Der zweite Hubmann wird zum Profi

Der Eschliker Martin Hubmann schliesst im Sommer sein Bauingenieur-Studium ab und setzt danach voll auf Orientierungslauf. Sein Bruder Daniel ist bereits seit 2007 professioneller OL-Läufer und darf sich Thurgauer Sportlegende nennen. Martin will ihm jetzt Konkurrenz machen.

Ralf Rüthemann
Drucken
Teilen
Der 26jährige Eschliker Martin Hubmann auf dem Weg zur WM-Silbermedaille in Forres, Schottland. (Bild: ky/Remy Steinegger)

Der 26jährige Eschliker Martin Hubmann auf dem Weg zur WM-Silbermedaille in Forres, Schottland. (Bild: ky/Remy Steinegger)

Martin Hubmann, bald haben Sie Ihren Abschluss als Bauingenieur. Kommt eine Festanstellung für Sie nicht in Frage?

Martin Hubmann: Ich möchte mich zuerst einmal als Profisportler versuchen. Wie lange, weiss ich noch nicht, aber das sehe ich dann ja – je nachdem, wie gut es läuft. Viele Leute sagen, dass es klug wäre, zuerst mal auf dem Beruf Bauingenieur zu arbeiten. Das hat mich schon etwas nachdenklich gemacht. Aber auf der anderen Seite habe ich jetzt schon so viele Jahre studiert und gleichzeitig Sport gemacht, dass ich mich jetzt einfach mal nur auf etwas beschränken möchte. Und das ist für mich nun erst einmal der Sport. Motivierend ist natürlich auch, dass es mein älterer Bruder Daniel im Sport schon sehr weit gebracht hat. Auch für mich lief es ja bis anhin sehr gut. Aber ich hoffe natürlich, dass ich als Profisportler noch ein paar weitere Schritte nach vorne machen kann.

Brauchen Sie nicht zuerst noch eine Pause vom ganzen Stress, bevor Sie sich voll auf den Sport konzentrieren?

Hubmann: Nein, im Gegenteil. Es motiviert mich schon genug, dass ich mich ab diesem Sommer voll auf den Sport konzentrieren kann. Und während des Studiums gab es ja auch immer wieder Semesterferien – zum Beispiel auch eineinhalb Monate vor der Weltmeisterschaft in Schottland, ohne irgendwelche anderen Verpflichtungen. Während der Semesterferien konnte ich mich jeweils auch voll auf den Sport konzentrieren, das reicht für mich aus, um die Motivation aufrechtzuerhalten.

Im vergangenen Jahr gewannen Sie WM-Silber im Sprint und sind deshalb nun für die Wahl zum Thurgauer Sportler des Jahres nominiert. Was bedeutet das für Sie?

Hubmann: In Anbetracht dessen, dass wir viele gute Sportler im Kanton Thurgau haben, freut es mich natürlich sehr. Ich finde es auch gerade noch gut, dass ich bei dieser Wahl nicht in Konkurrenz zu meinem Bruder Daniel, der ja vergangenes Jahr zur Thurgauer Sportlegende gewählt wurde, stehe.

Das YouTube-Video «Go hard or go home» wurde schon fast hunderttausendmal angeklickt. Nehmen Sie das grosse Interesse an Ihnen und Ihrem Bruder Daniel überhaupt wahr?

Hubmann: Ich habe erst vor kurzer Zeit festgestellt, dass dieses Video schon ziemlich stark im Umlauf ist. An den Militärweltspielen in Südkorea haben wir viele Orientierungsläufer getroffen, die wir sonst nicht so oft sehen. Dort sind viele Leute auf mich zugekommen und haben mich auf das Video angesprochen. Es gibt auch sehr viele Leute, die unsere Webseiten verfolgen. Damit habe ich ehrlich gesagt nicht gerechnet. Bis jetzt habe ich gedacht, dass es eine viel kleinere Welt ist, die sich für uns interessiert.

Jetzt ist erst gerade ein neuer Kurzfilm mit dem Namen «Train hard, win easy» von Ihnen und Ihrem Bruder erschienen. Wie ist es für Sie, solche Videoclips zu produzieren?

Hubmann: Es ist sehr interessant und macht einfach unglaublich Spass. Wir haben diese Videoclips mit der Unterstützung zweier junger Orientierungsläufer, die wir gut kennen, gedreht. Ihre Firma heisst Puresive Films, und sie produzieren solche Kurzfilme in ihrer Freizeit. Ich finde, sie erstellen diese Videos jeweils unglaublich professionell, und das mit den einfachsten Mitteln.

In diesen Kurzfilmen sieht man Sie und Daniel beim Training. Kommt es auch sonst oft vor, dass Sie zusammen trainieren?

Hubmann: Nein, wir haben fast keine Gelegenheit, zusammen zu trainieren. Seit Daniel nach Bern gezogen ist, sehen wir uns praktisch nur noch in Trainingslagern. Ansonsten trainiere ich im Raum Winterthur und er im Raum Bern. Es ist jetzt schon mehr als fünf Jahre her, als wir noch gemeinsam trainieren konnten. Damals war der Leistungsunterschied zwischen uns aber noch viel grösser. Früher war Dani mein Trainer. Wir analysierten zum Beispiel jeweils die Wettkämpfe zusammen. Heute werde ich sehr gut von Kilian Imhof betreut, genau wie Dani. Imhof kann mich vor allem mental sehr gut einstellen.

Was sind Ihre sportlichen Ziele für die Wettkämpfe im Jahr 2016?

Hubmann: Es ist mein langjähriges Ziel, nebst den Sprint-Wettkämpfen auch mal im Wald an den Start zu gehen. Es wird dieses Jahr allerdings nicht viel einfacher, weil das Studium ja noch bis Anfang Juli dauert. Und bei den Sprinteinsätzen will ich dieses Jahr sicher wieder um Medaillen mitkämpfen.