Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Der Gold-Coup der Schweizer: Das Degen-Team holt Team-WM-Gold

Das Degen-Quartett mit dem Schwyzer Teamleader Max Heinzer holt im chinesischen Wuxi erstmals WM-Gold und schreibt damit Geschichte. Die Schweizer gewinnen den Final gegen Südkorea 36:31.
Richard Stoffel (SDA) sport@luzernerzeitung.ch
Geglückte Revanche im Viertelfinal: Max Heinzer (rechts) gegen den Italiener Andrea Santarelli. (Bild: Aleksandar Plavevski/EPA (Wuxi, 26. Juli 2018))

Geglückte Revanche im Viertelfinal: Max Heinzer (rechts) gegen den Italiener Andrea Santarelli. (Bild: Aleksandar Plavevski/EPA (Wuxi, 26. Juli 2018))

Mehr als Silber hatte es an WM-Teamwettbewerben für die Schweiz noch nie gegeben. Und Einzel-Gold gab es bislang erst durch Anja Straub an den ersten Degen-WM der Frauen 1989 in Denver sowie durch Marcel Fischer an den Olympischen Spielen 2004 in Athen. Trotz dem Gewinn von Silber im Vorjahr kam die nochmalige Steigerung unerwartet. Das Schweizer Goldquartett in China bildeten Max Heinzer, Benjamin Steffen, Michele Niggeler, Lucas Malcotti.

Im Final kam zunächst der vorherige Ersatzfechter Malcotti anstelle des Einzel-WM-Siebten Steffen zum Einsatz. Der Walliser Malcotti wies den Schweizern mit einem 5:4 gegen Jung Jinsun zum Auftakt prompt den Weg zum Sieg. Der Tessiner Niggeler bot anschliessend eine herausragende Leistung. Er baute gegen Olympiasieger Park Sangyeong die Führung auf 10:7 aus und vergrösserte in seinem zweiten Gefecht mit einem 9:5 über Jung Jinsun die Führung gar auf 19:13.

Erfolgreiche Revanchen

Minusbilanzen von Steffen und Heinzer liessen den Vorsprung vor dem abschliessenden Duell zwischen Steffen und Park bis auf einen Treffer schmelzen (25:24). Doch Linkshänder Steffen vollendete dann den Coup mit einem 11:7. «Unsere Taktik ging voll auf. Die Südkoreaner konnten nicht umschalten und nicht mehr reagieren. Wir haben agiert und den Südkoreanern unseren Rhythmus und Stil aufgezwungen», bilanzierte Gabriel Nigon, der Chef der Schweizer Männer-Equipe. Dabei waren die Schweizer den Asiaten 2015 an den WM in Moskau in den Halbfinals mit 37:45 unterlegen. Auch im letzten Aufeinandertreffen bei Welttitelkämpfen bei Olympia in Rio verloren sie das (unbedeutende) Gefecht um den 5. Rang (36:45).

Feiern den Sieg: Die Schweizer Max Heinzer, Lucas Malcotti, Michele Niggeler und Benjamin Steffen (Bild: EPA/ALEKSANDAR PLAVEVSKI)

Feiern den Sieg: Die Schweizer Max Heinzer, Lucas Malcotti, Michele Niggeler und Benjamin Steffen (Bild: EPA/ALEKSANDAR PLAVEVSKI)

Die Schweiz hatte nicht zum engsten Favoritenkreis gezählt. Heinzers Einschätzung vor WM-Beginn war zurückhaltend gewesen – trotz dem achtbaren 4. Rang an den EM vor einem Monat. Eine Top-8-Klassierung sei in etwa das Potenzial. Doch Heinzer sagte auch: «Natürlich werden wir Vollgas geben und glauben an einen Exploit.» Diesen Worten folgten Taten auf der Planche. Nicht nur im Final wuchs das Schweizer Team über sich hinaus – schon im Halbfinal zuvor gegen das bislang für die Schweiz kaum zu bezwingende Frankreich hatte das Quartett geglänzt. Gegen den entthronten Titelverteidiger und Olympiasieger ragte Heinzer selbst heraus. Er übernahm mit einem Rückstand von 30:31 und führte im vorletzten Gefecht mit einem 10:2 über Alex Fava die Schweiz zu einer vorentscheidenden 40:33-Führung.

