Der mit dem Stirnband

Petar Aleksandrov ist seit August vergangenen Jahres Mitglied im Trainerstab des FC St. Gallen. Der Bulgare, in den 1990er-Jahren ein Topstürmer der NLA, soll im Verein auf allen Stufen die Angreifer torgefährlicher machen.

Christian Brägger
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Petar Aleksandrov Stürmer-Trainer FC St. Gallen (Bild: pd)

Petar Aleksandrov Stürmer-Trainer FC St. Gallen (Bild: pd)

FUSSBALL. Manchem Verein würde ein Petar Aleksandrov als Aktiver noch heute gut anstehen, auch dem FC St. Gallen. Ein Stürmer, der mit Kopfballspiel und Torinstinkt auffällt – und dem Stirnband, seinem Markenzeichen. Einer, der den direkten Weg zum Tor sucht und beidfüssig in den Abschluss geht. Diese Sorte Angreifer ist rar geworden. Vermutlich auch deswegen, weil der Mittelstürmer der 1990er-Jahre, wie ihn der Bulgare verkörperte, technisch hölzern und spielerisch limitiert schien. Und trotzdem würde einer wie Aleksandrov, der in seiner Aktivzeit im Durchschnitt mehr als 0,5 Tore pro Spiel erzielt hatte, mit grosser Wahrscheinlichkeit noch oft treffen – weil einer wie er das Toreschiessen im Blut hat.

Zweimal bester Torschütze

Nicht umsonst wurde Aleksandrov vor knapp zwei Jahrzehnten einmal mit 19 Toren für Luzern und einmal mit 24 Treffern für Xamax bester Torschütze der damaligen NLA. In der Saison 1992/93, als Aarau dank seines Torriechers letztmals Schweizer Meister geworden war, wurde Aleksandrov gar zum besten Ausländer der Liga erkoren. «Das war schon eine spezielle Auszeichnung. Es durften pro Club ja nur drei Ausländer spielen. Ausserdem waren damals in der Schweiz Grössen wie Giovane Elber, Mauro Galvão oder Sonny Anderson aktiv.»

Der unterdessen 52-Jährige kommt ins Schwärmen, wenn er von früher erzählt. Schnell wird spürbar, dass da einer sitzt, der den Fussball liebt – und noch immer lebt. Er sagt: «Ich fühle mich auch heute noch irgendwie als Aktiver, eigentlich habe ich gar nie richtig aufgehört.» Neben all den Meriten war es wohl diese Passion, weshalb ihn im vergangenen August Trainer Jeff Saibene und Sportchef Heinz Peischl für eine 60-Prozent-Stelle nach St. Gallen holten. Mit der Aufgabe, im Club vom U15-Team bis hin zur ersten Mannschaft die Stürmer weiterzubringen.

Besonders St. Gallens Angreifer der Super League geniessen in der Arbeit von Aleksandrov Priorität – und sie können seine Unterstützung auch gebrauchen. Ihre Bilanz in der Meisterschaft nach 19 Spielen ist alles andere als rosig: Dzengis Cavusevic erzielte fünf Tore, Albert Bunjaku vier, Goran Karanovic eines. Aleksandrov sagt: «Ich weiss, dieses Ergebnis ist nicht so gut, wie wir uns das alle wünschen. Ich bin dafür da, das zu verbessern. Aber das geschieht nicht von heute auf morgen.» Er findet, dass die Spieler versuchen sollten, aus jedem Training etwas mitzunehmen; sie müssten bereit sein, mehr zu tun – auch wenn ein Abschluss im Training 200mal geübt werde. Damit in der 90. Minute die Konzentration und die letzte Konsequenz vor dem gegnerischen Tor noch vorhanden sei.

Für ihn sei St. Gallen ein Glücksfall gewesen, sagt Aleksandrov dankbar. Auch weil er nach der Aktivzeit Mühe hatte, Fuss zu fassen. «Ich habe halt immer nur im Fussball gearbeitet.» Nach mehreren Anstellungen als Assistenztrainer, unter anderen in der Nationalmannschaft Bulgariens oder in Luzern, war Aleksandrov vor seinem Engagement in St. Gallen zwei Jahre lang arbeitslos. Doch der dreifache Familienvater will nun vorwärts schauen. Der Vertrag in der Ostschweiz läuft bis im Sommer, gerne würde er ihn verlängern – und zusätzlich vielleicht als Scout arbeiten. Cheftrainer wolle er aber nirgends werden: «Ich bin Realist. Dieser Zug ist abgefahren.»

Keine Freunde auf dem Platz

Gegen seinen früheren Club Luzern wünscht sich Aleksandrov einen St. Galler Sieg: «Wenn die erste Mannschaft nicht gewinnt, leidet der ganze Verein.» Er habe bei den Zentralschweizern viele Freunde, doch während der 90 Minuten dürfe das nicht zählen. «Das habe ich immer so gehandhabt und regelmässig für andere Vereine gegen meinen Lieblingsclub Aarau getroffen.» Und das Stirnband – wieso hielt er an diesem Utensil bis in die Veteranen-Zeit fest? «Mich hat der Schweiss stets gestört. Als es einmal gegen Bulle so heiss war, gab mir der Masseur zum Schutz das Stirnband. Ich erzielte zwei Tore, es musste mein Wegbegleiter bleiben.»

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