Der Filz entscheidet

Warum schauen sich Tennisspieler vor ihren Aufschlägen drei oder vier Bälle an, bevor sie sich für ihren Serviceball entscheiden?

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Warum schauen sich Tennisspieler vor ihren Aufschlägen drei oder vier Bälle an, bevor sie sich für ihren Serviceball entscheiden?

Er gehört offenbar zum Ritual vor dem Aufschlag im Tennis: Der lange Blick auf drei oder vier Tennisbälle. Die unbrauchbaren werden lässig zurück zu den Ballbuben geschlagen, ein Ball wird für einen allfälligen zweiten Aufschlag in die Hosentasche gesteckt, mit dem übrigbleibenden wird serviert. Weshalb? Auch wenn die Bälle nach neun Games jeweils ausgewechselt werden, sind gemäss Tennisexperten auf den Bällen Verschleissspuren zu sehen – schon nach wenigen Ballwechseln. Vor allem im Profitennis, wo harte Top-Spin-Schläge auf die Bälle wirken, wird der gelbe Filz schnell abgetragen. Damit bekommt der Ball neue Eigenschaften, was besonders bei Schlägen mit viel Schnitt zu spüren ist. So würden, je nach geplantem Aufschlag, einmal die Bälle mit viel Filz, einmal diejenigen mit wenig Filz ausgewählt. Das ist zumindest eine Erklärung für das lange Auswahlverfahren vor dem Aufschlag, für das besonders Stan Wawrinka bekannt ist. Andere Experten aber geben eine andere Erklärung ab. Es gehe vor allem ums Mentale: Das Ballauswählen sei eine eigentliche Konzentrationsübung, bei der sich die Profis sammeln – wie das lange Prellen. Oder, wie bei Rafael Nadal zur Genüge zu beobachten, das Leibchen- und Hosen-Zurechtzupfen. Dann doch lieber eine etwas ausgedehntere Ballinspektion. (rst)

Weshalb tun die das? Die Welt des Sports steckt voller kleiner Rätsel. Einigen zentralen und weniger zentralen Fragen aus der Welt der Profis geht die Sportredaktion in dieser Rubrik nach.