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Der gefallene Star

Wimbledon hat noch nicht begonnen, aber Wimbledon ist auch bereits wieder vorbei – für Sabine Lisicki. Der Finalistin von 2013 wurde eine grosse Karriere vorausgesagt. Nun scheidet sie schon in der Qualifikation aus.
Jörg Allmeroth
Sabine Lisicki: «Hinter mir liegen viele Schmerzen.» Bild: Andy Rain/EPA

Sabine Lisicki: «Hinter mir liegen viele Schmerzen.» Bild: Andy Rain/EPA

Als Sabine Lisicki vor zwei Wochen auf den Trainingsplätzen des Stuttgarter Weissenhofs das alte Gespür für die Tennisgrüns wiederfinden wollte, war auf den ersten Blick vieles wie früher. Rund um die Courts hatte sich eine Menschenmenge versammelt, und Lisicki legte sich mit ihrem typischen Lächeln ordentlich ins Zeug. Der Auflauf der Besucher allerdings galt nicht der 28-jährigen Berlinerin, sondern dem neben Lisicki trainierenden Maestro Roger Federer. Es ist noch keine Ewigkeit her, da gehörten Lisicki die grösseren Schlagzeilen als dem Überspieler Federer. 2013 war das, in Wimbledon: Federer schied in der zweiten Runde aus, Lisicki aber marschierte nach einer Grand-Slam-Sternstunde gegen Serena Williams bis in den Final vor.

«Bum Bum-Bine» wurde die strahlende Deutsche am Londoner Boulevard getauft, sie war das einnehmendste Gesicht des ganzen Turniers, ein Publikumsliebling auch nach der Endspielniederlage gegen Marion Bartoli. «Sie wird sicher eines Tages Wimbledon gewinnen», sagte damals die Grande Dame der Branche, die US-Amerikanerin Martina Navratilova.

Verletzungen bremsen die Hoffnungsträgerin

Und nun, fünf Jahre später? Federer, der inzwischen achtmalige Champion, ist noch gar nicht in London eingetroffen. Wimbledon hat noch nicht begonnen, jedenfalls nicht das Wimbledon der Stars. Und doch: Wimbledon 2018 ist auch schon wieder vorbei, jedenfalls für Lisicki, die einstige deutsche Hoffnungsträgerin. Auf den schmucklosen Plätzen des Qualifikationsturniers endete in der ersten Runde ihr Grand-Slam-Anlauf – 4:6 und 6:7 verlor sie gegen die Russin Anna Kalinskaya, die Nummer 146 der Welt. Ganz überraschend war das nicht, Lisicki tastet sich nach einer Knieverletzung und dreimonatiger Tourabsenz erst wieder heran. «Ich bin stolz, überhaupt schon hier gewesen zu sein», sagte sie, «hinter mir liegen viele Schmerzen, viel harte Arbeit.» Kalinskaya, die Juniorensiegerin der Australian Open, hat mit ihren 19 Jahren ihre ganze Karriere vor sich. Und Lisicki, die Nummer 185 der Welt? Seit sie damals als klare Wettfavoritin gegen Bartoli das grösste Match ihres Lebens auf der grössten Tennisbühne der Welt verlor, ist nicht mehr vieles richtig gelaufen. Es folgten Verletzungen, immer neue körperliche Rückschläge, oft vergebliche Comeback-Anläufe. Schaut man auf ihre Matchstatistiken der letzten Jahre, schaut man auch in eine Krankenakte: Verletzungen an der Schulter, am rechten Handgelenk, später an den Knien. Während Lisicki mehr mit dem eigenen Körper kämpfte als mit den Gegnerinnen, veränderte sich die Tenniswelt: Angelique Kerber wurde zur deutschen Frontfrau, zur Grand-Slam-Gewinnerin, zur Nummer 1 der Welt.

Vater Lisicki: «Wir kommen wieder»

Aber es gab nicht nur das Schicksal, das mit Bosheit über Lisicki hereingebrochen wäre. Lisicki fehlte oft der klare Blick für die richtigen Hilfskräfte. Den Trainer, der sie ins Wimbledon-Endspiel geführt hatte, musste schon im Herbst 2013 gehen – der Belgier Wim Fissette, heute Coach von Kerber. Auch von ihrem langjährigen Managementpartner IMG trennte sich Lisicki, fortan besorgte die Geschäftsvertretung eine Kölner Agentur, die auch für Lisickis Lebensabschnittspartner Oliver Pocher tätig war. Jene Liaison wurde in Tenniskreisen mit Argwohn betrachtet, weil vielen klar war, dass der Comedian sich vor allem gern im Ruhm seiner Freundin sonnte. Als die Beziehung in die Brüche ging, trat Pocher noch übel gegen Lisicki nach, mit Spötteleien über ihre Fitness und Professionalität.

Auf Court 11 konnte man am Dienstag «Bravo»-Rufe hören. Von jenem Mann, der Lisicki immer unterstützte – Richard Lisicki, der Vater und langjährige Trainer. Der Doktor der Sportwissenschaften glaubt daran, dass noch längst nicht alles vorbei ist: «Wir kommen wieder», sagt er. In Wimbledon aber erst 2019.

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