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Der käufliche Schiedsrichter

Was macht eigentlich Mark Clattenburg? Der Fussballschiedsrichter gehört zu den Besten seines Fachs. 2017 ist er für ein horrendes Salär von England nach Saudi-Arabien gewechselt. Andere Unparteiische könnten seinem Beispiel folgen.
Pascal Koster
Der englische Topschiedsrichter Mark Clattenburg pfeift lieber in Saudi-Arabien als in England. (Bild: Sebastian Frei/Getty)

Der englische Topschiedsrichter Mark Clattenburg pfeift lieber in Saudi-Arabien als in England. (Bild: Sebastian Frei/Getty)

Mark Clattenburg gehört zu den renommiertesten Spielleitern der Welt. 2016 wurde er von der Internationalen Vereinigung für Fussballgeschichte und Statistiken (IFFHS) als Weltschiedsrichter ausgezeichnet. Im selben Jahr pfiff er die Finals der EM, Champions League und des englischen FA Cups.

Dass er in den vergangenen zwei Jahren von der Bildfläche verschwand, hängt weder mit Leistungseinbussen noch mit einem allfälligen Rücktritt zusammen: Den 43-Jährigen zog es nach Saudi-Arabien.

Nachfolger von Howard Webb

Clattenburg weilt seit Februar 2017 im Königreich am Persischen Golf. Der saudi-arabische Fussballverband Saff ernannte ihn für zwei Jahre zum Leiter der Schiedsrichterkommission. Er übernahm das Amt von seinem englischen Landsmann Howard Webb, der 2010 den WM-Final zwischen Spanien und den Niederlanden arbitrierte.

Im Gegensatz zu Webb, der nur für die Organisation der Unparteiischen zuständig gewesen ist, leitet Clattenburg selbst Spiele in der höchsten saudi-arabischen Liga. In der aktuellen Spielzeit stand er von allen Schiedsrichtern am meisten auf dem Platz.

Daneben betreut er die Ausbildung der einheimischen Unparteiischen, koordiniert den Schiedsrichteraustausch mit anderen nationalen Verbänden und soll den Video Assistant Referee (VAR) einführen. Für sein Engagement fernab von der Heimat gab er die Teilnahme an der WM 2018 in Russland auf.

Fürstliche Entlohnung

13 Jahre lang ist Clattenburg zuvor in der englischen Premier League im Einsatz gestanden. Dort kam er auf einen Bruttolohn von rund 65'000 Pfund pro Jahr. Mit all den Spielprämien dürfte Clattenburg gar weit über 100'000 Pfund verdient haben – eigentlich ein enormer Betrag für die im Fussballgeschäft eher unterbezahlten Schiedsrichter.

Und doch schaffte es Clattenburg, in eine noch höhere Gehaltsklasse aufzusteigen. Für seine zweijährige Tätigkeit in Saudi-Arabien erhält er eine Million Pfund. Böse Zungen behaupteten deshalb, Clattenburg habe sich kaufen lassen. Auch wird ihm vorgeworfen, dass er mit einem solchen Wechsel der Glaubwürdigkeit der gesamten Schiedsrichtergilde schade. Clattenburg will davon nichts wissen: «Ich bin Schiedsrichter. Nicht das Geld ist mein Antrieb. Es geht mir darum, mal etwas Neues zu tun.»

Shearer prophezeit einen Schiedsrichterhandel

Auf der Insel stiessen Clattenburgs Wechselabsichten auf erstaunlich wenig Gegenwind. Wenn Spielertransfers nicht verpönt sind, warum sollten es Schiedsrichtertransfers sein, so der Grundtenor. Der ehemalige englische Nationalspieler und TV-Experte Alan Shearer sagte gar, er begrüsse die Entwicklung, da sie die nationalen Verbände dazu animiere, sich mehr um ihre Spitzenschiedsrichter zu bemühen, sprich sie finanziell besser zu entschädigen. Und er ging noch weiter:

«Für mich ist es nur eine Frage der Zeit, bis sich auch ein Schiedsrichtermarkt etabliert. Warum sollten die besten Ligen nicht auch die besten Schiedsrichter verpflichten?»

Ganz so abwegig ist Shearers Prognose indes nicht. Es gibt keine Bestimmungen, die einem Ligaverband die feste Bindung ausländischer Unparteiischer verbietet.

Im Gegenteil: Gastschiedsrichter sind heute beliebter denn je. Dabei handelt es sich um Unparteiische, die Meisterschaftsspiele eines anderen Verbandes leiten. So soll der Austausch von Know-how gewährleistet werden. Weltmeister dieser Praxis ist – nicht wirklich überraschend – Saudi-Arabien (siehe Infobox).

Schweizer Unparteiische im Wüstenstaat

Saudi-Arabien versucht schon seit Jahren, die nationale Meisterschaft aufzuwerten. Das Regierungsdepartement für Sport hat Unmengen Geld in die Saudi Pro League gepumpt. Neben erstklassigen Spielern will es möglichst auch die besten Unparteiischen. Einheimische sind dabei fehl am Platz – zumindest vorläufig. Seit der saudische Fifa-Schiedsrichter Fahad al-Mirdasi versucht haben soll, Spiele der heimischen Liga zu manipulieren, vertraut der Verband ausschliesslich auf ausländische Spielleiter.

Für die Verpflichtung der Gastschiedsrichter ist Mark Clattenburg verantwortlich. Neben internationalen Grössen wie Björn Kuipers,
Dr. Felix Brych oder Damir Skomina waren auch schon Schweizer Unparteiische zu Gast in der Saudi Pro League. Mit Fedayi San, Adrien Jaccottet, Stephan Klossner und dem in Gams wohnenden Nikolaj Hänni konnte Clattenburg bereits vier Schweizer von einem Gastauftritt in Saudi-Arabien überzeugen.

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