Der ewige Springer

Noriaki Kasai ist 40 Jahre alt und damit mit Abstand der älteste Athlet im Skispringen in Engelberg. Als der Japaner im Dezember 1989 sein Début im Weltcup gab, waren viele seiner heutigen Konkurrenten noch nicht geboren. Es gibt zahlreiche Anekdoten zu Kasai.

Drucken
Teilen
Noriaki Kasai aus Japan will auch mit 50 Jahren noch im Weltcup springen. (Bild: imago sportfotodienst)

Noriaki Kasai aus Japan will auch mit 50 Jahren noch im Weltcup springen. (Bild: imago sportfotodienst)

Noriaki Kasai ist 40 Jahre alt und damit mit Abstand der älteste Athlet im Skispringen in Engelberg. Als der Japaner im Dezember 1989 sein Début im Weltcup gab, waren viele seiner heutigen Konkurrenten noch nicht geboren. Es gibt zahlreiche Anekdoten zu Kasai. Da ist zum Beispiel die, dass der im Norden von Hokkaido, der nördlichsten japanischen Insel, aufgewachsene Kasai seine ersten eigenen Ski vor lauter Freude abends mit ins Bett nahm. Oder die, dass er als 15-Jähriger als Vorspringer bei einem internationalen Wettbewerb antrat – und weiter sprang als der spätere Sieger. Oder, dass er und seine Teamkameraden im Winter jahrelang mit zwei Reiskochern im Gepäck durch Europa tourten, um sich während ihrer monatelangen Aufenthalte fernab der Heimat zumindest beim Essen wie zu Hause zu fühlen.

Die grosse Enttäuschung

Es gibt aber auch Geschichten, die einen mit dem stets höflich und ruhig auftretenden Kasai leiden lassen. An den Olympischen Winterspielen 1998 im japanischen Nagano belegte er im ersten Wettbewerb Rang sieben – und wurde danach für die restlichen beiden Wettkämpfe aussortiert, weil er nur der drittbeste Japaner gewesen war. «Ich bin heute noch immer enttäuscht über das, was damals passiert ist», sagt Kasai. «Die Olympischen Spiele im eigenen Land, und ich hatte das Potenzial, eine Medaille zu gewinnen – so eine Chance bekommst du nur einmal im Leben.»

Kasai bestreitet diesen Winter seine 22. Weltcup-Saison. Als er begann, gab es noch keinen V-Stil, noch keine Gewichtsvorgaben und noch keine Anpassungen der Skilänge. In einem Sport, in welchem schon kleinste Veränderungen grosse Auswirkungen haben, in welchem schon so manche Regeländerung Topathleten zum Verzweifeln brachte und das Ende ihrer Karriere einläutete, meistert Kasai alle neuen Herausforderungen. Sich an Neues anzupassen, bezeichnet der Japaner denn auch als eine seiner grössten Fähigkeiten. Zudem habe er die Regeländerungen immer als etwas Positives wahrgenommen. «Dadurch ist es mir in all den Jahren nie langweilig geworden.» Ans Aufhören denkt Kasai, der 15fache Weltcupsieger und Skiflug-Weltmeister von 1992, nicht. «Viele Leute meinen, dass ich eine Legende bin», sagt er, «aber das bin ich erst, wenn ich noch mit 50 im Weltcup springe und gute Resultate erreiche. Und das habe ich vor.»

Sprachlich jung

Zwar zwicke es ihn immer mal wieder im Rücken oder im Knie, doch alles in allem fühlt er sich noch immer fit und gut genug, um eine Spitzenplazierung im Weltcup zu erreichen. Und wie jung er sich fühlt, verdeutlicht seine Sprache. So gibt es im Japanischen mehrere Wörter für das deutsche Wort «ich». Wenn Kasai aus seinem Leben erzählt, benutzt er nie jenes Wort für «ich», das für einen Mann seiner Generation und seines Alters steht – sondern jenes, das einen jungen Erwachsenen bezeichnet. Stefan Klinger/Sasa Rasic

sport 17

Aktuelle Nachrichten