Der Hans Kossmann der Grasshoppers

Der Österreicher Goran Djuricin ist der neue Trainer des Rekordmeisters und soll diesen zurück in die Super League führen.

Markus Brütsch
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Goran Djuricin bei seiner Vorstellung im Campus.

Goran Djuricin bei seiner Vorstellung im Campus.

Keystone

Den Wiener Schmäh hat er gleich mal mitgebracht. Wie viele Kinder er denn habe, möchte ein Journalist von Goran Djuricin wissen. «Offiziell?», fragt der 45-Jährige zurück. Um dann doch zu sagen: «Zwei.»

Djuricin ist der neue Trainer von GC, dem Tabellendritten in der Challenge League. Speziell: Sein Sohn Marco stieg mit den Zürchern in der letzten Saison ab und spielt nun beim KSC. «Klar habe ich mit ihm über den Klub gesprochen», sagt Goran. Offenbar hat Marco GC nicht in die Pfanne gehauen. Sonst hätte der Papa länger als zwei Sekunden gebraucht, um die Anfrage von Sportchef Fredy Bickel positiv zu beantworten.

So sitzt Djuricin am Montagnachmittag im Campus auf dem Podium und sagt: «Ich freue mich irrsinnig, bei diesem grossen Traditionsverein zu sein. Unser Ziel ist der Aufstieg. Dem ordnen wir alles unter.» Sein Vertrag gilt bis zum Saisonende.
Nach nur einem gewonnenen Punkt seit dem Rückrundenstart haben Präsident Andràs Gurovits und Bickel dem bisherigen Trainer Uli Forte das Vertrauen entzogen und mit diesem den Vertrag aufgelöst. Noch im letzten Sommer, nach dem erstmaligen Abstieg seit 70 Jahren, hatten die Verantwortlichen die sofortige Rückkehr in die Super League nicht zum ultimativen Ziel erklärt. Doch nach der resultatmässig zufriedenstellenden Vorrunde, die auf dem Barrageplatz endete, korrigierten sie ihre Ansprüche. Weil sie mit Forte zumindest diese Rangierung in Gefahr sahen, suchten sie einen neuen Trainer. Billig dürfte das den klammen Verein nicht zu stehen kommen, lief Fortes Vertrag doch bis 2021 und soll mit 400 000 Franken dotiert sein.

Bickel sagt, er habe mit vielen Kandidaten gesprochen. Einer von ihnen war Djuricin. Dieser war so begeistert von der Idee und vom Interesse der Hoppers, dass er am letzten Freitag auf eigene Kosten von Wien nach Nyon reiste, um sich das Spiel gegen Stade Lausanne anzuschauen. Die bedenkliche Vorstellung beim 1:4 hielt ihn nicht davon ab, unbedingt GC-Trainer werden zu wollen.

Bickel musste ihn schon mal entlassen

Jetzt, wo er es geworden ist, sagt Bickel: «Für mich ist klar, dass Goran der Richtige ist. Wir haben bei Rapid Wien zusammengearbeitet. Er hat in einer schwierigen Situation schnell den Draht zu den Spielern gefunden und den sportlichen Erfolg gebracht.» Später aber, als aus verschiedenen Gründen die Resultate nicht mehr stimmten, habe er ihn entlassen müssen.

Als Djuricin gefragt wird, wie denn sein Verhältnis zu Bickel sei, packte dieser erneut den Schmäh aus: «Wir sind nicht Best Friends. Er hat mich ja rausgeworfen.» Um gleich zu korrigieren: «Wir respektieren uns und arbeiten professionell zusammen.» Djuricin hat selber Fussball gespielt und war dann Trainer bei verschiedenen Vereinen in Österreich.
Am Ende der Medienkonferenz bestätigte Gurovits dann noch, dass die Gespräche mit potenziellen Investoren, weiter am Laufen seien. Dann hatte auch er noch einen Spruch auf Lager: «Wir werden dem neuen Trainer den Rücken stärken. Er soll der Hans Kossmann von GC werden.» Dieser hatte die ZSC Lions 2018 zum Schweizer Eishocky-Meister gemacht.