Der Trainer, der Depp

Felix Magath ist nicht mehr Schalke-Trainer. Diese Trennung hat sich zwar angekündigt, ist aber dennoch sinnbildlich für das derzeitige Irrenhaus Bundesliga. Beinahe willkürlich tauschen die Vereine ihre Trainer aus oder geben die Trennung auf Ende Saison bekannt.

Merken
Drucken
Teilen
Felix Magath (Bild: dapd/Sascha Schuermann)

Felix Magath (Bild: dapd/Sascha Schuermann)

Felix Magath ist nicht mehr Schalke-Trainer. Diese Trennung hat sich zwar angekündigt, ist aber dennoch sinnbildlich für das derzeitige Irrenhaus Bundesliga. Beinahe willkürlich tauschen die Vereine ihre Trainer aus oder geben die Trennung auf Ende Saison bekannt. So liest sich die Liste der erfolgten und angekündigten Trainerentlassungen wie ein «Who is who» ehemaliger Meistertrainer: Magath, Armin Veh, Louis van Gaal oder Christian Gross, um nur einige zu nennen.

Der Faktor Macht

Eine Trainerentlassung ist meist mit fehlendem Erfolg begründet. Bei Magath ist das allerdings anders. Immerhin hat der 57-Jährige Schalke in die Viertelfinals der Champions League und in den deutschen Cupfinal geführt. Dennoch sank die Beliebtheit Magaths in der Chefetage. Der ehemalige Nationalspieler war dem Aufsichtsratsvorsitzenden Clemens Tönnies zu mächtig geworden. Dabei hatte Tönnies «Heilsbringer» Magath 2009 geholt und ihn – wie es auch in Wolfsburg war – mit sämtlichen Machtbefugnissen ausgestattet. Um sich die Entschädigung von einigen Millionen zu sparen, läuft jetzt sogar ein juristisches Verfahren gegen Magath, er soll bei Transfers nicht nach den Vorgaben des Clubs gehandelt haben.

Das Beispiel Magath zeigt aber noch etwas anderes: In der Bundesliga können sich Trainer kaum noch über mehrere Saisons bei einem Verein behaupten. Bremens Thomas Schaaf bildet da eine löbliche Ausnahme – trotz derzeitigem Misserfolg. Magath hat mittlerweile bereits acht Bundesligavereine trainiert. Als Spieler war er weit konstanter, da spielte er in der höchsten Liga einzig für den Hamburger SV. Dorthin könnte es ihn nun auch wieder verschlagen. Nach der Trennung von Veh statteten die Hamburger dessen Assistenten Michael Oenning zwar mit einem Vertrag bis 2012 aus, doch was zählen in der Bundesliga derzeit schon rechtskräftige Verträge.

Heckings Unmut

Auch bei Schalke steht eine Rückkehr im Raum. Der im Winter bei Hoffenheim zurückgetretene Ralf Rangnick gilt als Kandidat für das Traineramt. Rangnick trainierte Schalke vom September 2004 bis Dezember 2005, ehe der Vorstand befand, der 52-Jährige sei zu wenig erfolgreich, und man müsse sich deshalb von ihm trennen. Anscheinend hat sich die Meinung über Rangnick jetzt geändert – zumindest bis zu der nächsten Trennung. Diese folgt bei Schalke so bestimmt wie bei anderen Vereinen.

Wenig Freude an den immer häufigeren Entlassungen haben die Trainer selber. So kommentierte Nürnbergs Dieter Hecking die Ereignisse der vergangenen Wochen wie folgt: «Das ist alles Wahnsinn. Es ist nicht gut, was derzeit passiert. Wenn es nicht läuft, ist der Trainer schuld. Wenn man gewinnt, ist es die Mannschaft. Wir Trainer sind immer die Deppen.» Dem ist nichts hinzuzufügen.

Markus Zahnd