Der FC Wil setzt sich zur Wehr

Nach einer Polizeikontrolle vom Freitag steht fest: Weder Wils neuer Trainer noch sein Assistent verfügen über eine Arbeits- und Aufenthaltsbewilligung. Die Club-Verantwortlichen sagen, beide hätten bis anhin ihr Amt nicht ausgeübt.

Patricia Loher/Ralf Streule
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Nach einem Monat im Amt hat Wils neuer Trainer Ugur Tütüneker die Schweiz wieder verlassen. Die Verantwortlichen gehen davon aus, dass der Türke nächstens zurückkehren wird. (Bild: Urs Bucher)

Nach einem Monat im Amt hat Wils neuer Trainer Ugur Tütüneker die Schweiz wieder verlassen. Die Verantwortlichen gehen davon aus, dass der Türke nächstens zurückkehren wird. (Bild: Urs Bucher)

FUSSBALL. Der FC Wil macht schwierige Zeiten durch. Einmal mehr sind die Ostschweizer in den Schlagzeilen. Allerdings nicht durch positive Meldungen aus dem Sport, wie sich die türkischen Investoren das wünschen, sondern durch eine Polizeirazzia, die laut dem Onlineportal des «Blicks» am vergangenen Freitag im Training durchgeführt wurde. Wie schon vor einem Jahr geht es um fehlende Aufenthalts- und Arbeitsbewilligungen.

Traf es im vergangenen Sommer drei türkische Assistenztrainer, die nicht im Besitz der erforderlichen Papiere waren, fehlen diese Unterlagen nun auch dem neuen Trainer Ugur Tütüneker und seinem Assistenten Necati Uzun. Polizeisprecher Hanspeter Krüsi sagte gegenüber dem «Blick»: «Am Freitag sind zwei Polizeibeamte im Auftrag des Migrationsamtes in Wil vorstellig geworden und haben die Arbeits- und Aufenthaltsbewilligungen verschiedener Funktionäre des FC Wil geprüft. Zwei Funktionäre sind zur Befragung auf den Polizeiposten mitgenommen worden. Die Staatsanwaltschaft prüft strafrechtliche, das Migrationsamt ausländerrechtliche Massnahmen.»

Tütüneker in der Türkei

Unterdessen sind Tütüneker und Uzun in der Türkei und warten auf die Papiere. Die Verantwortlichen des FC Wil gehen davon aus, dass die beiden in den nächsten Tagen in die Schweiz zurückkehren – mit den Arbeits- und Aufenthaltsbewilligungen in der Tasche. Patrick Bitzer, der Mediensprecher des FC Wil, relativiert die Vorkommnisse: «Weder Tütüneker noch Uzun haben bis anhin je beim FC Wil gearbeitet. Die Trainingseinheiten wurden durch Sportchef Roland Koch geleitet, Tütüneker und Uzun waren Beobachter.» Die türkische Führung sei sich durchaus bewusst gewesen, dass die Papiere noch beschafft werden müssten. «Vor einem Jahr war vieles neu für die Investoren und die Situation etwas verwirrend. Nun aber wussten die Verantwortlichen, was es noch braucht, bis die neuen Trainer arbeiten dürfen», so Bitzer, der anfügt: «Tütüneker und Uzun sind nicht verhaftet worden. Sie wurden kontrolliert. Tütüneker hatte seinen Ausweis dabei, Uzun nicht. Also musste er den Pass im Hotel holen.» Weshalb mussten die beiden die Schweiz dennoch verlassen? «Wir hoffen, dass sich durch den Kontakt mit dem Konsulat vor Ort in der Türkei die Abläufe beschleunigen lassen», so Bitzer. Der neue Co-Trainer Ercüment Sahin, zuvor in Aarau engagiert, verfügt über die Bewilligungen. Bis auf weiteres wird Wils Mannschaft durch Sportchef Koch trainiert.

Nicht wie ein Beobachter

Von Trainern aus Nicht-EU-Staaten verlangt das Staatssekretariat für Migration ein Trainerdiplom und mehrjährige Erfahrung als Coach in einer der obersten Ligen. Laut dem FC Wil erfüllt Tütüneker diese Bedingungen. Den Club-Verantwortlichen ist es wichtig, zu betonen, dass sie sich an die Gesetze halten. Zu verstecken habe man nichts. Allerdings ist es auch eine Tatsache, dass der FC Wil den Start der Vorbereitung ursprünglich unter Ausschluss der Öffentlichkeit abhalten wollte, sich dann aber kurzfristig dafür entschied, Journalisten und Fotografen zuzulassen. Der neue Trainer wirkte damals nicht wie ein stiller Beobachter. Er stand mit seinen zwei Assistenten auf dem Trainingsfeld, gestikulierte viel, sprach mit den Spielern, griff in die Einheiten ein. Koch hingegen stand während des ganzen Trainings am Spielfeldrand, ohne sich einzubringen.

Der 52jährige Tütüneker übernahm Wil von Kevin Cooper, der nach der vergangenen Saison freigestellt wurde. Der neue Übungsleiter ist beim ambitionierten Challenge-League-Club bereits der achte in den vergangenen 20 Monaten, so man die Interimstrainer mit einrechnet. Die neue Saison beginnt für Wil am 23. Juli mit einem Auswärtsspiel in Schaffhausen. Wils Verantwortliche hoffen, dass Tütüneker und Uzun spätestens dann zurück sein werden.