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Der Mythos um Davos-Trainer Arno Del Curto verblasst

Davos klebt in der NLA auf den hinteren Tabellenplätzen fest – und nicht vieles spricht vor dem Spiel am Dienstag gegen Rapperswil-Jona dafür, dass sich dies bald ändert. Die Gründe für die Krise.
Sergio Dudli
Arno Del Curto beobachtet das Geschehen im Spiel seines HC Davos gegen Servette. (Bild: KEY)

Arno Del Curto beobachtet das Geschehen im Spiel seines HC Davos gegen Servette. (Bild: KEY)

Die erfolgreichen Zeiten sind vorbei. Zumindest vermittelt der HC Davos derzeit diesen Eindruck. Der Schweizer Rekordmeister kassiert Niederlage um Niederlage – zuletzt verlor das Team sieben Mal in Serie. Drei Siegen stehen derzeit zehn Niederlagen gegenüber. Das Denkmal von Trainer Arno Del Curto, der lange als unantastbar galt und den Verein in seinen 22 Jahren im Amt zu sechs Meistertiteln führte, bröckelt. Der einst Unentlassbare verkommt im Angesicht der Krise zum Sinnbild des sportlichen Absturzes. Doch an welchen Zahnrädchen muss Del Curto schrauben, damit die Maschine wieder läuft?

Die Philosophie

Die Offensive gewinnt Spiele, die Defensive gewinnt Titel – so heisst es im Volksmund. Die Defensive war noch nie das Aushängeschild Del Curtos. Sein Name steht für Tempo, aggressives Anlaufen des Gegners und Spektakel. Was bedeuten schon viele Gegentore, wenn die Offensiv-Künstler stets ein Tor mehr erzielen als der Gegner? In einem Interview mit dieser Zeitung sagte Del Curto im März, er strebe nach «einer Symphonie aus Lauf- und Passwegen, gepaart mit höchstem Tempo». Doch bereits damals war er sich bewusst: «Wenn du oft verlierst, fehlt dir irgendwann der Glaube, das Ganze auch umsetzen zu können.» Diese Aussage wird nun zum Boomerang. Del Curto muss ­einen Plan B finden oder darauf hoffen, dass der Knoten platzt.

Die Unausgewogenheit

Die Davoser stehen bei 52 Gegentreffern – Ligahöchstwert. Bereits in der vergangenen Saison war die Defensive anfällig. Del Curto reagierte, setzte den jungen Goalies Gilles Senn und Joren van Pottelberghe mit Anders Lindbäck einen Mann mit NHL-Erfahrung vor die Nase. Mit einer Fangquote von 88,6 Prozent ist der Schwede der statistisch schlechteste NLA-Stammtor­hüter. Doch Lindbäck alles anzukreiden, greift zu wenig weit. Del Curto fehlt das Spielermaterial, um mit derselben Intensität wie in früheren Jahren das Pressing zu betreiben. Versucht wird es trotzdem – und das führt zu einer Unausgewogenheit zwischen ­Defensive und Offensive. Von der jungen Verteidigung zu erwarten, die so entstehenden Löcher zu stopfen, ist zu viel verlangt. Dieses Problem wäre aber zu lösen gewesen, hätte sich der Verein im Sommer besser verstärkt.

Rapperswil-Jonas gute Erninnerungen an Davos

Beim heutigen Gegner des HC Davos herrscht trotz eines ebenfalls schwachen Saisonstarts noch Ruhe. Rapperswil-Jonas Goalie Melvin Nyffeler sagt: «Wir wollen den Ligaerhalt schaffen. Das schreit förmlich nach weniger Toren und Punkten im Vergleich zur vergangenen Saison, als wir den Aufstieg anpeilten.» Im ersten Vergleich der Saison mit Davos unterlagen die Ostschweizer auswärts 0:2. Es war einer von nur drei Siegen der Bündner. An das letzte Heimspiel gegen Davos hat Rapperswil-Jona aber gute Erinnerungen: Im Cupfinal der vergangenen Saison dominierte der damals unterklassige Club den Gast aus Davos nach Belieben und wurde dank des deutlichen 7:2-Siegs als erst zweites Team aus einer tieferen Liga Cupsieger. (dus)

Die Leistungsträger

An der WM im Mai war Enzo ­Corvi eine der Entdeckungen des Turniers. Der Kreativkopf der Davoser brillierte in einer Linie mit seinem Jugendfreund Nino Niederreiter. Corvi erzielte in den zehn Partien auf dem Weg zur Silbermedaille vier Tore und bereitete fünf Treffer vor. Es wurden Stimmen laut, dass dieser Mann in die NHL gehöre. Diese sind längst verstummt. Corvi befindet sich weit weg von der Form, die ihn an der WM zum unverzichtbaren Puzzleteil des Schweizer Teams gemacht hat. Magere zwei Ligatore stehen beim 26-Jährigen zu Buche. Doch nicht nur Corvi hinkt seiner Klasse hinterher. Auch Captain und Identifikationsfigur Andres Ambühl weiss nicht zu überzeugen. Vier Torbeteiligungen sind zu wenig für einen Mann, der in den vergangenen drei Saisons über 130 Skorerpunkte sammelte. Wenn dann auch noch die Gebrüder Marc und Dino Wieser nach 13 Spielen ohne Tor dastehen, haben die Leistungsträger versagt.

Die Vereinsstruktur

Jahrelang fungierte Del Curto bei Davos als Trainer und Sportchef. Viel Macht, die noch mehr Verantwortung mit sich brachte. Ist der Erfolg da, ist dies der Verdienst des Machtinhabers. Dasselbe gilt aber auch für Misserfolg. Der 62-jährige Del Curto hat erkannt, dass er das Doppelmandat nicht mehr alleine ausführen kann. Das Alter zehrt an ihm. Der Verein reagierte vor ­wenigen Tagen und erhob Aus­bildungschef René Müller zum Sportchef. Zudem wurde Sandro Rizzi zum Assistenten befördert. Das sind richtige Schritte. Es ist aber fraglich, ob diese Massnahmen noch in dieser Saison ihre volle Wirkung entfalten.

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