Der Trainer sucht die Mannschaft

FUSSBALL. Der FC St.Gallen trifft heute ab 17.45 Uhr im Letzigrund auf den FC Zürich. Gegen den Letzten der Super League darf die Mannschaft von Coach Joe Zinnbauer nicht verlieren. Ein Sieg gäbe vielmehr Ruhe, das Team weiter zu formen.

Christian Brägger
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Joe Zinnbauer, der Trainer des FC St. Gallen, sagt: «Ich wehre mich dagegen, über die Stürmer zu diskutieren.» (Bild: Urs Bucher)

Joe Zinnbauer, der Trainer des FC St. Gallen, sagt: «Ich wehre mich dagegen, über die Stürmer zu diskutieren.» (Bild: Urs Bucher)

St.Gallens Trainer Joe Zinnbauer nimmt sich Zeit. Vor allem für seine Spieler. Aber auch für Journalisten. So kann es geschehen, dass mit dem Deutschen eine normalerweise viertelstündige Pressekonferenz zur Lehrstunde in Sachen Fussball mutiert. Und der Journalist dabei nahezu in die Rolle des Spielers schlüpft, dem die Dinge erklärt werden sollen. Wenn Zinnbauer jenem dann seine Philosophie des Fussballs näherbringt, reichert er seine Worte mit Episoden aus früheren Zeiten an. Das hat etwas.

Selten ist Zinnbauer um eine Antwort verlegen. Weicht er dennoch aus, weil er seine Profis schützen will, gewinnt er Ruhe mit einer weiteren Geschichte – oder mit seinem Charme. Nun ist aber auch für den Trainer der Moment da, an dem es um mehr geht als um die Erklärung der 1:3-Niederlage in Lugano vom vergangenen Sonntag, die er vorab resultatmässig schlecht sah. Nach wie vor zufrieden ist der Trainer mit dem Gesamteindruck im Tessin. «Nach zwanzig Minuten dachte ich, das kommt richtig gut. Unser Forechecking klappte und wir versuchten über die gesamte Spieldauer, nach vorne zu spielen. Vor dem gegnerischen Tor fehlte einfach der letzte Pass und die Zielstrebigkeit, den Abschluss zu suchen.»

Schutz für die Stürmer

Für einmal geht es auch nicht um die Torflaute des Sturms, der bisher neun Tore erzielt hat. Besonders viel hält Zinnbauer von Albert Bunjaku, der wieder fit ist, aber als medizinische Vorsichtsmassnahme gegen Zürich wie die verletzten Daniel Lässer, Daniel Dziwniel und der gelbgesperrte Mario Mutsch fehlen wird. Der Coach kennt Bunjaku noch aus jener Karrierephase, in der dieser in der Bundesliga bei Nürnberg brillierte: «Er ist erfahren, verfügt über Qualität und passt zum Verein. Aber logisch, auch Bunjaku muss Leistung bringen.» Ohnehin ist Zinnbauer von der guten Arbeit seiner Angreifer überzeugt, nur passe es derzeit, dass die Tore nicht reingehen. «Aber ich wehre mich dagegen, über die Stürmer zu diskutieren. Die Medien sollten lieber einmal den Angriff stark schreiben, vielleicht würde das ja nützen.» Nicht nur bei diesem Satz lächelt der 45-Jährige, und nach der einmonatigen Arbeitszeit in der Ostschweiz wird deutlich: Die Rolle des Beschützers seiner Spieler, die man sich von den grossen Trainern auf internationaler Bühne gewohnt ist, spielt der neue Coach St.Gallens auf der Bühne Super League bereits perfekt.

Eine erste Bilanz

Gegen den FC Zürich, das Schlusslicht der Super League, geht es in der 13. Runde für den FC St.Gallen auch um das Wirken Zinnbauers. Irgendwann wird seine Schutzbehauptung wegfallen, die Mannschaft erst während der Saison und mit zahlreichen Baustellen übernommen zu haben. Heute ist dieser Zeitpunkt zwar noch nicht gekommen, auch wenn er sagt: «Wenn wir irgendwo Punkte holen müssen oder wollen, dann in Zürich.» Ein Sieg im Letzigrund gegen den total verunsicherten Gegner, der in der Meisterschaft nur gegen St.Gallen in der Vorrunde gewonnen hat und seit Sami Hyypiä der Trainer ist nie, würde Zinnbauer aber Ruhe geben. Vor dem Abstiegsgespenst, vor allem aber auch dafür, die Mannschaft zu entwickeln. Die Winterpause naht bald, und spätestens dann muss sich Zinnbauer gewahr sein, wer zu ihm passt. Und wer nicht. Wer der gesuchte Leader ist, wer der gesuchte Böse, wer die geforderte Qualität hat. Kurzum, wer sich fürs System Zinnbauer eignet und damit für den FC St.Gallen.

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