Porträt

Der Thurgauer Veloprofi Michael Albasini tritt endgültig ab - und heizt der Konkurrenz nochmals ein

Der Rahmen ist würdig, als der bald 40-Jährige sein letztes Rennen bestreitet. Im Monument Lüttich-Bastogne-Lüttich zeigt Michael Albasini am Sonntag, dass er eigentlich noch nicht zum alten Eisen gehört.

Daniel Good
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Michael Albasini im Dress seines australischen Rennstalls Mitchelton-Scott

Michael Albasini im Dress seines australischen Rennstalls Mitchelton-Scott

Gian Ehrenzeller / KEYSTONE

Jetzt hat auch der Altmeister genug: Nach 18 Saisons als Veloprofi verabschiedet sich der in Gais wohnende Thurgauer von der grossen Bühne.

Er zeigte nochmals, was er zu leisten imstande ist: Als sich am Sonntag bei Lüttich-Bastogne-Lüttich die Entscheidung anbahnte, präsentierte sich auch Michael Albasini von seiner besten Seite.

Gut 20 Kilometer vor dem Ziel fuhr er an der Spitze des anforderungsreichen Rennens in den Ardennen. Die Konkurrenz musste mächtig in die Pedale treten, um den Routinier wieder einzuholen. Man liess Albasini nicht einfach gewähren, weil dieser den letzten Wettkampf seiner Karriere bestritt.

Am 24. April 2016 wird Michael Albasini Zweiter von Lüttich-Bastogne-Lüttich

Am 24. April 2016 wird Michael Albasini Zweiter von Lüttich-Bastogne-Lüttich

Geert Vanden Wijngaert / AP

Wie Marc Hirschi Zweiter in Lüttich

Denn Lüttich-Bastogne-Lüttich, eines der fünf sogenannten Monumente, ist eines der Lieblingsrennen Albasinis. Es liegt ihm, nach vielen Aufstiegen der Konkurrenz zu zeigen, wer nach 260 Kilometern der Meister ist. 2016 wurde Albasini in Lüttich Zweiter - wie am Sonntag der Schweizer Jungstar Marc Hirschi.

Albasini war in seiner Karriere meistens als Helfer eingeteilt. Auch am Sonntag. Aber sein Captain Adam Yates fiel durch einen Sturz aus. So spannte sich Albasini in der Schlussphase vor seinen jüngeren Teamkollegen Nick Schultz. Der 26-jährige Australier vermochte der Pace Albasinis aber nicht zu folgen.

Albasini nahm auch seinen letzten Einsatz Ernst.

Nur Ferdy Kübler war besser

Die Ardennen sind Albasini Lieblingsgelände. Er ist mit 15 Starts Rekordteilnehmer bei Lüttich-Bastogne-Lüttich. An der Flèche Wallonne, die in derselben Region ausgetragen wird, belegte er 2012 den zweiten Rang. Dazu kamen mehrere Podestplätze.

Bis zu Hirschis Sieg am Mittwoch der vergangenen Woche schnitt nur ein Schweizer Rennfahrer an der Flèche Wallonne besser ab als Albasini: Ferdy Kübler, der 1951 und 1952 gewann.

Ein weiteres Rennen, das Albasini liegt, wäre in dieser Saison noch auf dem Programm gestanden. Aber das Gold Race in den Niederlanden fiel der Coronapandemie zum Oper.

Im Schnellzug durch Nizza

Ersatz-Tour-de-Suisse 2020 zu Ehren von Michael Albasini

Ersatz-Tour-de-Suisse 2020 zu Ehren von Michael Albasini

Bild: Michel Canonica

Trotz reichlich Helferdiensten verbuchte Albasini auch viele Siege. 30 an der Zahl. Siebenmal gewann er eine Etappe an der Tour de Romandie, dreimal war er an der Tour de Suisse erfolgreich. Neunmal nahm er an der Tour de France teil und dominierte 2013 mit seinem Team das Mannschaftszeitfahren in Nizza mit der Rekordgeschwindigkeit von fast 58 Stundenkilometern.

Überdies erreichte Albasini an der Tour de France in Etappen mit Massenstart die Ränge zwei und drei. «Auch ohne Einzeletappensieg an der Tour de France hatte ich eine sehr schöne Karriere», sagt Albasini.

Jetzt wechselt er ans Steuer und zum Eishockey

Nun wechselt Albasini, der am 20. Dezember 40-jährig wird, die Fronten. Er wird als Nachfolger seines Vaters Marcello Schweizer Nationaltrainer und verfolgt die Rennen künftig im Auto. Sportlich bleibt der Primarlehrer aktiv. Mit einer Hobbymannschaft widmet er sich dem Eishockey.