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Schwingerkönig Matthias Glarner: «Der Unfall war nicht nur negativ»

Der amtierende Schwingerkönig Matthias Glarner gab am Samstag sein Comeback. Der 33-Jährige ist überzeugt, dass er beim Eidgenössischen Ende August antreten kann. Im Interview blickt er auf Monate des Bangens zurück.
Interview: Rainer Sommerhalder
Matthias Glarner im Hotel Reuti in Hasliberg, wo er bei den Bergbahnen arbeitet. (Bild: Boris Bürgisser (Hasliberg, 17. Mai 2019))

Matthias Glarner im Hotel Reuti in Hasliberg, wo er bei den Bergbahnen arbeitet. (Bild: Boris Bürgisser (Hasliberg, 17. Mai 2019))

Welche Frage wurde Ihnen in den letzten zwei Jahren am meisten gestellt?

Matthias Glarner: Wie geht es dir? (lacht). Das hat die Leute am meisten interessiert. Und die zweite Frage war: Wann kannst du wieder schwingen?

Und wie lautet Ihre Antwort?

Ich wusste manchmal selber nicht mehr, was ich darauf antworten soll. Es ist schwierig, wenn sich die Frage jede Woche wiederholt und du selber in dieser Zeit nur kleine Schritte vorwärts machst. Da kannst du nicht jedes Mal eine komplett neue Lagebeurteilung verkünden.

Gibt es eine Frage, die Ihnen nicht gestellt wurde, die Sie aber gerne beantwortet hätten?

Schön wäre gewesen, wenn jemand sein Interview mit dem Satz begonnen hätte: «Herzliche Gratulation zum Kranzfestsieg!». Die meisten Fragen drehten sich um meinen Gesundheitszustand, ich hätte lieber Fragen zum sportlichen ­Abschneiden beantwortet.

Derzeit interessiert vor allem eine Frage: Können Sie Ihren Königstitel am 24. August in Zug verteidigen?

Es ist für mich derzeit nicht möglich, eine klare Antwort darauf zu geben. Was ich sagen kann: Der Optimismus und meine Überzeugung sind nach wie vor gross, dass ich antreten kann. Die Frage wird sein, in welcher Form. Ich kenne die Antwort darauf noch nicht.

Sie haben gesagt, nur als Pausenclown kommen Sie nicht ans Eidgenössische.

Man hat Ansprüche an sich selber. Wenn ich diese nicht erfüllen kann, macht eine Teilnahme keinen Sinn.

Auffallend ist der Optimismus, den Sie trotz der schwierigen Ausgangslage seit Ihrem Unfall ausstrahlen. Ist dieser angeboren oder erarbeitet?

Eine positive Grundhaltung habe ich schon als Kind von zu Hause mit auf den Weg bekommen. Und ich arbeite seit zehn Jahren mit dem Sportpsychologen Robert Buchli zusammen. Mit ihm thematisiere ich genau solche Dinge.

Auch den Unfall?

Ja. Vorher war das Thema vielleicht ein schlechtes Resultat, jetzt ist es halt dieser Unfall. Es geht um die Frage, wie man mit Rückschlägen umgeht.

Braucht das Erlebnis, vom Dach einer Seilbahn zu stürzen, nicht mehr als «nur» sportpsychologische Unterstützung?

Ich habe versucht, den Unfall als Synonym für einen verlorenen Gang zu nehmen. Das ist mir recht gut gelungen.

Am Oberaargauischen Schwingfest am Samstag läuft es nicht nach Wunsch: Im fünften Gang stellt Glarner (unten) mit Matthias Aeschbacher. (Bild: Peter Klaunzer/Keystone (Grafenried, 8. Juni 2019))

Am Oberaargauischen Schwingfest am Samstag läuft es nicht nach Wunsch: Im fünften Gang stellt Glarner (unten) mit Matthias Aeschbacher. (Bild: Peter Klaunzer/Keystone (Grafenried, 8. Juni 2019))

Als Athlet sind Sie sich gewohnt, des eigenen Glückes Schmied zu sein. Jetzt ist da Ihr Fuss, den man mit allem Training trotzdem nur begrenzt beeinflussen kann. Das ist keine einfache Situation.

Nein, aber das Gute an der Situation ist, dass ich jeden Tag daran arbeiten kann. Man hat es zumindest teilweise in den eigenen Händen, wie schnell sich die Situation verbessert, wie gut es wird und wie gut es auch in den nächsten dreissig Jahren nach dem Schwingen funktioniert. Viel schwieriger wäre, wenn ich einfach stillliegen müsste und nichts ­machen könnte.

Aber das Resultat Ihrer Bemühungen kennen Sie heute noch nicht.

