den Karneval von Rio nach Zürich. Am meisten hat mich unsere Startshow, der Musical Ride der Royal Canadian Mounted Police beeindruckt, den uns die Tessiner Sponsoren Renata und Joe Haller ermöglichten.

Gab es auch Flops in den CSI-Shows?

Sie sprechen bestimmt unsere Show von 1994 unter dem Motto «Go West» an. Wir waren zeitmässig fürchterlich im Rückstand, als der Country-Star Kris Kristofferson auftrat und sich die Halle schnell leerte. Die Leute wollten am Wochentag heim, die Stimmung sank unter den Gefrierpunkt. Zudem wurde in der Halle zu viel Rauch entwickelt. Man sah den Sänger kaum. Ich wäre am liebsten im Erdboden versunken.

War der CSI Zürich ein Geschäft?

Anfänglich ein Minusgeschäft. Im Startjahr machten wir auf der offenen Rennbahn vor allem wegen der aufwendigen Bauten ein Defizit von 1,5 Millionen Franken, das mein Bruder und ich deckten. Auch im zweiten Jahr schrieben wir einen Verlust von 200000 Franken. Erst beim dritten Turnier schrieben wir eine schwarze Null. Mit dem Umzug ins Hallenstadion sprang dann jährlich eine Rendite heraus.

Der Umzug ins Hallenstadion verlief aber nicht problemlos.

Ganz und gar nicht. Der damalige Hallenstadion-Direktor Sepp Voegeli verwehrte uns das Gastrecht. Erst als wir drohten, aus Zürich wegzuziehen und einen unterschriftsbereiten Vertrag mit Basel hatten, willigte Voegeli zähneknirschend ein.

Wie sieht Ihre Zukunft ohne Turnierveranstaltung aus?

Ich werde mehr Zeit für meine Pferde und für Ausritte haben und vermehrt Tage in den Bergen verbringen. Ich freue mich auf Wanderungen und Skitouren und etwas mehr Musse im Familien- und Freundeskreis. Pferde und Berge haben mich stets angezogen und fasziniert. Und mit bald 64 Jahren trete ich bewusst kürzer. Auch beruflich ziehe ich mich kontinuierlich zurück. Die Verantwortung für meine Immobilienfirma in Thalwil übergebe ich meinem Sohn Ronnie.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.