Der Traum vom Doppelsieg

In Mendrisio wird ab morgen nach 1971 zum zweiten Mal eine Strassen-WM ausgetragen. Vor 38 Jahren gewann mit dem Belgier Eddy Merckx der bis anhin erfolgreichste Radprofi den Titel. Nun will Fabian Cancellara Geschichte schreiben.

Urs Huwyler
Drucken
Für Fabian Cancellara ist WM-Gold auf der Strasse «das grosse Ziel». (Bild: ap/Peter Dejong)

Für Fabian Cancellara ist WM-Gold auf der Strasse «das grosse Ziel». (Bild: ap/Peter Dejong)

Rad. Seit Monaten konzentriert sich das Interesse im Schweizer Radsport auf den Tour-de-Suisse- und Olympiasieger Fabian Cancellara. Ihm werden an der Strassen-WM im Tessin die grössten Chancen eingeräumt. Vor allem die Prüfung gegen die Uhr scheint für den zweifachen Weltmeister von 2006 und 2007 eine sichere Sache zu sein. «Ob ich das Zeitfahren zwei- oder dreimal gewinne, spielt eine untergeordnete Rolle. Das Strassenrennen bleibt das grosse Ziel. Doppel-Gold wäre ein Traum», sagt Cancellara.

Vor 13 Jahren sicherte sich im Tessin der Wiler Alex Zülle vor dem Briten Chris Boardman und Tony Rominger die Zeitfahren-Goldmedaille. Seit 1994 werden in dieser Disziplin offiziell WM-Titel vergeben. Obwohl ein Sieg auf der Strasse bezüglich Prestige über jenem im Zeitfahren steht, scheinen im Goldenen Buch mit Michael Albasinis Vorbild Miguel Indurain, Laurent Jalabert oder Jan Ullrich grosse Namen auf. Auch ihnen gelang nie ein Doppelerfolg.

«Im Zeitfahren spielen Taktik und Wettkampfglück eine kleinere Rolle als im klassischen Strassenrennen. Ein Erfolg gegen die Uhr ist deshalb eher planbar», so Cancellara.

Schwieriges Strassenrennen

Eine Medaille sollte ihm am Donnerstag auf der 49,8 km langen Strecke sicher sein. Nicht so am Sonntag. Die 262,2 km mit zwei Steigungen – 4655 Höhenmeter müssen überwunden werden – dürften anspruchsvoller sein, als viele glauben.

Mitfavorit Michael Albasini gibt sich bezüglich Cancellara diplomatisch: «Bekundet er wie in der Spanien-Rundfahrt in den Aufstiegen Mühe, wird er es schwer haben, in der Entscheidung noch dabei zu sein. Fährt er aufwärts wie an der Tour de Suisse, gehört er zu den Favoriten.»

In der Königsetappe der Tour de Suisse gewann Albasini den Sprint gegen seinen Landsmann. Auch deshalb wird dem Ostschweizer intern die Co-Leader-Rolle zugedacht.

Der sportliche Leiter René Savary hat die Zusammensetzung der Mannschaft mit Cancellara abgesprochen, dessen Wünsche bei der Selektion berücksichtigt und dessen Betreuer ins Team geholt. Besitzt der Olympiasieger einen Sonderstatus? Savary: «Masseur und Mechaniker stehen nicht nur ihm zur Verfügung, sondern sind die offiziellen Betreuer des gesamten Teams. Wir arbeiten schon fünf Jahre zusammen, und es besteht ein Vertrauensverhältnis. Für uns ist die Konstellation ein Glücksfall.»

Nicht nur die Resultate

Aufgrund der UCI-Wertung dürfte die Schweiz, die Platz 15 einnimmt, nur mit drei Athleten antreten. Doch der organisierenden Nation stehen drei Wild Cards zur Verfügung, sofern das Kontingent nicht ausgeschöpft werden kann. «Für die Zusammensetzung waren nicht nur die Resultate entscheidend. Sonst hätte ich nur Cancellara und Albasini selektionieren können.

Es wurden Fahrer nominiert, die bereit sind, die Helferrolle zu übernehmen», sagt der Rheintaler Savary. In der Hierarchie nimmt Cancellara die Leaderposition ein. «Albasini sehe ich als Co-Leader oder Joker. Was er kann, hat er bewiesen. Wichtig wird sein, dass er und Cancellara während des Rennens offen kommunizieren. Ich traue Albasini einiges zu, wenn die Kniebeschwerden nach dem Sturz in der Spanien-Rundfahrt abgeklungen sind», so Savary. Albasini kann den Teamchef beruhigen. Er hat keine Beschwerden mehr.

Die WM in Mendrisio beginnt morgen mit dem U23-Zeitfahren und dem Zeitfahren der Frauen.