Der Fehlstart ist perfekt

Einen Monat nach der Niederlage gegen England verliert die Schweiz auch in Slowenien, diesmal 0:1. Die Mannschaft von Trainer Vladimir Petkovic ist das bessere Team, doch wird ihr ein Penalty in der Schlussphase zum Verhängnis.

Andreas Ineichen
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FUSSBALL. Zwingend war die Niederlage in Maribor nicht. Aber sie war auch nicht verwunderlich, weil sie ins aktuelle Bild der Schweizer Nationalmannschaft passt. Einer Auswahl, die sich ein höheres Standing zuschreibt, als sie auf dem Platz zu zeigen fähig ist. Sicher hatte die Schweiz mehr Spielanteile gegen einen über weite Strecken erschreckend harmlosen und nur aufs Verteidigen bedachten Gegner. Sicher hatte sie ein Chancenplus, führte spielerisch die feinere Klinge. Doch das bedeutet gegen einen solch harmlosen Gegner, der keinen Anspruch auf fussballerische Qualitätsmerkmale zu erheben schien, noch keinen Nachweis überdurchschnittlicher Fähigkeiten.

Die Schweiz brachte es fertig, aus der Dominanz keinen Profit zu ziehen. In den beiden Pflichtspielen unter Vladimir Petkovic hat die Equipe kein einziges Tor erzielt. Zählt man die 120 Spielminuten beim WM-Achtelfinal gegen Argentinien (0:1) dazu, sind es mittlerweile schon gut fünf Stunden Schweizer Fussball ohne Torjubel.

Djourou provoziert Penalty

Und damit nicht genug: Schliesslich leistete sich Petkovics Team gar, nicht einmal einen Punkt aus Slowenien mitzunehmen. Das Unheil kam in der 78. Minute und dem Einsteigen von Johan Djourou gegen Kevin Kampl. Milivoje Novakovic verwertete den Penalty souverän zum Siegtor.

Trotz dieses empfindlichen Kaltstarts in die EM-Qualifikation sind die Chancen der Schweizer auf eine Teilnahme an der Endrunde 2016 nach wie vor intakt. Doch nun hat Petkovic keinen Grund mehr dazu, Veränderungen behutsam vorzunehmen. Jetzt muss er zeigen, dass er dieses Team erfolgreich führen kann. Wenn er gegen San Marino am Dienstag nicht den ersten Sieg mit der Schweiz einfahren kann, ist er als Nationaltrainer praktisch gescheitert. Die taktischen Veränderungen, die Petkovic im Vergleich zum verlorenen Startspiel gegen England vornahm, machten durchaus Sinn. Er wollte mehr Tempo. Also brachte der Nationaltrainer Josip Drmic auf dem linken Flügel. Er wollte weniger Fehler in der eigenen Zone. Also ersetzte Petkovic den zuletzt schwächelnden Steve von Bergen durch Philippe Senderos, der mit seiner Kopfballstärke eine gute Waffe gegen Novakovic war. Vor allem aber versetzte Petkovic seinen Kreativspieler Xherdan Shaqiri vom rechten Flügel zentral hinter das Sturmduo Seferovic/Drmic. Damit wollte er dem Offensivspiel zum einen mehr Inspiration und Torgefahr verleihen, zum andern ist es der letzte Schritt zu einer sich anbahnenden Systemänderung – zu einem 3-5-2.

Shaqiri ohne Spielwitz

Aber zu viele Unpässlichkeiten standen einer Rückkehr zum Erfolg im Weg. Eine der grössten war die Tatsache, dass Shaqiri nichts mehr von seiner Leichtigkeit, von seinem Spielwitz hat, die ihn auszeichnen, wenn er in Form ist. Stattdessen verheddert er sich in der gegnerischen Abwehr, stattdessen fehlt es ihm an Präzision. Sein zunehmendes Reservistendasein in München haben in ihm Zweifel geschürt.

Und da war ein defensives Mittelfeld der Schweizer, das nichts zu einem schnellen Spiel beitragen konnte. Granit Xhaka spielte nur quer, Gökhan Inler schlug keinen öffnenden Pass und Valon Behramis Stärken liegen erst recht im Laufvermögen und Kampf. Dazu kam, dass die Aussenverteidiger, die zur Businessklasse im internationalen Geschäft gehören, zu wenig ins Offensivspiel eingebunden sind. Jetzt muss Petkovic Akzente setzen. Viel hat er nicht mehr zu verlieren. Die Schweiz schon.