Wichtig ist, dass ich mein Bestes dafür gebe. Dann kann ich auch mit dem ­Resultat leben. Ich hätte in den letzten anderthalb Jahren nicht mehr machen können. Deshalb bin ich mit der Situation zufrieden.

Tut der Fuss auch im Alltag weh?

Nein, der Alltag läuft tipptopp. Zu wissen, dass ich später keine grossen Einschränkungen haben werde, hilft auch, optimistisch zu bleiben.

Sie haben den Weg nach Zug selber als Wettlauf gegen die Zeit bezeichnet. Was spricht dafür, dass Sie diesen Wettlauf gewinnen?

Meine Überzeugung, dass ich ihn gewinnen werde. Auch das Umfeld mit dem Chirurgen, den Physiotherapeuten und dem Athletiktrainer, die alle ihr Bestes geben und ebenfalls Zuversicht ausstrahlen, hilft mir dabei.

Der Sturz vom Dach der Seilbahn ist ein ebenso einschneidendes Ereignis in Ihrem Leben wie der Gewinn des Königstitels. Was hat Sie mental länger beschäftigt?

Der Königstitel! Am Anfang ist das Gefühl, dass man so etwas einfach mitnehmen kann. Aber ich habe lange gebraucht, bis ich es richtig verarbeitet hatte. Selbst während der Zeit meines Unfalls ging dieser Prozess des Begreifens und des Reflektierens weiter. Rückblickend würde ich mir nach dem Gewinn des Königstitels mehr Zeit nehmen, um alles zu verarbeiten. Man ist in einem Hamsterrad mit Training und Wettkampf, und es dreht und dreht einfach weiter. Deshalb war der Unfall nicht nur negativ.

Es war ein Unfall, bei dem Sie auch hätten sterben können. War es Ihre Konstitution, Glück, Schicksal oder das Werk einer höheren Macht, dass Sie überlebt haben?

Das ist eine schwierige Frage. Vielleicht von allem ein wenig. Ich habe mir nach dem Unfall nicht viele Gedanken dazu gemacht. Das Einzige, was ich tun konnte, war, es so zu nehmen, wie es ist. Wo ich mir sicher bin: Auf dem Weg zurück hat mir zweifellos geholfen, dass ich zum Zeitpunkt des Unfalls topfit war.

Bei Ihren Geschwistern und Ihrer Lebenspartnerin steht Fussball an erster Stelle. Wieso sind Sie eigentlich nicht Fussballer geworden?

Ich habe Fussball gespielt, bis ich 16 Jahre alt war, aber nach eigener Einschätzung relativ talentfrei. Ich habe mir die Frage auch gestellt, wie weit ich es mit dem gleichen Aufwand wie als Schwinger im Fussball gebracht hätte: nicht höher als 4., vielleicht 3. Liga. Mir hat das Schwingen früh sehr viel Spass gemacht und ich hatte deutlich mehr Erfolg als im Fussball.

Matthias Glarner arbeitet bei den Bergbahnen Meiringen-Hasliberg als Personalbetreuer. (Bild: Boris Bürgisser (Hasliberg, 17. Mai 2019))

Matthias Glarner arbeitet bei den Bergbahnen Meiringen-Hasliberg als Personalbetreuer. (Bild: Boris Bürgisser (Hasliberg, 17. Mai 2019))

Aber Fussball bleibt der favorisierte Sport als Zuschauer?

Ich gehe sehr gerne ins Stadion, schaue mir aber auch gerne im Fernsehen Spiele aus der Schweiz, aus Deutschland und aus England an. Ich besitze allerdings auch ein Saisonabo beim SC Bern.

Welche Sportarten verfolgen Sie sonst noch?

Ich bin sportlich sehr breit interessiert. Auch die Handballer von Wacker Thun schaue ich ab und zu live in der Halle an. Ein- bis zweimal im Jahr gehe ich auch an ein Skirennen – nach Adelboden oder Wengen. Ich finde es faszinierend, jenen Athleten, die ihre Sportart am besten ­beherrschen, zuzuschauen.

Stehen Sie in Kontakt mit anderen Sportlern?

Man kommt gerade in Magglingen in sehr engen Kontakt. Schwinger und Skifahrer haben sich dort auf Anhieb gefunden. Wir sind aus ähnlichem Holz geschnitzt. Daneben pflege ich Kontakte mit Fussballern und Eishockeyanern.

Was können Sie von ihnen lernen?

Interessant ist der Austausch untereinander: Wie bereitet man sich auf Wettkämpfe vor, welche Rituale hat man, wie geht man mit Verletzungen um, wie gestaltet sich die Zusammenarbeit mit dem Manager. Es gibt viele spannende Themen.

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