«Der Königstitel ist möglich»

Arnold Forrer spricht vor dem Eidgenössischen über sein Alter, seine Chancen und ein mögliches Karriereende.

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Für den Toggenburger Arnold Forrer ist sein Alter von 35 Jahren am Eidgenössischen in Burgdorf kein Handicap. (Bild: Urs Bucher)

Für den Toggenburger Arnold Forrer ist sein Alter von 35 Jahren am Eidgenössischen in Burgdorf kein Handicap. (Bild: Urs Bucher)

Herr Forrer, Sie hatten seit dem Fest auf der Schwägalp vor zwei Wochen eine Wettkampfpause. Wie haben Sie diese genutzt?

Arnold Forrer: Ich habe darauf geachtet, genug Schlaf zu bekommen. Normalerweise schlafe ich zwischen vier und fünf Stunden pro Nacht. Im Vorfeld des Eidgenössischen waren es fünf bis acht Stunden. Im letzten Trainingsblock vor Burgdorf habe ich vor allem an der Explosivität und Spritzigkeit gearbeitet. Daneben war ich auf dem Mountainbike unterwegs. Im Schwingkeller war ich seit dem Schwägalpschwinget nur einmal.

Wie hat das Eidgenössische Ihre Vorbereitung auf diese Saison verändert?

Forrer: Ich habe bereits früher als üblich im vergangenen Oktober mit dem Aufbautraining begonnen. 2012 habe ich das Training bewusst zurückgefahren, um meinen Körper zu schonen. Ich habe vielleicht 80 Prozent des üblichen Aufwandes betrieben. Dies hat mir gutgetan und ich war im vergangenen Oktober wieder motiviert, Vollgas zu geben. Auf das Eidgenössische hin habe ich das Training intensiviert. Pro Woche trainierte ich 12 bis 18 Stunden. Ich bin körperlich fit und zehn Kilogramm leichter als im vergangenen Jahr.

Ist es im Schwingen möglich, eine Saison so zu planen, dass man am Eidgenössischen in Topform ist?

Forrer: Man kann es versuchen. Ich war zu Beginn dieser Saison vor allem im Schnellkraft-Bereich bewusst noch nicht bei 100 Prozent. Solche Planungen sind aber schwierig. Denn wenn man am Anfang nicht bereit ist und die Feste schlecht verlaufen ist es schwierig, im Kopf den Schalter umzulegen und plötzlich wieder an der Spitze mitzuschwingen.

Sie gewannen vor zwei Wochen an der Hauptprobe für das Eidgenössische auf der Schwägalp. Wie bewerten Sie diesen Sieg?

Forrer: Der Erfolg auf der Schwägalp hat mir Zuversicht für Burgdorf gegeben. Ich will den Sieg nicht überbewerten. Denn ich hatte in diesem Jahr verhältnismässig einfache Gegner und musste nur gegen drei Eidgenossen schwingen. Bei meinen anderen Siegen auf der Schwägalp, waren es teilweise fünf.

Was ist für Sie in Burgdorf möglich?

Forrer: Für mich ist alles möglich. Denn ich bin gut vorbereitet und – was noch wichtiger ist – gesund. 2010 in Frauenfeld hatte ich mir im Vorfeld das Kreuzband und die Bizeps-Sehne gerissen. Ich bin deshalb dankbar, dass ich nun in einer solch guten Verfassung nach Burgdorf reisen kann. Auch das Selbstvertrauen ist vorhanden. Der Königstitel ist für mich möglich. Dafür brauche ich aber zwei ideale Tage und Wettkampfglück.

Der technische Leiter des Nordostschweizer Schwingverbandes, Mathias Bleiker, sagte aber, Sie brauchen ein kleines Wunder, um in Burgdorf König zu werden. Dies weil Sie bereits 35 Jahre alt sind.

