Der Kandidat aus dem Nichts dürfte das Rennen machen

Präsidentenwahl Aleksander Ceferin? Noch nie gehört! Bis vor kurzem war der Anwalt aus Slowenien in der Fussballwelt ein völlig Unbekannter. Dies könnte sich heute radikal ändern, nämlich dann, wenn Ceferin wie erwartet in Athen zum neuen Uefa-Präsidenten gewählt wird.

Jürg Ackermann
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Aleksander Ceferin Präsident des slowenischen Fussballverbandes Bild: AP

Aleksander Ceferin Präsident des slowenischen Fussballverbandes Bild: AP

Präsidentenwahl Aleksander Ceferin? Noch nie gehört! Bis vor kurzem war der Anwalt aus Slowenien in der Fussballwelt ein völlig Unbekannter. Dies könnte sich heute radikal ändern, nämlich dann, wenn Ceferin wie erwartet in Athen zum neuen Uefa-Präsidenten gewählt wird. Dass dabei ein Kandidat an die Spitze des mächtigsten Sportverbandes Europas gewählt wird, der sich bisher weder durch konkrete Programme noch durch besondere Erfahrung im Fussball auszeichnete, ist überraschend und erklärungsbedürftig zugleich.

Ceferin scheint vor allem der richtige Mann am richtigen Ort zu sein. Und er kann auf prominente wie zwielichtige Unterstützung zählen. Dazu gehört an vorderster Front auch der umstrittene russische Sportminister Vitali Mutko, der in diesem Sommer gleich zweimal negative Schlagzeilen produzierte. Erst verteidigte er die prügelnden russischen Hooligans an der Fussball-EM in Frankreich, später bezeichnete er die mittlerweile eindeutig bewiesenen Dopingvorwürfe im russischen Sport als «Intrige gegen mein Land». Für Ceferin setzt sich gemäss verschiedenen Quellen auch Gianni Infantino ein. Der frühere Uefa-Generalsekretär und jetzige Fifa-Präsident soll im Hintergrund mitgeholfen haben, das Terrain für Ceferin zu ebnen. Dass mit Tomas Vesel erst vor zwei Monaten ein anderer Slowene und Freund Ceferins an zentraler Stelle bei der Fifa – an der Spitze der Aufsichtsbehörde – installiert wurde, kann dabei kaum ein Zufall sein.

Ceferin, der sich als Uefa-Präsident vor allem «für die kleinen Verbände» einsetzen will, taktierte im Vorfeld der Wahl geschickt. Der 48jährige forsche Anwalt aus Ljubljana, der auch russische Oligarchen zu seinen Kunden zählt, sicherte sich nicht nur viele osteuropäische Stimmen, sondern auch die Unterstützung der skandinavischen Verbände sowie Deutschlands. Letztere hoffen in erster Linie darauf, die EM-Endrunde 2024 austragen zu können.

Michael van Praag bleiben derweil nur Aussenseiterchancen, obwohl der 68jährige Holländer über die deutlich grössere Erfahrung im Fussball verfügt als sein Kontrahent. Beobachter halten ihn für einen integren Kandidaten, hatte er sich doch auch in der Fifa erkennbar für mehr Transparenz und Aufklärung eingesetzt und sich bereits 2014 gegen eine weitere Kandidatur von Sepp Blatter ausgesprochen. Van Praag geniesst einen weitgehend tadellosen Ruf, nur wird ihm das heute bei der Wahl, an der im Machtkomplex Uefa vor allem auch andere Kriterien zählen, kaum etwas nützen.

Michael van Praag Präsident des holländischen Fussballverbandes Bild: EPA

Michael van Praag Präsident des holländischen Fussballverbandes Bild: EPA