St.Otmars Stammgoalie Aurel Bringolf erlebt die erste Schweizer Handball-EM seit
14 Jahren als Schattenmann

Für Aurel Bringolf bleibt an der EM in Schweden neben Nikola Portner wenig Einsatzzeit. Dennoch ist er wichtig für die Schweizer Mannschaft.

Ives Bruggmann
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Aurel Bringolf spielte bei seinem Einsatz gegen Schweden vor 11600 Zuschauern.

Aurel Bringolf spielte bei seinem Einsatz gegen Schweden vor 11600 Zuschauern.

Bild: Michael Erichson/Imago (Göteborg, 10. Januar 2020)

Die Rollenverteilung im Tor der Schweizer Handballer ist eindeutig. Nikola Portner ist die Nummer eins, Aurel Bringolf sein Stellvertreter. Im zweiten Gruppenspiel gegen Polen kam Bringolf aufgrund der überdurchschnittlichen Leistung Portners zu keinem Einsatz. Der 32-Jährige sagt:

«Diese Rolle akzeptiere ich vollends. Ich kann hier keinen Stunk anfangen. Wir haben alle ein gemeinsames Ziel.»

Dieses sei, möglichst lange im Turnier zu verbleiben. Nationaltrainer Michael Suter sagt über Bringolf: «Er ist eine sehr gute Ergänzung zu Portner. Zudem bildet er mit seiner Ruhe einen wichtigen Gegenpol zur jungen, wilden Equipe.» Bringolfs wichtigste Aufgabe ist jene des Ersatzgoalies. Er muss bereit sein, wenn Portner nicht sein gewohntes Niveau erreicht. Das ist gar nicht so leicht für einen, der in der NLA seit über einem Jahrzehnt meistens als Stammgoalie agiert. Natürlich sei es ein grosser Unterschied zum Verein. «Ich bereite mich auf jede Partie so vor, als ob ich von Beginn an spielen würde», sagt Bringolf. Weiter geht es dann auf der Bank. «Da gibt es kein Zurücklehnen. Im Gegenteil.» Um bereit zu sein, muss der Zürcher die Würfe der Gegner mit voller Konzentration analysieren. Denn Zeit, um in eine Partie reinzufinden, bleibt so gut wie keine. «Ich muss sofort da sein, wenn es mich braucht.»

Zur Person

388 Partien hat der 32-jährige Aurel Bringolf in der NLA absolviert. Seine Karriere begann bei GC Amicitia Zürich, führte über Pfadi Winterthur, Kadetten Schaffhausen und Fortitudo Gossau. Aktuell spielt der 1,90 m grosse Goalie für St. Otmar, wo er einen Vertrag bis 2022 besitzt. In der Schweizer Nationalmannschaft debütierte Bringolf am 26. November 2008 gegen Serbien. Bis heute absolvierte der gebürtige Winterthurer 67 Länderspiele. (ibr)

Über Fortitudo zurück ins Nationalteam

Dass Bringolf überhaupt in Göteborg die Schweiz vertritt, ist alles andere als selbstverständlich. Noch im Sommer 2017 war er froh, dass er bei Fortitudo Gossau Spielpraxis in der NLA erhielt. Er trieb zugleich seine berufliche Karriere voran und startete eine Weiterbildung. Doch in Gossau fand Bringolf wieder zur alten Stärke zurück. «Das war eine Win-Win-Situation», blickt der Goalie zurück. Fortitudo qualifizierte sich erstmals überhaupt für das NLA-Playoff und Bringolf spielte sich wieder in den Fokus des Nationalteams. Seither ordnet der Stammgoalie von St.Otmar dem Handball wieder alles unter. Der Zürcher absolviert das Psychologiestudium per Fernuni. «Solange ich im Nationalteam bin, bleibt das so.» Bringolf will das Maximum herausholen, denn die Karriere ist zeitlich begrenzt.

Die Stimmung fährt Achterbahn

In den bisherigen EM-Partien erlebte Bringolf – wie die Schweiz – eine Achterbahnfahrt. Da war das Spiel gegen Co-Gastgeber Schweden, in dem nichts funktionierte. Auch Bringolf schaffte es nicht, in seinem Kurzeinsatz die Mannschaft mit Paraden zu unterstützen. Gegen Polen folgte die erhoffte Reaktion. Auch wenn Bringolf weiter auf sein 68. Länderspiel warten muss, sagt er:

«Das war genial. Die Halle war fest in Schweizer Hand. Das habe ich so noch nie erlebt.»

Nur wenige Stunden später stürzte die Stimmungskurve im Team abrupt ab. Slowenien besiegte überraschend Schweden und stellt die Schweiz damit vor eine fast unlösbare Aufgabe: Sie muss gegen Slowenien mit acht Toren Differenz gewinnen, um sicher im Turnier zu verbleiben. «Der Sieg Sloweniens war für uns ein echter Dämpfer.»

In der Vorbereitung auf das letzte Gruppenspiel sei nun mehr Kopftraining als etwas anderes gefragt, so Bringolf. Doch die Ausgangslage ändere sich nicht. «Wir wollen gewinnen.»