Der Nächste, bitte

Rolf Fringer war bereits der siebte Super-League-Trainer, der in dieser Saison entlassen wurde. In anderen Ländern ist der Druck und der Einfluss von Investoren zwar ebenfalls hoch, doch ein Trainer hat im Durchschnitt wesentlich mehr Zeit.

Thomas Werner/Markus Zahnd
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FUSSBALL. Neun Trainerwechsel gab es vergangene Saison in der Super League, bereits sieben sind es in der laufenden Meisterschaft. Die Amtsdauer eines Trainers in der höchsten Schweizer Liga beträgt damit im Schnitt knapp ein halbes Jahr. Jeff Saibene ist seit 20 Monaten beim FC St. Gallen und damit bereits der Trainer mit der längsten Amtszeit bei seinem aktuellen Club. In kaum einer Liga wird der Trainer schneller ausgewechselt als in der Super League. In der deutschen Bundesliga darf sich ein Trainer aktuell 1,2 Jahre im Schnitt versuchen, in der englischen Premier League 2,65 Jahre. Auffallend ist, dass im englischen Profifussball die Vertragsdauer in den drei Ligen darunter stetig abnimmt – bis auf 0,89 Jahre in der vierthöchsten Klasse, der Ligue 2. Da kann aus der höchsten Liga nur Champions-League-Sieger Chelsea mithalten, dessen fünf letzte Trainer im Schnitt nur 0,85 Jahre bleiben durften.

Den Rekord für die kürzeste Amtszeit hält im übrigen Leroy Resenior. Er wurde 2007 an einer Pressekonferenz des englischen 5.-Liga-Clubs Torquay United als neuer Trainer vorgestellt. Zehn Minuten später gab der Clubbesitzer bekannt, dass er 51 Prozent der Aktien verkauft habe. Der neue Besitzer wollte Rosenior nicht.

Kaum einer übersteht Jahr eins

Der 48jährige Engländer nahm die Sache mit Humor. Er denke, er habe zehn Minuten einen guten Job gemacht, sagte Rosenior. Für viele ist die Entlassung allerdings nicht so lustig. Denn immer häufiger bekommen neu eingestellte Trainer kaum noch Zeit, ihre Ideen und Vorstellungen umzusetzen. In England mussten in der vergangenen Saison über ein Drittel der Entlassenen innerhalb des ersten Jahres nach ihrer Ernennung gehen. In der Super League trifft dies auf Rolf Fringer beim FC Zürich, João Alves bei Servette, Heiko Vogel beim FC Basel sowie Sebastien Fournier und Michel Decastel beim FC Sion zu. Das erste Jahr überstanden von den in dieser Saison Abgelösten nur Murat Yakin beim FC Luzern und Bernard Challandes beim FC Thun – allerdings wenige Monate.

Diese frühen, oft überstürzten Ablösungen lassen vermuten, dass Fehler bei den Einstellungsverfahren vorliegen. Dies wird durch eine Aussage von Ancillo Canepa unterstrichen. Er habe sich getäuscht, «das war nicht mehr der Fringer von früher», so der Präsident des FC Zürich. Er hätte ein Bild von ihm gehabt, in dem dieser Freude ausstrahlte und gut mit Spielern umgehen konnte, so Canepa. Stellt sich die Frage, nach welchen Kriterien der Trainer eingestellt wurde? Fringer ist ja kein Unbekannter, er ist seit über 20 Jahren im Geschäft.

Jeder Entscheid wird hinterfragt

Das zeigt, dass sich ein Mensch im Trainermetier eben auch stark verändern kann, was vor allem an der enormen, vor allem mentalen Belastung liegt. Selbst einem Erfolgstrainer wie Josep Guardiola machte der enorme Druck bei Barcelona am Ende seiner Amtszeit schwer zu schaffen. Arsène Wenger, der bei Arsenal seit über 16 Jahren im Amt ist, klagt, dass heute «jeder Entscheid des Trainers hinterfragt wird». Probleme haben er und seine Kollegen damit, dass sie sich nicht nur gegenüber Fachleuten rechtfertigen müssen, sondern auch gegenüber branchenfremden Clubbesitzern und der Öffentlichkeit.

Die ständigen Forderungen nach Ergebnissen, der Umgang mit Spitzenspielern, die stressige Medienarbeit und die Schwierigkeiten verschiedenster Art im Zusammenhang mit Zeitdruck, Krisensituationen, aufdringlichen Agenten und allmächtigen Eigentümern hinterliessen Spuren, sagt dazu der Schotte Andy Roxburgh, der Technische Direktor der Uefa.

Nicht wie in der Privatwirtschaft

Das ist mittlerweile auch in der Schweiz so. Investoren verlassen sich auf Grundsätze aus der Privatwirtschaft, die im Fussball nicht funktionieren müssen. So lohnt sich nicht jede Investition, weil auch nicht Planbares wie Glück oder die Tagesform eine Rolle spielen. Gute Beispiele hierfür sind Luzern oder die Young Boys. In der Zentralschweiz ist es derzeit Bernhard Alpstaeg, der sich selber zwar als Amateur bezeichnet, Sportchef und Trainer aber dennoch als «Ahnungslose» betitelt. Und in Bern wird seit längerem versucht, ein wirtschaftlich und sportlich erfolgreiches Unternehmen aufzubauen – bisher mit bescheidenem Erfolg.