Forrer: (Lacht) Es ist gut, dass es nur ein kleines und kein grosses Wunder braucht. Im Ernst: Wenn das Alter das einzige Handicap ist, kann das Eidgenössische getrost kommen. Ich habe konditionell hart gearbeitet. Zudem habe ich in dieser Saison jeden Gang, der etwas länger gedauert hat, dominiert oder gewonnen. Es ist aber klar, dass man an einem zweitägigen Fest wie dem Eidgenössischen am zweiten Tag nicht mehr gleich leicht aufsteht, wie noch mit zwanzig.

Mit fünf Kranzfestsiegen sind Sie der erfolgreichste Schwinger der Saison. Wieso sind Sie mit 35 Jahren noch so stark?

Forrer: Einerseits hat der reduzierte Trainingsaufwand im vergangenen Jahr geholfen. Andererseits bin ich nicht mehr so verbissen wie in der Vergangenheit. Ich schätze es, dass ich nach meinen Verletzungen 2010 überhaupt noch an der Spitze mitschwingen kann. Zudem darf ich Vater einer gesunden Tochter sein, das ist das Wichtigste. Was jetzt im Sport noch kommt, ist ein Bonus. Schwingen macht mir nach wie vor Spass und es läuft gut. Ich habe es geschafft, lockerer zu werden, gleichzeitig aber den Biss nicht zu verlieren.

Trotzdem sind Sie mit 35 Jahre im Herbst Ihrer Karriere. Wird Burgdorf Ihr letztes Eidgenössisches?

Forrer: Ich gehe nicht davon aus, dass ich in Burgdorf das letzte Mal an einem Eidgenössischen antreten werde. Möglich ist dies natürlich, denn mit 35 Jahren ist der Rücktritt immer im Hinterkopf. Solange ich aber gesund bin und so viel Spass am Schwingen habe wie im Moment, mache ich weiter. Ich brauche das Training, weil ich ein Bewegungsmensch bin.

Nach der Verletzung von Daniel Bösch sind Sie der Ostschweizer Hoffnungsträger. Wie viel Druck verspüren Sie?

Forrer: Druck ist für mich kein Thema. Ich muss niemandem etwas beweisen und habe meinen Leistungsausweis. Ich habe wohl von allen Favoriten am wenigsten Druck. Es hoffen vielleicht einige, dass ich König werde. Erwartet wird es von mir aber nicht.

In welchem Fall kehren Sie am Sonntag zufrieden aus Burgdorf zurück?

Forrer: Priorität hat die Gesundheit. Denn sollte ich mich schwer verletzen, wäre meine Karriere zu Ende. Wenn ich gesund und mit einem Kranz heimkomme, bin ich zufrieden. Ärgern würde mich, wenn ich mir vorwerfen müsste, zu wenig Dampf gemacht zu haben.

Sie müssen morgen im Anschwingen gegen Titelverteidiger Kilian Wenger antreten. Werden Sie den Sieg vehement suchen oder eher darauf achten, nicht zu verlieren?

Forrer: Ich bekam Wenger bereits am Unspunnenfest 2011 im Anschwingen als Gegner und schwang auf Sieg. Damals ging der Plan auf. Für mich gilt also auch in Burgdorf: «Sieg oder Sarg.» Obwohl ich mir bei acht Gängen am Eidgenössischen einen Gestellten erlauben könnte.

Sie wurden vor zwölf Jahren in Nyon Schwingerkönig. Wie hat sich die Sportart seitdem verändert?

Forrer: Generell sind alle Schwinger schwerer und stärker geworden. Ich war vor meinem Königstitel 2001 in der Molkereischule und hatte genug Zeit fürs Training. Ich war fünf- bis sechsmal pro Woche im Kraftraum. In Nyon war ich wohl der Stärkste, weil ich am meisten trainiert habe. Heute wird viel mehr und professioneller Krafttraining gemacht. Grundsätzlich verläuft die Vorbereitung – beispielsweise auch die Ernährung – viel professioneller. Deshalb ist die Technik immer noch wichtig. Denn wenn alle körperlich gleich stark sind, entscheidet die Technik.

Interview: Christof Krapf