Der FC Wil, die Bayern der Schweizer Liga

Im Frühjahr wurde der FC Basel Meister. Zum sechstenmal in Serie. Natürlich ist das Rekord. Clubpräsident Bernhard Heusler sagte trotz der Dominanz: «Wir sind nicht das Bayern München der Schweiz.» Recht hat er.

Christof Krapf
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Im Frühjahr wurde der FC Basel Meister. Zum sechstenmal in Serie. Natürlich ist das Rekord. Clubpräsident Bernhard Heusler sagte trotz der Dominanz: «Wir sind nicht das Bayern München der Schweiz.» Recht hat er. Jener Verein, der hierzulande am meisten mit dem Münchner Nobelclub gemeinsam hat, spielt nicht im St.-Jakob-Park, sondern im Wiler Bergholz. Zwar bisher nur in der Challenge League, aber das wird sich ändern.

In der Äbtestadt hat man sich ein Beispiel an den Bayern genommen und richtet mit der grossen Kelle an. Wil hat die Transferpraxis der Deutschen übernommen. Schiesst ein gegnerischer Stürmer zu viele Tore, kauft man ihn kurzerhand. Damit verstärkt man sich nicht nur in der Offensive. Man schwächt erst noch den Gegner. Die Bayern haben dies 2014 mit dem Transfer von Dortmunds Robert Lewandowski gemacht, Wil übernimmt Jocelyn Roux vom Ligakonkurrenten Lausanne-Sport. Roux erzielte bisher die meisten Tore in der Challenge League; die Westschweizer sind obendrein die Hauptkonkurrenten der Wiler um den Aufstieg.

Eins hat Wil dem FC Bayern München sogar voraus, der Trainingsfleiss. Eine mickrige Woche verbringt der Bundesligaclub im Januar in Qatar. Anders die Ostschweizer: 25 Tage werden die Spieler in einem Luxushotel in der Südtürkei einquartiert. Clubpräsident Mehmet Günal bezahlt dafür. Der starke Mann in Wil hat grosse Pläne. Die Champions League soll es werden – nichts geringeres. Sollte es damit trotz exzessiv langer Trainingslager nicht klappen, öffnet Günal halt sein Portemonnaie erneut. Der abtretende Bayern-Coach Josep Guardiola soll ja einen neuen Arbeitgeber suchen.

christof.krapf@tagblatt.ch

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