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Der vergessene Champion: Der Rheintaler Stefan Frei lebt in den USA seinen Fussballtraum

Stefan Frei galt als eines der grössten Goalietalente der Schweiz. Doch erst in den USA erfüllten sich seine Träume.
Christoph Gastinger aus Seattle
Goalie Stefan Frei geniesst in Seattle bei Mitspielern und Zuschauern höchstes Ansehen. (Bild: Jeff Halstead/Imago Images)

Goalie Stefan Frei geniesst in Seattle bei Mitspielern und Zuschauern höchstes Ansehen. (Bild: Jeff Halstead/Imago Images)

Der Traum von der Karriere als Fussballprofi hatte für Stefan Frei gerade erst Konturen angenommen, da änderte sich sein Leben schlagartig. Es geriet nicht aus der Bahn, aber es nahm eine völlig andere Richtung. Rückblick: Im Oktober 2000 gibt Frei im Alter von 14 Jahren sein Debüt im Tor der Schweizer U15. Neben dem Buben aus Altstätten stehen an diesem Tag auch die späteren Nationalspieler Tranquillo Barnetta und Reto Ziegler gegen die schottischen Alterskollegen auf dem Rasen. Sie alle verfolgen dasselbe Ziel. Wer für die U15-Auswahl seines Landes spielt, der darf sich Hoffnungen auf mehr machen.

Stefan Frei hofft auf die nächsten Schritte auf der Karriereleiter, zum damaligen Zeitpunkt sieht «alles richtig gut aus.» Er wähnt sich auf dem richtigen Weg, hegt Pläne, die kurze Zeit später keinerlei Bedeutung mehr haben. Weil sein Vater Erwin ein Jobangebot aus den USA erhält und auch annimmt, wandert die Familie Frei samt Mutter Marlies und dem drei Jahre älteren Bruder Michael kurzerhand nach Kalifornien aus.

Es erwartet ihn eine neue Sprache, ein völlig neues Umfeld. Frei sagt:

«Das war ein Kulturschock.»

Und der Fussball? Es ist nicht so, dass ein Klub in den USA auf ihn warten und mit offenen Armen empfangen würde, ganz und gar nicht. «Als ich mit meinem Bruder an einem Wochenende in den Park gegangen bin und wir eine Gruppe gefragt haben, ob wir mitspielen dürfen, war anfänglich viel Skepsis im Spiel – bis die Amerikaner erkannt haben, dass wir im Fussball auch ganz okay sind.»

Seit 2016 ist Frei eine Clubikone

Obwohl der Umzug in die USA «gedanklich ein Rückschritt war», ging der Spass am Fussball nicht verloren. Frei verknüpfte Schule mit Sport, zunächst an der landesweit angesehenen De La Salle High School in Concord bei San Francisco, die er als «Athlete of the Year 2005» verliess. Mit seinen Leistungen in der College-Fussballmannschaft der University of California in Berkeley und in der USL League Two, der höchsten Amateurliga in den USA, weckte Frei das Interesse einiger Proficlubs. Im MLS Super-Draft 2009 sicherte sich schliesslich Toronto FC die Rechte an Frei, der nun, über 9000 Kilometer von seiner Heimat Schweiz entfernt, tatsächlich am Ziel seiner Träume angekommen war.

Seit nunmehr elf Saisons ist der Coucousin des Schweizer Rekordtorschützen Alex Frei nicht mehr aus dem amerikanischen Fussball wegzudenken. Eine Rückkehr nach Europa kam nur einmal, 2013, kurzzeitig in Frage, Frei entschloss sich damals aber zu einem Wechsel von Toronto nach Seattle. Bei den Sounders, so heisst der dort ansässige Verein, gilt er spätestens seit 2016 als Clubikone.

In diesem Jahr gewann Seattle zum ersten und bislang einzigen Mal in der Vereinsgeschichte die Meisterschaft (MLS), Final-­MVP Frei hatte mit seinen Paraden massgeblichen Anteil ­daran.

«Wir haben mit Seattle ­Geschichte geschrieben. Wo in Europa kannst du als erster Spieler überhaupt noch einen Titel gewinnen?»

Bei Mitspielern und Anhängern geniesst der 33-jährige Frei höchstes Ansehen. Ein Beleg für sein Standing innerhalb des Vereins ist auch das riesige und nicht zu übersehende Transparent, das den Torhüter an der Aussenseite des CenturyLink Fields, dem Stadion der Seattle Sounders, zeigt.

Nicht zuletzt seine Leistungen im Meisterjahr hätten Frei durchaus dazu berechtigt, erstmals für das Nationalteam nominiert zu werden, wenngleich die Konkurrenz auf der Torhüterposition stets gross war. Beim Interviewtermin in Seattle denkt Frei laut nach:

«Schweizer Auswanderer kämpft sich zurück und kommt in die Nati. Das wäre eine schöne Story gewesen.»

Doch so weit kommt es bis heute nicht. «Es gab all die Jahre eigentlich nie wirklich Kontakt zum Schweizer Verband», sagt Frei, aus dem in diesem Moment etwas Enttäuschung spricht. Enttäuschung darüber, dass der amerikanische Fussball in Europa und der Schweiz immer noch nicht angekommen ist, immer noch nicht genügend wertgeschätzt wird. «Es gibt bis heute Vorurteile gegenüber dieser Liga, obwohl sie viele Menschen in Europa gar nicht verfolgen. Für mich ist das ein veraltetes Denken.» Dabei entwickelt sich die MLS stetig weiter, auch immer mehr Kinder und Jugendliche entscheiden sich für Soccer und gegen Basketball, Football oder Baseball. «Die Beckham-Ära war extrem wichtig», sagt Frei. Gegenwärtig sei Zlatan Ibrahimovic – er erzielt für Los Angeles Galaxy Tore am Fliessband – der perfekte Werbeträger.

Auch für das Nationalteam der USA spielberechtigt

Seit Juni 2017 ist Stefan Frei nicht nur Schweizer, sondern auch US-Staatsbürger.

«Es war an der Zeit, mich nach über 15 Jahren in den Staaten auch als Amerikaner zu sehen. Diese Zeit hat mich beeinflusst, zu dem Menschen gemacht, der ich heute bin.»

Weil er nie ein Länderspiel für die Schweizer Nationalmannschaft bestritten hat, wäre er auch für das Nationalteam der USA spielberechtigt. Im Januar 2017, noch bevor er die amerikanische Staatsbürgerschaft erhalten hatte, wurde Frei tatsächlich ins Trainingscamp der Amerikaner eingeladen. Er verletzte sich jedoch am Knöchel und musste das Camp frühzeitig verlassen. Danach bekam er vom US-Verband nie wieder einen Anruf. Eine mögliche Nationalteam-Karriere, ob in den USA oder der Schweiz, hat Frei mittlerweile abgehakt. «Ich bin jetzt 33, habe andere Prioritäten. Aber solange ich Spass am Fussball habe, spiele ich weiter.»

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