Luzern und die Young Boys treffen heute abend aufeinander. Gut möglich, dass jener Trainer, der heute verliert, morgen auch schon keinen Job mehr hat. Das wäre dann der achte entlassene Super-League-Trainer seit dem 20. August, als Yakin in Luzern gehen musste.

Der Zuercher Coach Rolf Fringer beim Fussballspiel der Super League FC Zuerich gegen den FC Luzern in Zuerich am Samstag, 17. November 2012. (KEYSTONE/Walter Bieri) (Bild: WALTER BIERI (KEYSTONE))

Der Zuercher Coach Rolf Fringer beim Fussballspiel der Super League FC Zuerich gegen den FC Luzern in Zuerich am Samstag, 17. November 2012. (KEYSTONE/Walter Bieri) (Bild: WALTER BIERI (KEYSTONE))

Coach Heiko Vogel of Switzerland's soccer team FC Basel 1893 is pictured during a training session in the Estadio Jose Alvalade in Lissabon, Portugal, on Wednesday, September 19, 2012. Switzerland's FC Basel 1893 is scheduled to play against Portugals's soccer Club Sporting Lissabon in a Europa League match tomorrow Thursday. (KEYSTONE/Urs Flueeler).... (Bild: URS FLUEELER (KEYSTONE))

Coach Heiko Vogel of Switzerland's soccer team FC Basel 1893 is pictured during a training session in the Estadio Jose Alvalade in Lissabon, Portugal, on Wednesday, September 19, 2012. Switzerland's FC Basel 1893 is scheduled to play against Portugals's soccer Club Sporting Lissabon in a Europa League match tomorrow Thursday. (KEYSTONE/Urs Flueeler).... (Bild: URS FLUEELER (KEYSTONE))

L'entraineur thounois Bernard Challandes lors de la rencontre de football de Super League entre le FC Lausanne-Sport, LS, et FC Thun, ce samedi 17 novembre 2012 au stade Olympique de la Pontaise a Lausanne. (KEYSTONE/Laurent Gillieron) (Bild: LAURENT GILLIERON (KEYSTONE))

L'entraineur thounois Bernard Challandes lors de la rencontre de football de Super League entre le FC Lausanne-Sport, LS, et FC Thun, ce samedi 17 novembre 2012 au stade Olympique de la Pontaise a Lausanne. (KEYSTONE/Laurent Gillieron) (Bild: LAURENT GILLIERON (KEYSTONE))

L'entraineur du FC Sion Sebastien Fournier lors de la rencontre de football de Super League entre FC Lausanne-Sport, LS, et FC Sion ce samedi 11 aout 2012 au stade Olympique de la Pontaise a Lausanne. (KEYSTONE/Olivier Maire) (Bild: OLIVIER MAIRE (KEYSTONE))

L'entraineur du FC Sion Sebastien Fournier lors de la rencontre de football de Super League entre FC Lausanne-Sport, LS, et FC Sion ce samedi 11 aout 2012 au stade Olympique de la Pontaise a Lausanne. (KEYSTONE/Olivier Maire) (Bild: OLIVIER MAIRE (KEYSTONE))

Der Genfer Trainer Joao Alves, rechts, gestikuliert beim Fussball Super League Spiel zwischen dem FC Thun und Servette FC am Sonntag, 2. September 2012, in der Arena in Thun. (KEYSTONE/Peter Schneider) (Bild: PETER SCHNEIDER (KEYSTONE))

Der Genfer Trainer Joao Alves, rechts, gestikuliert beim Fussball Super League Spiel zwischen dem FC Thun und Servette FC am Sonntag, 2. September 2012, in der Arena in Thun. (KEYSTONE/Peter Schneider) (Bild: PETER SCHNEIDER (KEYSTONE))

Basel's head coach Murat Yakin reacts during the UEFA Europa League Group G soccer match between Swiss FC Basel and Hungary`s FC Videoton in Basel, Switzerland, Thursday, November 8, 2012. (KEYSTONE/Walter Bieri) (Bild: WALTER BIERI (KEYSTONE))

Basel's head coach Murat Yakin reacts during the UEFA Europa League Group G soccer match between Swiss FC Basel and Hungary`s FC Videoton in Basel, Switzerland, Thursday, November 8, 2012. (KEYSTONE/Walter Bieri) (Bild: WALTER BIERI (KEYSTONE))

Bereits sieben Trainer wurden in der Super League ausgewechselt: Rolf Fringer, Murat Yakin (links, von oben), Heiko Vogel, Sébastien Fournier, Michel Decastel (Mitte, von oben), Bernard Challandes und João Alves (rechts, von oben). Zwei von ihnen haben Schicksalkollegen abgelöst, Yakin in Basel Vogel und Fournier bei Servette Alves. (Bilder: ky)

Bereits sieben Trainer wurden in der Super League ausgewechselt: Rolf Fringer, Murat Yakin (links, von oben), Heiko Vogel, Sébastien Fournier, Michel Decastel (Mitte, von oben), Bernard Challandes und João Alves (rechts, von oben). Zwei von ihnen haben Schicksalkollegen abgelöst, Yakin in Basel Vogel und Fournier bei Servette Alves. (Bilder: ky)

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