Der FC Wil ist noch nicht über den Berg

Auch das letzte Geschäftsjahr war für den FC Wil ein Kampf ums Überleben. Ein siebenstelliger Betrag musste als «Sanierungszuschuss» und Forderungsverzicht eingeschossen werden, um den Spielbetrieb zu sichern.

Gianluca Lombardi
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FC Wil 1900 AG Präsident Maurice Weber führte durch die Generalversammlung (Bild: Gianluca Lombardi)

FC Wil 1900 AG Präsident Maurice Weber führte durch die Generalversammlung (Bild: Gianluca Lombardi)

Insgesamt darf der FC Wil auf ein gelungene Saison 2018/2019 zurückblicken. Sportlich lief es in der Summe besser, als dies die meisten Aussenstehenden erwartet haben und in der Jahresrechnung resultierte ein Gewinn von CHF 330.-. Dieser kam jedoch nur unter gütiger Mithilfe zu Stande und hat dem FC Wil sein Überleben gesichert.

Mit dem Transfer von Nikki Havenaar zum FC Thun, ist es den Äbtestädtern ein weiteres Mal gelungen, einen Spieler in die Super League zu verkaufen. Weil in dieser Spielzeit auch Fabian Schär von Deportivo La Coruna nach Newcastle wechselte, erhielten die Wiler hier eine weitere Transferbeteiligung. Doch in der Summe konnte nur fast die Hälfte an Transfereinnahmen des Vorjahres generiert werden.

Massiv zulegen konnte der FC Wil bei seinen Sponsoringeinnahmen. Diese stiegen um beinahe 50% zum Vorjahr an. Auch bei den Zuschauereinnahmen konnten die Ostschweizer um fast 20% zulegen, wobei aber hier nach wie vor viel Luft nach oben vorhanden ist.

Die Aktionäre stimmten allen Anträgen zu (Bild: Gianluca Lombardi)

Die Aktionäre stimmten allen Anträgen zu (Bild: Gianluca Lombardi)

Anonyme Spender

Nach wie vor zu nagen haben die Ostschweizer an der Türken-Ära. Immer noch werden monatlich Altlasten und Spielerverträge abbezahlt. Dieser Kostenpunkt belastet das Budget nicht unwesentlich und wird die FC Wil 1900 AG wohl noch bis Juni 2020 beschäftigen. Seit Februar 2017 musste der FC Wil zusätzliche 3,1 Millionen aufbringen, um diese Altlasten zu tilgen.

Damit die vergangene Spielzeit und das Überleben des Clubs gesichert werden konnte, waren finanzielle Zuschüsse von fast 1,1 Millionen Franken nötig. Wer die Spender dieses hohen Betrages sind, wollte der FC Wil, auf Wunsch der Geldgeber, nicht sagen.

Man darf aber davon ausgehen, dass es sich um regionale Persönlichkeiten handelt, die dem Verein seit Jahren nahestehen. Doch trotz dieser finanziellen Zuwendungen müssen die Wiler weiterhin sparen. Nach wie vor kämpft man im Bergholz um das Überleben und ist auf Goodwill der Gläubiger angewiesen. Es ist dem FC Wil nach wie vor nicht möglich, seine Lieferanten pünktlich zu bezahlen, was den Verwaltungsrat und Finanzchef Mischa Sammer durchaus belastet.

Radikaler Umbruch

Das Sichern der Zukunft des FC Wil war in der vergangenen Spielzeit aber wohl ein enormer Kraftakt. Die Ostschweizer hatten ein völlig aufgeblähter Kader und musste für rund 26 Spieler eine Lösung finden. Dabei verliessen auch routinierte Führungskräfte wie Basil Stillhart (FC Thun) oder Granit Lekaj (FC Winterthur) die Wiler. Trotzdem schlossen die Äbtestädter die Saison 2018/2019 auf dem 5. Rang ab. Gemessen an den finanziellen Möglichkeiten und Umständen war dies ein vorzügliches Ergebnis. Auch auf diese Saison hin wurde ein weiterer Umbruch und eine weitere Kaderverjüngung vollzogen. Mit Erfolg, denn die Wiler stehen auf einem hervorragenden dritten Tabellenplatz.

Auch in der Führungsebene konnte der FC Wil einen Zuzug verzeichnen. Oliver Baumgartner aus Wil wurde einstimmig in den Verwaltungsrat gewählt.