Der «Lausannste Klub der Welt» kommt in die Challenge League

Dank zwei Aufstiegen innert dreier Jahre spielen die Fussballer von Stade Lausanne-Ouchy nächste Saison in der Challenge League. Doch die Promotion sorgt auch Probleme. Am Samstag gastiert der SC Cham beim Gründungsmitglied des Fussballverbandes.

Nicola Berger
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Spieler, Betreuer und Fans des FC Stade Lausanne-Ouchy feiern den Aufstieg in die Challenge League im Stadion Juan-Antonio Samaranch. (Bild Jean-Christiophe Bott/Keystone (Lausanne, 27. April 2019))

Spieler, Betreuer und Fans des FC Stade Lausanne-Ouchy feiern den Aufstieg in die Challenge League im Stadion Juan-Antonio Samaranch. (Bild Jean-Christiophe Bott/Keystone (Lausanne, 27. April 2019))

Vor zwei Jahren zog sich Le Mont aus der Challenge League zurück, Präsident Serge Duperret war es leid, die immer neuen, aberwitzigen Auflagen der Swiss Football League (SFL) zu erfüllen. Le Mont, ein Kleinstklub aus Lausanne, wurde genötigt, seine Heimspiele in Baulmes auszutragen, praktisch unter Ausschluss der Öffentlichkeit – der Betrieb liess sich nicht refinanzieren.

Nun versucht sich abermals ein Vertreter aus der Waadt am Abenteuer Challenge League: Stade Lausanne-Ouchy, unter dem Namen FC La Villa Ouchy 1897 einst eines der Gründungsmitglieder des Schweizerischen Fussballverbandes.

SLO, wie der Klub in der Romandie genannt wird, war in den letzten Jahren eine Erfolgsgeschichte. Trainer Andrea Binotto übernahm den Klub 2012 in der 1. Liga classic. Nun hat er ihn im Eiltempo in die Challenge League geführt; sein Team gewann die 1. Liga Promotion souverän, der Aufstieg steht seit Wochen fest. Binotto wird in Lausanne nur «Professor» genannt, es ist eine Bezeichnung, die im Fussball derzeit fast inflationär verwendet wird. Doch auf Binotto trifft sie zu: Er unterrichtet am lokalen Gymnasium Mathematik. Mit SLO hat er ein Team aus weitgehend unbekannten Fussballern zum Amateurmeister geformt.

Heimspiele künftig in Nyon

Die prominentesten Spieler im Kader sind der Captain Fabian Geiser (36), einst bei YB und Lausanne aktiv, der nach der Saison jedoch zurücktreten dürfte. Und der Genfer Innenverteidiger Ferid Matri (25), ein ehemaliger Juniorennationalspieler, der lange dem FC Luzern gehörte, im Sommer 2013 vom damaligen Sportchef Alex Fr0ei verpflichtet.

Die Promotion in den Profifussball hat etwas Märchenhaftes. Doch sie stellt den Klub auch vor Probleme. Die Heimspiele wird der Klub in Nyon austragen müssen – um die Anforderungen der Liga im Stade Juan-Antonio Samaranch zu befriedigen, wären bauliche Massnahmen und Kosten in der Höhe von mehr als einer Million Franken nötig geworden. SP-Politiker Oscar Tosato, Sportverantwortlicher der Stadt Lausanne sagt dazu:

«Die Swiss Football League tötet den Fussball.»

Auch die Finanzlage des Klubs ist angespannt. Im Februar konnte die Insolvenz nur knapp abgewendet werden – der Unternehmer Vartan Sirmakes rettete den Klub, was in der Region für Stirnrunzeln sorgte: Sirmakes, der CEO der Nobeluhrenmarke Franck Muller, ist eigentlich Präsident des Ligakonkurrenten Stade Nyonnais. Er sagte, er habe nicht einfach untätig herumsitzen und zuschauen können, wie ein Verein verschwinde.

Die Lizenz für die Challenge League hat SLO dank Sirmakes in erster Instanz erhalten, doch der Klub ist darauf angewiesen, neue Geldquellen zu erschliessen. Derzeit versucht der Verein per Crowdfunding 130000 Franken zu generieren. Bis zum Freitagnachmittag waren aber nur 6830 Franken zusammengekommen, die Kampagne hat erst 27 Unterstützer angelockt.

Perspektivisches Engagement

Die Konstellation bleibt schwierig. Doch Sirmakes sagt, sein Engagement sei perspektivisch angelegt: Es gehe darum, einen Klub aus der Genferseeregion in der Challenge League zu platzieren, weil das für die Region wichtig sei, wenn die Lokomotiven Servette und Lausanne mittelfristig in der Super League spielten. Die Crowdfunding-Kampagne bewirbt der Klub mit dem Slogan «Le club le plus lausannois du monde», so sehr Lausanne wie SLO sei kein anderer Verein auf dieser Welt – vor allem also nicht Lausanne-Sport. Angesichts der Tatsache, dass sich dieser Klub in den Händen eines britischen Weltkonzerns befindet, ist es eine kluge, freche Stichelei, eigentlich. Doch es bleibt der Schönheitsfehler, dass der «Lausannste Klub der Welt» ab Sommer in Nyon spielt.

Promotion League. 29. Runde. Samstag, 16.00: Stade Lausanne-Ouchy – Cham. Bavois – Brühl SG. Bellinzona – Köniz. Breitenrain Bern – La Chaux-de-Fonds. Münsingen – Sion II. Stade Nyonnais – YF Yuventus. Yverdon – Wohlen. Zürich II – Basel II.

Rangliste (alle 28 Spiele): 1. Lausanne-Ouchy 66*. 2. Yverdon 54. 3. Bellinzona 52. 4. Cham 46. 5. Sion II 44. 6. Stade Nyonnais 43. 7. Köniz 41. 8. Breitenrain 38. 9. Bavois 36. 10. Münsingen 36. 11. Basel II 34. 12. Brühl 32. 13. Zürich II 31. 14. YF Juventus Zürich 26. 15. Wohlen 25. 16. La Chaux-de-Fonds 8+.

* Aufsteiger; + Absteiger