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Der Goliath aus der Waadt

Die milliardenschweren Besitzer von Lausanne-Sport träumten vom Europacup. Doch die Realität ist heute Freitag der Challenge-League-Start gegen den SC Kriens. Die Frage ist, ob es sich dabei nur um einen Betriebsunfall handelt.
Nicola Berger
Lausanne-Präsident David Thompson (links): «Wir wollen unser Stadion in der Super League einweihen.» (Bild: Jean-Christophe Bott/Key (18. 6. 2018))

Lausanne-Präsident David Thompson (links): «Wir wollen unser Stadion in der Super League einweihen.» (Bild: Jean-Christophe Bott/Key (18. 6. 2018))

Es gibt im Schweizer Fussball eine Fremdenfeindlichkeit, die würde jedem Rechtsaussenpolitiker Tränen der Freude über die Wangen kullern lassen. Sie richtet sich nicht gegen die Spieler, sondern gegen Vereinsverantwortliche aus dem Ausland. Bei vielen der 20 Profi-Klubs im Land ist der Verdruss über das Unvermögen von Schweizer Funktionären gross, aber die Besitzer und Funktionäre aus dem Ausland haben es in den letzten Jahrzehnten geschafft, noch schlechter zu operieren, was irgendwo auch eine Leistung ist.

Männer aus der Ukraine, dem Iran, der Türkei, aus Frankreich und Kamerun, aus Tschetsche­nien und Kanada ruinierten Schweizer Vereine in atemberaubendem Tempo. Eigentlich ist in den letzten 20 Jahren nur der Servette FC mit ausländischen Investoren glücklich geworden; der TV-Privatsender Canal plus alimentierte den Meistertitel von 1999, ehe fremde Vögte den Klub gleich mehrfach ruinierten.

Abstieg mit einem Abend der Schande

Die Skepsis gegenüber nicht schweizerischen Klubbesitzern ist enorm. Und eigentlich sind die Entscheidungsträger des inzwischen in Rolle ansässigen britischen Petrochemiekonzerns Ineos in Lausanne auch dafür angetreten, daran etwas zu ändern. Ineos übernahm den Klub im November vom rührseligen Präsidenten Alain Joseph, unter dem sich Lausanne auf der fast immer leeren Pontaise mehr schlecht als recht von Saison zu Saison hangelte. Er verkaufte, um dem Verein neue Perspektiven zu eröffnen – rechtzeitig zur Eröffnung des neuen Stadions Tuilière im Sommer 2019. Es wirkte alles so verlockend, schliesslich setzt die Gruppe im Jahr 40 Milliarden US-Dollar um. Und alleine die Jacht des Eigentümers Jim Ratcliffe kostete das Zehnfache des Jahresbudgets des Klubs von geschätzten 12 Millionen Franken.

Ineos trat mit grossen Worten an. In drei bis vier Jahren wolle der Klub europäisch spielen. Es geisterte die Vision herum, dass Lausanne zur wichtigsten Sportstadt der Westschweiz aufsteigen könnte, weil auch der Lausanne HC von einem Milliardär alimentiert wird und bald in einem neuen prunkvollen Stadion spielen wird. Nur: Der LHC verpasste 2017/18 das Playoff. Und Lau­sanne-Sport investierte unter Ineos im Winter erst Millionen in den Stürmer Simone Rapp, trennte sich dann von Trainer Fabio Celestini, änderte kurzzeitig das Klublogo – und versenkte sich schliesslich selber in der Chal­lenge League. In Erinnerung blieb ein Abend der Schande; Lausanne-Anhänger stürmten den Platz und attackierten Fans des FC Thun, es kam zu einem Spielabbruch.

Statt des europäischen Geschäfts lautet die Realität nun Zweitklassigkeit. Die Frage ist, ob das nur ein Betriebs­unfall war oder ob sich die Briten in die lange Liste an im Schwei- zer Fussball gescheiterten Geschäftsmännern einreihen werden. Derzeit sieht es eher nach Ersterem aus. Das Budget wurde nicht nach unten korrigiert, Lausanne hat den Modus Operandi des FC Zürich übernommen, der den Wiederaufstieg 2016/17 mit enormen finanziellen Aufwendungen ungefährdet schaffte. Das Kader erhielt nur wenige Retuschen, den Verantwortlichen gelang es bisher sogar, die umworbene Offensivkraft Benjamin Kololli zu halten. Dazu kamen etwa der norwegische Nationalspieler Per-Egil Flo sowie das frühere FCL-Offensivtalent Joao Oliveira (zuletzt Legia Gdansk). Der Präsident David Thompson sagt: «Wir konstruieren eine Super-League-Mannschaft für die Challenge League. Wir wollen unser Stadion in der Super League einweihen.»

Contini soll den Wiederaufstieg realisieren

Das könnte gelingen, Lausanne steigt vor Servette, Aarau und Vaduz als turmhoher Favorit in die Saison. Vor allem aber hat Ineos bei der Besetzung von Schlüsselpositionen clever agiert. Viele ausländische Klubbesitzer sind an ihrer eigenen Arroganz gescheitert, weil sie ihre Ideen fast ausschliesslich mit eigenem Personal durchsetzen wollten. Ineos hat diesen Fehler nicht gemacht. Der Sportchef Pablo Iglesias stammt aus der Waadt, arbeitete zuvor jahrelang beim Schweizerischen Fussballverband und geniesst in der Branche einen exzellenten Ruf.

Der neue Trainer Giorgio Contini schaffte 2014 schon mit dem FC Vaduz den Aufstieg in die Super League. Der ehemalige Nationalspieler Xavier Margairaz firmiert als Talentmanager. Der langjährige Lausanne-Profi Léonard Thurre führt die Scouting-abteilung. So hat sich der Klub eine gewisse Bodenhaftung und re­gionale Verankerung bewahrt – vermutlich nicht das schlechteste Rezept. Ineos betont zudem, das Projekt sei langfristig angelegt, man lasse sich vom Rückschlag des Abstiegs nicht aus der Ruhe bringen. Bisher haben die Verantwortlichen Wort gehalten. Es fragt sich, ob das so bliebe, gelänge die Promotion 2018/19 nicht. Mit der Geduld war es bei den Investoren aus der Fremde in der Regel oft so eine Sache.

1. Runde, heute, 20.00 (live, TC Sport zoom): Lausanne-Sport – Kriens. – Samstag, 17.30: Wil – Winterthur. – 18.00: Rapperswil-Jona – Schaffhausen. – 20.00: Aarau – Servette. – Sonntag, 16.00: Chiasso – Vaduz.

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