Die Schweiz und Frankreich standen sich im letztjährigen WM-Final gegenüber. Damals verpassten die Schweizer den erstmaligen Titelgewinn im Teamwettbewerb hauchdünn. Als Teamleader Heinzer mit einer Hirnerschütterung die Planche bei einer 32:29-Führung verlassen musste, zog die Schweiz gegen den Olympiasieger noch den Kürzeren (43:45). In den Viertelfinals hatte die Schweiz den aktuellen Olympia-Zweiten Italien mit 36:35 bezwungen. Es war eine weitere erfolgreiche Revanche: Vor einem Monat verloren die Schweizer an den EM in Novi Sad gegen den gleichen Gegner im Kampf um die Bronzemedaille 29:45.

WM in Wuxi (CHN)

Männer. Degen. Teams: 1. Schweiz (Heinzer, Niggeler, Steffen, Malcotti). 2. Südkorea. 3. Russland. 4. Frankreich. 5. Ungarn. 6. Italien. – Final: Schweiz s. Südkorea 36:31. – Um Platz 3: Russland s. Frankreich 45:35. – Halbfinals: Schweiz s. Frankreich (Titelverteidiger und Olympiasieger) 45:38. Südkorea s. Russland 45:35. – Viertelfinals (u.a.): Schweiz s. Italien 36:35. Frauen. Florett, Final: USA s. Italien 45:35. – Um Platz 3: Frankreich s. Südkorea 35:26.

Interview nach dem Sieg: Max Heinzer, wie war dieser historische Erfolg möglich?

Es war ein spezieller Tag. Wir hatten auch unsere Ups und Downs. Wir haben aber auch bei umstrittenen Schiedsrichter-Entscheiden die Konzentration gehalten und sind nicht von unserem Weg abgekommen.

Daniel Giger, früher selber zweifacher Olympia-Medaillengewinner mit dem Team, sagte, dass man im Final anhand der Leistung von Michele Niggeler gesehen hätte, dass jeder im Schweizer Team Verantwortung tragen könne.

Im Final gegen Südkorea leisteten Michele Niggeler und Luca Malcotti Aussergewöhnliches. Malcotti brachte uns im ersten Gefecht in Führung, Niggeler erzielte viele wichtige Treffer. Alle leisteten Besonderes und unterstützten sich stets gegenseitig.

Nach dem vierten EM-Rang vor einem Monat hatten Sie eine Steigerung an der WM kaum für möglich gehalten. Nach der EM wurde mit Silvio Fernandez, dem früheren Weltklassefechter, ein Video-Analytiker hinzugezogen. Wie gross ist dessen Anteil am Erfolg?

Fernandez lieferte uns tolle Inputs. Er machte uns taktisch schlauer. Wir hatten schon vorher unsere eigenen Videos gemacht, um uns auf Gegner einzustellen. Doch jetzt erhielten wir alles auf dem Servierteller präsentiert. Es war viel detaillierter, für jeden von uns war es individuell auf die Gegner zugeschnitten mit Einbezug der persönlichen Stärken. Vor den Gefechten studierten wir jeweils nochmals die Bilder. Jeder wusste so genau, was wann zu tun ist. So konnten wir uns auch mehr auf uns selber und noch mehr auf die Erholung konzentrieren.

Welche Elemente waren weiter zielführend auf dem Weg zum Goldgewinn?

Der unerschütterliche Glaube an uns. In einem WM-Final werden die Karten immer neu gemischt. Und im Halbfinal gegen Frankreich wählten wir diesmal eine andere Taktik. Ich war nicht Schlussfechter, sondern riskierte einfach im vorletzten Gefecht alles. Anschliessend brachte Beni Steffen mit einem 5:5 gegen Borel alles heim. Das brachte uns ein riesiges Selbstvertrauen für den Final.

Ist dies der grösste Erfolg Ihrer Laufbahn?

Sicher einer davon. Der Titelgewinn konnte zwar nicht erwartet werden. Doch ich gewann mit dem Team schon drei EM-Titel, weitere EM- und WM-Medaillen und feierte sechs Weltcupsiege in den letzten Jahren. So gesehen ist dieser Titelgewinn keine Sensation. (sda)

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.