Der Traum soll weitergehen

Die aktuelle Schweizer Nationalmannschaft sei die bisher talentierteste, heisst es. Heute ab 15 Uhr hat das Team im EM-Achtelfinal in St-Etienne gegen Polen die vielleicht einmalige Chance, seinem Ruf gerecht zu werden.

Andreas Ineichen/Montpellier
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Bild: ANDREAS INEICHEN/MONTPELLIER

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FUSSBALL. Es ist ihr grosses Spiel. Ihre erstklassige Chance, den Schweizer Fussball in eine neue Dimension zu hieven. Unter die besten acht Nationen Europas. Und im Erfolg auch jene hinter sich zu scharen, die zweifelten an der Identifikation eines Teils der Mannschaft mit der Schweiz.

Trotz Robert Lewandowski kann Polen für eine Schweiz mit dem Selbstverständnis, wie es die aktuelle Generation zur Schau trägt, kein unüberwindbarer Gegner sein. Auch die Polen haben an der EM zuvor noch nie die Gruppenphase überstanden. Die aktuelle Ausgangslage für die Schweiz erinnert an jene vor zehn Jahren. Damals hiess der Gegner für die Generation um Alex Frei und Co. in den WM-Achtelfinals von 2006 Ukraine. Die Spieler hätten sich nach dem Spuck-Skandal an der vorangegangenen EM gerne als Wegbereiter für eine neue Ära im Schweizer Fussball feiern lassen – stattdessen scheiterte die Auswahl unter Köbi Kuhn in einem legendären Penaltyschiessen.

Den Worten Taten folgen lassen

In grossen Spielen zeigt sich, was eine Auswahl und ihre Spieler wirklich wert sind. Der Achtelfinal ist die Bühne für eine Schweizer Heldengeschichte – oder eine weitere Enttäuschung. Nun können die Schweizer, die in der Uefa-Tabelle als Zwölfte sechs Plätze vor den Polen klassiert sind, demonstrieren, ob sie den schönen Worten auch grosse Taten folgen lassen können. Selbstbewusst lassen die Protagonisten keine Gelegenheit verstreichen, um auf die grosse Qualität hinzuweisen, die in der aktuellen Auswahl stecken soll. Die Schweiz könne sogar die grosse Überraschung dieser Endrunde in Frankreich werden. Heute ist der Tag gekommen, um diesen Beweis anzutreten. Um den Traum weiter zu träumen.

Dabei geht es nicht um Taktik. Nicht um den Trainer. Nicht um die Aufstellung. Das bestmögliche Aufgebot der Schweiz ist in Frankreich versammelt. Der Handlungsspielraum von Nationaltrainer Vladimir Petkovic ist ein überschaubarer. Der Ball liegt vielmehr bei den Spielern. Sie müssen Leidenschaft zeigen, Kampfkraft, Solidarität. Und nicht zuletzt die richtige Mentalität. Laufen und liefern. Und ihr bestes Spiel dann abrufen, wenn die Reputation einer weiteren hoffnungsvollen Spielergeneration auf dem Spiel steht.

Ein besonderer Platz?

Dringt die Generation der U17-Weltmeister von 2009 um Granit Xhaka, Ricardo Rodriguez und Haris Seferovic sowie der U21-EM-Finalisten von 2011 mit Xherdan Shaqiri, Yann Sommer, Admir Mehmedi, Xhaka und Fabian Frei in die Viertelfinals vor, hat sie einen besonderen Platz in der Fussball-Historie verdient. Erst dreimal, an den ersten WM-Turnieren 1934, 1938 und 1954 stand die Schweiz unter den letzten acht an einer Endrunde. Scheitert die Schweiz aber an Polen, darf das erstmalige Überstehen der Gruppenphase an einer EM nicht als Erfolg eingestuft werden, weil die Teilnehmerzahl von 16 auf 24 Mannschaften aufgestockt worden ist.