Super League
Herber Dämpfer für den FCSG im Derby: Harmlose Ostschweizer verlieren bei den letztklassierten Vaduzern mit 1:2

Der FC St.Gallen zieht gegen Vaduz einen schwarzen Abend ein. Die Ostschweizer verpassen es, den Erfolg gegen Luzern zu bestätigen und verlieren bei den letztklassierten Liechtensteinern mit 1:2. Vaduz verdient sich den Erfolg mit Cleverness. Zudem stellt es das deutlich torgefährlichere Team. St.Gallen erwacht erst nach dem Anschlusstor zehn Minuten vor Schluss.

Patricia Loher
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Der Vaduzer Milan Gajic (links) gegen St.Gallens Basil Stillhart.

Der Vaduzer Milan Gajic (links) gegen St.Gallens Basil Stillhart.

Bild: Gian Ehrenzeller/Keystone

Die Spielwertung

Es ist kein gutes Spiel. Der FC St.Gallen erarbeitet sich lange kaum eine nennenswerte Möglichkeit. Sein Auftritt ist fehlerhaft, wovon die letztklassierten Liechtensteiner eiskalt profitieren. Erst nach dem Anschlusstor in der 81. Minute kehrt die Spannung zurück. Spielnote: 3,5

Die Tore

  • 1:0, 29. Minute, Joël Schmied: Boubacar Traorè ist auf der linken Seite nicht aufmerksam genug, der Vaduzer Boris Prokopic kann flanken und Joël Schmied trifft unbedrängt zur Führung für die Liechtensteiner.
  • 2:0, 64. Minute, Joël Schmied: Ein Freistoss von links kommt zur Mitte, wo Schmied erneut unbedrängt das 2:0 für Vaduz erzielen kann.
  • 2:1, 81. Minute, Alessandro Kräuchi: Das Anschlusstor fällt nach einer schönen Kombination von eingewechselten St.Gallern: Tim Staubli spielt steil auf Kräuchi, der St.Galler trifft sehenswert. Es ist das erste Super-League-Tor für Kräuchi.

Die Spielanalyse

Der FC St.Gallen hat die Startphase im Griff. Er lässt den Ball gut zirkulieren und spielt schnell in die Spitzen. Doch fehlt die Präzision, um den Gegner unter Druck setzen zu können.

Basil Stillhart nimmt die Position des gesperrten Lukas Görtler ein. Im Sturm setzt Trainer Peter Zeidler auf Kwadwo Duah und Boris Babic, Jérémy Guillemenot ist hängende Spitze.

In der Abwehr nimmt der Coach im Vergleich zum 2:1-Heimsieg gegen Luzern keine Änderungen vor: Leonidas Stergiou spielt erneut auf rechts, Musah Nuhu ist neben Betim Fazliji Innenverteidiger, Boubacar Traorè linker Aussenverteidiger.

Nach den Startschwierigkeiten kämpft sich Vaduz in die Partie. Die Mannschaft von Mario Frick setzt mit dem schnellen Umschaltspiel einige Ausrufezeichen. In der siebten Minute taucht Dejan Djokic alleine vor Goalie Lawrence Ati Zigi auf, der aber gut klärt.

Die Gäste bekommen schnell einmal aufgezeigt, weshalb es Vaduz in den vergangenen Wochen gelungen ist, den FC Zürich zweimal zu besiegen und gegen die Young Boys zu punkten. Die Gastgeber spielen clever und warten geschickt ab bis den Ostschweizern Fehler unterlaufen.

St.Gallen kommt in der Startphase durch Kwadwo Duah zu einer Möglichkeit, danach aber tun sich die Ostschweizer je länger je schwerer. Vaduz wird immer gefährlicher. Es nutzt die Räume und bringt St.Gallen immer wieder in Bedrängnis. Als die Liechtensteiner in der 29. Minute durch Joël Schmied in Führung gehen, ist das verdient.

St. Gallens Boubacar Traorè am Boden.

St. Gallens Boubacar Traorè am Boden.

Bild: Gian Ehrenzeller/Keystone

Bis kurz vor der Pause ist Vaduz die deutlich torgefährlichere Mannschaft. St.Gallen wirkt platt. Die Ostschweizer durchlaufen nach dem Gegentor eine schlechte Phase und vermeiden nur dank Glück und Zigi das 0:2.

St.Gallens Spiel ist zu durchschaubar und zu fehlerhaft, um den Tabellenletzten ernsthaft in Bedrängnis zu bringen. Die Gäste kommen zu keinen Torchancen mehr. Erst in der 40. Minute sorgen sie wieder einmal für Unruhe: Doch der Freistoss von Jordi Quintillà geht an die Latte.

Da muss in der zweiten Halbzeit deutlich mehr kommen von den St.Gallern!

Drei Wechsel zur Pause

Trainer Zeidler nimmt in der Pause gleich einen dreifachen Wechsel vor: Er bringt Thody Elie Youan, Tim Staubli und Alessandro Kräuchi, weichen müssen Boris Babic, Fazliji und Nuhu. Stergiou und Stillhart bilden nun die Innenverteidigung.

Von den eingewechselten Spielern erhofft sich Zeidler mehr Schwung. Schon in der 49. Minute gerät Vaduz unter Druck, aber St.Gallen bringt den Ball nicht ins Tor. Wenig später müssten die Liechtensteiner die Führung eigentlich ausbauen, doch Matteo Di Giusto setzt den Ball freistehend aus elf Metern über das Tor.

