Der strahlende Captain aus der Ostschweiz

Die Schweizer Turner wollen an den Weltmeisterschaften in Glasgow ihren Traum von der Olympia-Qualifikation mit dem Team wahr werden lassen. Angeführt wird die Riege von Captain Pablo Brägger.

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Der Kunstturner Pablo Brägger aus Oberbüren ist an der WM in Glasgow der Captain der Schweizer Kunstturner. (Bild: Luca Linder/Archiv)

Der Kunstturner Pablo Brägger aus Oberbüren ist an der WM in Glasgow der Captain der Schweizer Kunstturner. (Bild: Luca Linder/Archiv)

Es gibt kaum Momente, in denen man Pablo Brägger nicht Strahlen sieht. Auch nicht nach einer Enttäuschung, wie dem Sturz im Reckfinal im vergangenen Frühjahr an den Europameisterschaften in Montpellier, als Brägger dadurch eine Medaille verpasste. Der 22-jährige Ostschweizer verbreitet positive Stimmung und ist mit seiner positiven Ausstrahlung auch abseits der Geräte ein Gewinn für das Schweizer Turn-Nationalkader.

Mit allen kompatibel
Genau dies dürfte einer der Gründe gewesen sein, warum Nationaltrainer Bernhard Fluck nach dem Rücktritt von Nils Haller Brägger zum Captain seiner Riege bestimmt hat. Flucks Erwartungen an einen Captain sind klar: Dieser müsse mit allen kompatibel sein, mit jeder Situation umgehen können, auch bei persönlichem Misserfolg, und Missstimmung verhindern können. «Pablo ist der Richtige dafür. Er hat Erfahrung und ist auch ein Kandidat für die Olympischen Spiele 2020», so Fluck.

«Cool». So lautet − wie so oft bei Brägger − die Antwort, wenn dieser auf seine Position als Captain angesprochen wird. Er sieht sich als Verbindungsglied zwischen Trainer und Athleten, gerade was die Kommunikation angeht. «Der Job ist relativ einfach, ich habe nicht viel zu tun. Momentan ist es ein Selbstläufer», so Brägger. Als klassischen Leadertyp sieht sich das jüngste von vier Geschwistern allerdings nicht. «Mein älterer Bruder hatte früher das Sagen und mich jeweils schon zurecht gewiesen», so Brägger.
Der ausgeprägte Familienmensch entdeckte erst mit acht Jahren und damit verhältnismässig spät seine Passion, als er auf Empfehlung seines Jugendriegenleiters zum Kunstturnen wechselte. Bereits mit 14 Jahren zog er von zuhause aus, um sich in Magglingen den Traum von der Profikarriere zu erfüllen. Der Beginn sei hart gewesen, er habe Heimweh gehabt und viel geweint, so Brägger. «Aber ich wollte das alles. Das Turnen war meine Liebe, mein Ding.»

Familie ist zentral
Noch heute ist für Brägger die Familie eines der zentralen Elemente seines Lebens. Von der Familie erhält er wichtige Unterstützung beim Ausüben seiner Leidenschaft. Der Fanclub wird von seiner ältesten Schwester Martina präsidiert, Familie, Verwandte und Freunde unterstützen ihn aber nicht nur finanziell, sondern oft und lautstark auch vor Ort an den Wettkämpfen. 2012 organisierte der Fanclub sogar die Schweizer Meisterschaften in Oberbüren, als sich der Verband schwer tat, einen Ausrichter zu finden.

Auch in Montpellier, an den Europameisterschaften, wurde Brägger zahlreich unterstützt, als er mit dem Gewinn der Bronzemedaille am Boden seinen bisher grössten Erfolg feierte. «Allein damit hat sich alles, was ich investiert habe, ausbezahlt.» Die Medaille verlieh ihm einen zusätzlichen Motivationsschub, nachdem er 2014 wegen einer Ellbogenverletzung lange ausgefallen war. Noch immer behindern ihn am Pauschenpferd die Folgen der Verletzung, aber er sei auf gutem Weg. «Ich habe grundsätzlich das Gefühl, dass ich noch immer auf dem aufsteigenden Ast bin.»

Vierte Weltmeisterschaft
Obwohl erst knapp 23 Jahre alt, bestreitet Brägger in Glasgow bereits seine vierten Weltmeisterschaften. Er ist neben Oliver Hegi und Eddy Yusof einer von drei Athleten des WM-Teams, die aus der Generation stammt, die 2010 an den Junioren-Europameisterschaften in Birmingham Silber mit dem Team gewonnen hat. Bei der Elite erreichte er 2013 in Antwerpen den Mehrkampffinal. «Mein Ziel ist es auch in Glasgow, den Mehrkampf zu turnen», so Brägger, der mit einer perfekten Reckübung auch in der Königsdisziplin für einen Finalplatz in Frage kommt. Über allem steht aber auch für ihn das Team und der Traum von der Olympia-Qualifikation − als Captain ist das für ihn selbstverständlich. (sda)