Der Traum muss warten

Die Toggenburgerin Selina Büchel hätte einen Exploit benötigt, um den morgigen Final über 800 m zu erreichen. Doch dieser blieb an der WM in London aus – auch wegen einer Erkältung.

Raya Badraun, London
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Selina Büchel schafft die Finalqualifikation nicht – wegen elf Hundertstel. (Bild: Jean-Christophe Bott/Keystone)

Selina Büchel schafft die Finalqualifikation nicht – wegen elf Hundertstel. (Bild: Jean-Christophe Bott/Keystone)

Raya Badraun, London

Alleine stand Selina Büchel nach dem Rennen auf der Treppe, die Arme hatte sie abgestützt, ihr Blick ging ins volle Olympiastadion. Vor ihren Augen absolvierten die letzten Läuferinnen ihren Halbfinal über 800 m. Für die Toggenburgerin war dieser Lauf nicht mehr entscheidend. Es war bereits klar, dass sie den Final an der WM in London verpasst hatte. Doch es schien fast so, als wollte sie ein letztes Mal diese magische Atmosphäre aufsaugen. Für später, wenn der Alltag wieder da ist. «Die Vorstellung von einem Final auf Weltniveau motiviert mich in jedem Training», sagte die 26-Jährige an diesem Abend. Nach den letztjährigen Olympischen Spielen in Rio de Janeiro und der WM 2015 in Peking wollte sie dieses Ziel nun endlich erreichen. Doch nun muss die Ostschweizerin zwei weitere Jahre auf die Erfüllung ihres Traumes warten. Erst dann findet die nächste WM statt.

Dennoch wirkte Büchel nach ihrem Auftritt überraschend gefasst und deutlich weniger überrascht als auch schon. «Das Niveau ist hoch. Um hier mithalten zu können, hätte ich über meinen Verhältnissen laufen müssen», sagte sie. In ihrem Lauf starteten mit der Olympiasiegerin Caster Semenya aus Südafrika, der US-Amerikanerin Char­lene Lipsey und der Britin Lynsey Sharp gleich drei Athletinnen, die diese Saison schon deutlich schneller waren. Dennoch glaubte Büchel im Vorfeld an ihre Chance. Und zu Beginn des Rennens deutete auch vieles darauf hin, dass ein Exploit möglich ist und der erste Final in greifbarer Nähe liegt. «Es lief genau so, wie ich es mir vorgestellt hatte», sagte sie.

Viel lockerer als noch im Vorlauf

Büchel wusste, dass sie zu Beginn nicht zu viel Energie verbrauchen durfte. Deshalb reihte sie sich hinter Lipsey und Sharp ein und konnte diesen auch lange folgen. «Ich lief viel lockerer als noch im Vorlauf», sagte sie. «Es wäre alles perfekt gewesen, doch ich habe es am Ende einfach nicht gepackt.» Auf den letzten Metern wurde es schwierig für sie. Während ihre Gegnerinnen das Tempo erhöhten, konnte die zweifache Halleneuropameisterin wie so oft nicht mehr zulegen. Sie verkrampfte sich und die Beine wurden schwer. Am Ende erreichte sie das Ziel in 1:59,85 Minuten. Durch die temporäre Disqualifikation von Sharp rückte sie in ihrem Halbfinal zwischenzeitlich zwar noch auf den vierten Platz vor – doch auch so hätte sie den Final um elf Hundertstelsekunden verpasst.

Erkältung macht einen Strich durch die Rechnung

«Es lag wohl auch an der Form», sagte Büchel. Nach der Schweizer Meisterschaft in Zürich, die kalt und verregnet waren, hatte sie sich erkältet und verbrachte danach zwei Tage im Bett. «Eigentlich hatte ich das Gefühl, dass ich mich davon erholt habe», sagte Büchel. Doch die Krankheit hatte sie wohl mehr zurückgeworfen, als sie gedacht hatte. Um ihren Traum vom WM-Final verwirklichen zu können, hätte sie jedoch in Topform sein müssen.