Der Mann, dessen Karriere zweimal begann

Der neue Swiss-Indoors-Sieger war 2014 auf dem Höhepunkt seiner Tenniskarriere. Kurz zuvor hätte diese für immer zu Ende gehen können.

Ralf Streule/Basel
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30.10.2016;  Basel; Tennis - Swiss Indoors 2016; Marin Cilic (CRO) mit dem Pokal
(Steffen Schmidt/freshfocus) (Bild: Steffen Schmidt/freshfocus (freshfocus))

30.10.2016; Basel; Tennis - Swiss Indoors 2016; Marin Cilic (CRO) mit dem Pokal (Steffen Schmidt/freshfocus) (Bild: Steffen Schmidt/freshfocus (freshfocus))

Der 198 Zentimeter grosse Schlaks schlurft in den Presseraum. Er setzt sich in den weissen Ledersessel, so tief, dass seine Knie wie Lanzen daraus hervorlugen. Dann schaut er spitzbübisch auf, zuerst zum Swiss-Indoors-Pokal, dann in die Journalistenschar. Als wollte er sagen: «Seht her, ich bin Roger Federers Nachfolger.» Aber er sagt: «Hey guys.» – Um dann einfach mal lächelnd abzuwarten. Eine derartige Lässigkeit und Freude liegt in diesem Moment, dass man unweigerlich zurückdenkt an den Moment vor drei Jahren, als es komplett anders stand um die Karriere des neuen Swiss-Indoors-Siegers Marin Cilic.

Das Tennisleben des Kroaten teilt sich in die Zeit vor 2013 und die Zeit nach 2013. Im Mai jenes Jahres wurde er positiv auf Nikethamid, einen Kreislaufstimulator, getestet. Eine lange Sperre drohte, gar das Karriereende, wie Medien schrieben. Doch Cilic bewies irgendwie, dass der Stoff über Glykosetabletten in seinen Körper gelangt war. Schon Ende 2013 war er wieder im Einsatz. «Mental gestärkt», wie er sagte. Und mit seinem Landsmann Goran Ivanisevic als neuem, prominentem Trainer.

Ein Jahr später gewann Cilic überraschend die US Open und war damit auf dem Höhepunkt seiner Karriere. In New York brillierte er mit Dreisatzsiegen gegen Roger Federer, Tomas Berdych und im Final gegen Kei Nishikori, den er auch gestern im Final bezwang.

In Basel hat Cilic seinen 15. ATP-Titel geholt. Mit dem Sieg steigen seine Chancen auf die Masters im Kreis der acht Besten in London. Und Cilic will mehr. Auf Ivanisevic folgte kürzlich Trainer Jonas Björkmann, von ihm verspricht sich der 28-Jährige neue Impulse im Spiel am Netz. «Aber nun», sagte er gestern abend, «steht zuerst eine Feier an!» Federer habe jeweils die Ballkinder zum Pizzaessen eingeladen, erklärt man ihm. «Sorry, wusste ich nicht!»