Der FC Wil hadert mit sich selbst

Beim Tabellenschlusslicht zeigt der FC Wil über fast eine Stunde eine mehr als nur durchwachsene Leistung. Das am Ende doch noch ein Punkt mit nach Hause genommen wurde, lag wohl auch an den Gastgebern.

Gianluca Lombardi
Drucken
Teilen
Alex Frei war über weite Strecken nicht zufrieden mit dem Gezeigten.

Alex Frei war über weite Strecken nicht zufrieden mit dem Gezeigten.

Bild: Gianluca Lombardi

Für einmal vermochten die Wiler nicht durch Ihren Spielwitz überzeugen. Für einmal durfte man aber auch sagen, dass dieser Punktverlust durchaus seine Richtigkeit hatte. Es war ein Spiel, in dem den Gästen über weite Strecken nichts gelingen wollte. Das lag aber nur bedingt an Gastgeber Chiasso. Vielmehr mussten sich die Wiler vieles vorwerfen.

Zu viele Bälle landeten sofort wieder beim Gegner, Zweikämpfe wurden nur selten gewonnen und die Laufbereitschaft schien nur bedingt vorhanden zu sein. Das war ausreichen, um von einem äusserst bescheidenen FC Chiasso unter Druck gesetzt zu werden. Vor allem in Halbzeit eins waren die Tessiner die aktivere und bessere Mannschaft.

Zu spät aufgewacht

Trainer Alex Frei dürfte in der Halbzeitpause deutlich geworden sein. Vorerst aber mit wenig Erfolg. Hätte Philipp Köhn nicht glänzend reagiert, wären die Tessiner bereits früher in Führung gegangen. So musste aber ein Strafstoss herhalten, um die Rossoblù in Front zu bringen und die Wiler aufzuwecken. Nun folgte aber die energische Antwort. Noah Jones glich für die Gäste wieder aus.

Ein Sieg wäre in Chiasso Pflicht gewesen. Die Art und Weise wie es nur zu einem Punkt gereicht hat, sorgte nach dem Spiel aber für reichlich Gesprächsstoff. Die Spieler aber auch der Trainer waren nicht zufrieden mit dem Gezeigten und auf der Suche nach Erklärungen. Captain Philipp Muntwiler wurde nach dem Spiel laut und deutlich gegenüber seinen Teamkollegen.

Auf den Punkt gebracht

Auch im Interview fand er danach deutliche Worte: «Wir haben alles falsch gemacht was man falsch machen kann.» Er fasste damit die ersten 60 Minuten dieser Partie wohl äusserst treffend zusammen. Mit diesem pomadigen Auftritt haben die Wiler nicht nur sich selbst geschwächt, sondern einen Gegner ins Spiel gebracht, der fussballerisch und konditionell einen eher bescheidenen Eindruck hinterliess.

Bereits am Dienstag geht es für die Äbtestädter mit einem Heimspiel gegen den FC Schaffhausen weiter. Möchten die Wiler dann gewinnen, müssen Sie schleunigst zurück zur alten Spielanlage finden. Doch das allein wird nicht ausreichen, denn auch die Kaltschnäuzigkeit vor dem Tor muss eine bessere werden. Gelingt das nicht, droht auch gegen das Team von Murat Yakin ein trister Herbstabend.

Telegramm:

FC Chiasso – FC Wil 1900 1:1 (0:0)
Riva IV, Chiasso: keine Zuschauer zugelassen – Schiedsrichter: Gianforte.
Tore: 50 Bahloul (Foulelfmeter) 1:0, 75. Jones 1:1.
Chiasso: Safarikas; Morganella, Magnin, Affolter (27. Hajrizi), Conus; Silva, Maccoppi, Stevic (60. Stevic); Andrist (79. Dixon), Sifneos, Bahloul (79. Tonelli).
Wil: Köhn; Talabidi, Izmirlioglu, Sauter, Kronig; Muntwiler, Kamber (60 Krasniqi); Brahimi (80. Camara), Fazliu, Haile-Selassie (46. Jones); Ballet.
Bemerkungen: Chiasso ohne Zunic, Clément, Amendola (alle verletzt), Almeida, Strechie, Pasquarelli, Berzati, Stabile, Gamarra, Sörensen und Zahaj (alle nicht im Aufgebot). Wil ohne Schäppi, Mayer, Ndau, Ismaili, Zumberi, Klein (alle verletzt), Paunescu, Blasucci und de Mol (alle nicht im Aufgebot).
Verwarnungen: 38. Stevic, 39. Fazliu, 50. Talabidi, 61. Muntwiler, 71. Sauter, 72. Ballet, 79. Sifneo, 89. Tonelli.
Platzverweise: 92. Ballet (Gelb-Rot).