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Der Pulsschlag Afrikas

KONSTANZ. Das Theater Konstanz startet am kommenden Wochenende mit Henning Mankell und Joseph Conrad in die neue Spielzeit. Dabei finden die Tiefen der europäischen Seele durch den Programmschwerpunkt Projektionsfläche in Afrika.
Brigitte Elsner-Heller
Starker Auftakt: Michael Portmann und Andrej Woron inszenieren in Konstanz zu Beginn der Spielzeit. (Bild: Brigitte Elsner-Heller)

Starker Auftakt: Michael Portmann und Andrej Woron inszenieren in Konstanz zu Beginn der Spielzeit. (Bild: Brigitte Elsner-Heller)

KONSTANZ. Zum zweitenmal hat sich das Theater Konstanz unter der Intendanz von Christoph Nix in seiner Spielplangestaltung von der Geographie leiten lassen. War vor drei Jahren Russland der Schwerpunkt, ist nun der afrikanische Kontinent Thema. Motto: «Afrika – In weiter Ferne so nah». Passend hierzu hat sich das Unternehmen ein neues Logo geschaffen, eine Kogge, die Aufbruch signalisiert, aber auch an die Zeit kolonialer Ausdehnung des europäischen Kontinents erinnert.

Von Katz und Maus zu Antilope

Am kommenden Wochenende startet die neue Spielzeit mit herausragenden Kräften. Am Freitag, 7. Oktober, um 20 Uhr ist Premiere von Henning Mankells «Die rote Antilope». Regie führt der Schweizer Regisseur Mario Portmann, der auch die Bühnenfassung des Romans geschrieben hat. Portmann, der vor Jahren mit seiner Konstanzer Inszenierung von Günther Grass' «Katz und Maus» Aufsehen erregt hatte und seitdem wiederholt mit starken Arbeiten («Michael Kohlhaas» oder das Schiwago-Projekt) in Erscheinung getreten ist, fungiert seit dieser Spielzeit als Oberspielleiter. Er arbeitet in der Produktion von «Die rote Antilope» wieder mit seinem Ausstatter Stephan Testi zusammen, was auf eine klare, sinnfällige Strukturierung des Geschehens hoffen lässt. Die Vorlage Mankells hat es ihm da nicht leicht gemacht, denn die Handlung ist in Afrika und Schweden angesiedelt. Um 1900 macht sich ein Insektenforscher nach Afrika auf, trifft dort auf einen Jungen, den er mit nach Europa nimmt. Die kulturelle Massnahme geht nicht auf, der «Zögling» stirbt aus Heimweh. Ungewöhnlich hat Portmann die Herausforderung gelöst, einen kleinen schwarzen Jungen auf die Bühne zu bringen: Er setzt eine Puppe ein.

Henning Mankell wird selbst nach Konstanz kommen, um die Produktion zu sehen. Auch das Publikum hat etwas von diesem Besuch, denn am Tag nach der Premiere werden Henning Mankell und der ehemalige deutsche Aussenminister Frank-Walter Steinmeier im Gespräch zu erleben sein. Die Moderation übernimmt der Konstanzer Politikwissenschafter Wolfgang Seibel (Samstag, 8. Oktober, 15 Uhr).

Finsternis im Kolonialismus

Der zweite Paukenschlag zur Spielzeiteröffnung ist Andrej Worons Inszenierung von Joseph Conrads Erzählung «Herz der Finsternis», zu der Thomas Spieckermann die Bühnenfassung geschrieben hat. Wie auch bei Mankell lenkt das Stück den Blick auf die Zeit des Kolonialismus, wobei Conrad ein Autor ist, der aus der Zeit selbst heraus geschrieben hat und dabei viel Autobiographisches einfliessen liess. Wie Regisseur Woron ist Conrad gebürtiger Pole, ein Umstand, der den impulsiven, bildgewaltigen Woron, welcher die vergangene Spielzeit in Konstanz mit einem überwältigenden «Woyzeck» eröffnet hatte, vielleicht besonders herausgefordert hat.

Es sei wohl die schwerste Arbeit seines Lebens, sagt er noch kurz vor der Premiere, bei der es aus der Konstanzer Spiegelhalle mit Kapitän Marlow in die Tiefen des Kongos geht, wo der Elfenbeinhändler Kurtz ein harsches, dabei mythisch überhöhtes Regiment führt. Die Tiefen und moralischen Abstürze der europäischen Seele, hier in Afrika finden sie ihre Projektionsfläche. Andrej Woron und Thomas Spieckermann haben dabei ihren eigenen Kampf gekämpft: «Das Buch ertrinkt in Metaphern, ist antitheatralisch, pure Literatur», sagt Woron und konkretisiert: «Wie will man den Duft des Flusses auf die Bühne bringen?» Das Publikum wird sich erstmals bei der Premiere am Samstag, 8. Oktober, in der Spiegelhalle ein Bild machen können (20 Uhr). Dass die Arbeit Worons ins Leere laufen könnte, ist allerdings kaum zu erwarten.

Robinson für die Jungen

Das junge Publikum wird zum Start der Spielzeit ebenfalls nicht vergessen und mit «Robinson & Crusoe» (Regie: Michael von Oppen) in andere Welten entführt. Premiere des Spiels, bei dem es um die Verständigung zwischen Menschen unterschiedlicher Herkunft geht, ist auf den Sonntag, 9. Oktober, in der Werkstatt Inselgasse (18 Uhr) angekündigt.

www.theaterkonstanz.de

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