In der 59. Minute erhält St.Gallen den ersten Corner zugesprochen. Die Gäste wirken nun präsenter und klarer in ihrem Spiel. Ausgerechnet in dieser Phase des Aufschwungs fällt jedoch das 0:2: Joël Schmied ist Doppeltorschütze.

St.Gallen erspielt sich in der Folge durch Youan eine Möglichkeit, doch der Ball geht nur ins Aussennetz. Zehn Minuten vor Spielende erzielt der eingewechselte Kräuchi das Anschlusstor für die St.Galler. Die Ostschweizer drücken nun vehement auf den Ausgleich, doch Staubli vergibt eine gute Möglichkeit. Vaduz verbarrikadiert nun den Strafraum, für St.Gallen gibt es nichts mehr zu holen in diesem Spiel.

Es ist für die Ostschweizer nach zwei Siegen die erste Niederlage gegen Vaduz in dieser Saison.

Bild:
Claudio Thoma

Der Beste

Die eingewechselten Tim Staubli und Alessandro Kräuchi machen ihre Sache gut. Sie bringen Schwung, die logische Folge: Sie kombinieren sich zu einem Tor.

Lawrence Ati Zigi: Note 5. Bewahrt sein Team vorerst zweimal vor dem 0:2. Ist bei beiden Gegentoren machtlos.
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Leonidas Stergiou: Note 3,5. Als rechter Aussenverteidiger ist die Leistung in Ordnung. Im Zentrum aber kommt er vor dem 0:2 einen Schritt zu spät – da ist er allerdings nicht der einzige.
Musah Nuhu: Note 3. Seine Körpergrösse tut St.Gallen gut. Die Spielauslösung ist aber mangelhaft, das Zweikampfverhalten oft ungestüm.
Betim Fazliji: Note 4. Er macht ein solides Spiel, kann die Abwehr aber nicht stabilisieren. Wird ausgewechselt.
Boubacar Traorè: Note 3. Nicht nur vor dem 0:1 verhält er sich mangelhaft. Vaduz lanciert die Angriffe oft über seine Seite.
Basil Stillhart: Note 3,5. Seine Leistung als Görtler-Ersatz ist okay. Er hat aber insgesamt zu wenig Einfluss auf das Spiel.
Jordi Quintillà: Note 3,5. Er kommt einem Freistosstor näher. Dem Captain gelingt es aber nicht, in einer schwierigen Phase voranzugehen.
Victor Ruiz: Note 4. Wirblig. In der zweiten Halbzeit einem Tor nahe. Einer der auffälligeren St.Galler.
Jérémy Guillemenot: Note 4. Der Romand liefert als einer von wenigen St.Gallern vor der Pause eine solide Leistung ab.
Kwadwo Duah: Note 3. Schnell, willig, aber ohne Durchschlagskraft. Wenig Bindung.
Boris Babic: Note 3. Hadert oft und strahlt keine Torgefahr aus.
Thody Élie Youan: Note 3,5. Wird eingewechselt. Eine Chance geht ins Aussennetz. Reibt sich an der Vaduzer Abwehr auf.
Tim Staubli: Note 4,5. Er bringt nach seiner Einwechslung viel Schwung. Unbeschwert, schöner Pass vor dem 1:2.
Alessandro Kräuchi: Note 5. Der 22-Jährige verdient sich dank seines ersten Super-League-Tores eine gute Note.
Salifou Diarrassouba: Note: 3,5. Zieht viel Aufmerksamkeit auf sich. Bleibt aber zu oft hängen.
Euclides Cabral, Note: -. Kommt zu spät für eine Note.

Lawrence Ati Zigi: Note 5. Bewahrt sein Team vorerst zweimal vor dem 0:2. Ist bei beiden Gegentoren machtlos.

Der Schlechteste

Boris Babic und Boubacar Traorè: Beide tun sich schwer. Von Babic geht keine Torgefahr aus, Traorè steht vor dem 0:1 falsch.

Aufgefallen

Lukas Görtler

Lukas Görtler

Bild: Claudio Thoma / freshfocus

Es ist ein erster angenehmer Frühlingstag in diesem Jahr, der gesperrte Lukas Görtler nutzt die Gelegenheit: Der Mittelfeldspieler des FC St.Gallen fährt mit dem Velo ins Fürstentum Liechtenstein. Das Zeitmanagement stimmt. Rund eine halbe Stunde vor Spielbeginn trifft der 26-Jährige in Vaduz ein. Zurückfahren darf Görtler aber im Materialbus.

Die Fans

Mit Anpfiff des Spiels entzünden die ausgesperrten Fans ein Feuerwerk hinter dem Rheinpark-Stadion. Es ist ja schliesslich Derby. Ob es Anhänger des FC St.Gallen sind? Später stellt sich heraus, dass die Fans des FC Vaduz für die farbige und ohrenbetäubende Überraschung verantwortlich sind. Der Funke springt wenig später auf ihre Mannschaft über.

Die Reaktionen

Peter Zeidler, Trainer FC St.Gallen: «Unser Auftritt in der ersten Halbzeit war schlecht. Wir waren nicht frisch und mussten froh sein, nur 0:1 in Rückstand zu sein. Wir können diese Leistung nicht nur mit dem Föhn erklären, die Analyse muss tiefer gehen. Hätte ich anders aufstellen sollen? Die zweite Halbzeit war dann besser, doch dann kassieren wir nach einem Standard das 0:2. »