Der St. Galler mit der «Züri-Schnure»

Drucken
Teilen

Heimkehr Das Gefühl hatte man irgendwie immer bei Trainer Joe Zinnbauer: Im FC St. Gallen ist der Deutsche nie richtig angekommen. Ähnliches ist mit dem neuen Chefcoach Giorgio Contini kaum zu befürchten: Einst stürmte dieser für den FC St. Gallen, und in der Saison 1999/2000 wurde er Schweizer Meister mit den Ostschweizern. Später arbeitete Contini fünfeinhalb Jahre lang im Verein als Trainer der U21 und wirkte zeitweise parallel als Assistenzcoach der ersten Mannschaft. Und schliesslich, am 5. März 2011, war er für das eine Spiel gegen Sion (0:2) gar deren Chef, nachdem Coach Uli Forte entlassen worden war. Es ist also so etwas wie der Umkehrweg, den die Clubführung auf Zinnbauer nun mit dem zweifachen Familienvater bestreitet, der in Oberbüren wohnt und von sich sagt, einzig seine «Züri-Schnure» sei nicht grün-weiss.

Contini hat sich in den vergangenen Jahren einen guten Namen gemacht als Trainer des FC Vaduz, bereits im zweiten Jahr seines Wirkens stieg er in der Saison 2013/14 mit den Liechtensteinern in die Super League auf. Seither hielt er den Club trotz beschränktem Budget zweimal in der Liga, auch dank den zahlreichen Siegen gegen den FC St. Gallen. Doch in dieser Saison stockte der Motor mehr als sonst, die Neuzugänge reüssierten nicht, stattdessen wurden die kritischen Stimmen der Einheimischen lauter, weil man vom letzten Tabellenplatz nicht mehr wegkam. Und so wurde Contini vor zwei Monaten entlassen – notabene nach einem 1:1 gegen den FC Basel.

Das Wir-Gefühl wieder wecken

Seither hat Contini abschalten können, die Familie genossen und immer auch ein «wenig den einheimischen Fussball verfolgt». An seiner neuen Wirkungsstätte steht ihm nun ein Kennenlernprozess mit dem bisweilen verunsicherten Team bevor, dabei sieht er den Spass als hohes Gebot: «Nicht der Erfolg macht die Freude an der Arbeit aus, sondern die Arbeit selbst.» Der 43-Jährige gilt als Taktikfuchs, als einer, der einen guten Umgang mit den Spielern pflegt. Und als einer, der besonders auf das Wir-Gefühl setzt, etwas, das in der letzten Zeit im FC St. Gallen gelitten hat. Contini sagt: «Die Uhren werden wieder auf null gestellt. Ich werde aber nicht von heute auf morgen alles umkrempeln. Wichtig ist mein Vertrauen in die Spieler und ihr Vertrauen in die eigene Stärke.» Der Zürcher sieht sein Engagement nicht als die Erfüllung eines Traumes, sondern als nächste Etappe des Werdegangs. Träume habe er viele, dennoch wache er «immer noch jeden Morgen ohne Haare auf», sagt er lächelnd. Es wäre ja schade, wenn ihm eines seiner Markenzeichen plötzlich abhanden käme.

Christian Brägger