Der stille Chrampfer im Hintergrund

Patrick Parati hat im Schweizer Eishockey keinen grossen Namen. Doch der 29jährige Zürcher gehört zu den besten Verteidigern der NLB. Seine Arbeit erledigt er vorzugsweise ausserhalb des Rampenlichts, dafür oft fehlerfrei. Der Neuzuzug könnte Thurgaus grosser Gewinn sein.

Matthias Hafen
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Nach oben: Trainer Christian Weber (rechts) zeigt Patrick Parati, wo es mit Thurgau hingehen soll. (Bild: Mario Gaccioli)

Nach oben: Trainer Christian Weber (rechts) zeigt Patrick Parati, wo es mit Thurgau hingehen soll. (Bild: Mario Gaccioli)

EISHOCKEY. Eishockeyspieler stellt man sich anders vor. Nicht mit Vollbart, nicht 1,78 Meter klein und schon gar nicht zugreisend. Auf Patrick Parati trifft dies aber alles zu. Der frühere Nachwuchsspieler des SC Rapperswil-Jona pendelt fast täglich mit dem öV zwischen seinem Wohnort Meilen am Zürichsee und seinem neuen Arbeitsort Weinfelden. «Autos sagen mir nichts», verrät er und fällt damit in seinen Kreisen aus dem Rahmen.

In der Zwischensaison wechselte Parati vom Ligakonkurrenten Olten zum NLB-Club Thurgau. «Weil Thurgau eine starkes Interesse an mir zeigte», sagt der gebürtige Wetziker. «Und weil der Club noch andere gewichtige Transfers tätigte. Man sah, dass es vorwärtsgehen soll.» Vor allem meint er den Wechsel von Stürmer Adrian Brunner, der im Sommer unabhängig von Parati den gleichen Weg ging. Dass Spieler im besten Alter vom ambitionierten EHC Olten zu Thurgau wechseln, das jedes Jahr um die Playoff-Teilnahme zittern muss, ist aussergewöhnlich – in Paratis Fall aber logisch: Als im Frühjahr sein Vertrag in Olten auslief, liessen die Solothurner den 29-Jährigen, ihren Captain notabene, lange im ungewissen. Zu lange. Parati, vor acht Monaten Vater einer Tochter geworden, wollte bezüglich seiner sportlichen Zukunft Nägel mit Köpfen machen – und nahm den Zweijahresvertrag aus der Ostschweiz an. «Ich habe es nicht bereut», sagt der Verteidiger, der bei Thurgau eine Teamstütze sein soll.

Einer von fünf Teamcaptains

Am Freitag in einer Woche beginnt die Meisterschaft 2015/16 mit dem Heimspiel gegen La Chaux-de-Fonds. Schon jetzt steht fest, dass Parati einer von Thurgaus fünf Captains sein wird. In jeder der fünf Qualifikationsphasen wird ein anderer des Quintetts das C auf der Brust tragen. «Als ältester Verteidiger des Teams bin ich mir meiner Verantwortung bewusst», sagt Parati, der in die Fussstapfen der zurückgetretenen Clublegende Benjamin Winkler tritt. «Nur weil einer alt ist, ist er aber noch lange kein Leader.» Er sei einer, weil er seine Prinzipien vorlebe, so Parati. Sein Spiel zeichnet sich durch eine geringe Fehlerquote aus. «Ein schlauer Pass, ein guter Schuss, ein erfolgreicher Check: Diese Dinge machen den Unterschied. Das müssen wir richtig machen.»

Übersicht statt Tore

Die grosse Karriere wurde dem kleinen Verteidiger nie prophezeit. Es passt zu Paratis Werdegang, dass er bei Rapperswil-Jona den Durchbruch in der NLA nie schaffte, dafür bei Ajoie, Martigny und Olten in der NLB gross aufspielte. Die zusätzliche Zeit, die man auf den Eisflächen der zweithöchsten Liga erhält, bringen Paratis Qualitäten voll zum Tragen. In jeder Situation die Ruhe und Übersicht zu bewahren, gehört zu den Stärken des 29-Jährigen. Er ist kein Skorer und sagt in der Kabine nicht viel. Doch was er sagt, hat bei den Mitspielern Gewicht.