Der Ersatztrainer verliert

Im Derby der 2. Liga interregional sind Frauenfeld und Kreuzlingen ebenbürtig. Die Routine entscheidet für Kreuzlingen: 4:2-Sieg. «Zu hoch», so Frauenfelds Ersatztrainer Sergio Simeone.

Beni Bruggmann
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Frauenfelds Emilio Simeone (links, gegen den Kreuzlinger Jens Strohm) ist ein treffsicherer Spieler – und der Sohn des Assistenztrainers. (Bilder: Mario Gaccioli)

Frauenfelds Emilio Simeone (links, gegen den Kreuzlinger Jens Strohm) ist ein treffsicherer Spieler – und der Sohn des Assistenztrainers. (Bilder: Mario Gaccioli)

FUSSBALL. Es steht 2:2. In der 83. Minute holt Frauenfelds Trainer einen Stürmer vom Platz. So begegnen sich an der Mittellinie Sergio Simeone, der Ersatz-Trainer, und der Stürmer Emilio Simeone. Oder anders gesagt: Vater und Sohn. Weil Trainer Roman Wild einen Trainerkurs besucht, führt der Assistent das Team. Die beiden Simeones müssen sich das bittere Ende vom Spielfeldrand aus anschauen: Jens Strohm erzielt innert zwei Minuten zwei Tore zum Kreuzlinger Sieg – und zur siebten Frauenfelder Niederlage.

«Bitter.» Der Sohn charakterisiert die Niederlage mit einem Wort. Der Vater sieht Gründe im eigenen Team: «Wir waren nicht bereit. Kämpferisch hätten wir noch mehr bringen müssen. Die Niederlage ist zu hoch ausgefallen. Chancen zum Sieg haben wir genug gehabt.» Das ist nicht übertrieben. Die drei grössten Frauenfelder Möglichkeiten: In der 20. Minute kommt Edgar Coutinho allein vors Tor, verzieht aber knapp. In der 38. Minute trifft Coutinho mit dem Elfmeter nur den Pfosten. Und in der 55. Minute ist Demian Titaro allein vor dem Tor zu unentschlossen.

1.-Liga-Erfahrungen des Vaters

Es ist das erste Mal, frühe Jugendzeiten ausgenommen, dass Vater Sergio als Trainer und Sohn Emilio als Spieler im gleichen Team sind. Und das wird sich so schnell nicht wiederholen, denn im nächsten Spiel ist der Vater wieder «nur» Assistent. «Wir sprechen viel miteinander, gerade auch über Fussball», sagt der Sohn, der vom Vater profitieren kann. Denn der heute 42jährige Verkäufer hat als Spieler wertvolle Fussballerfahrungen gemacht. Bei Herisau, Brühl und Kreuzlingen spielte er in der 1. Liga.

So weit ist der Sohn noch nicht. Nach Nachwuchs-Jahren beim FC Wil und beim FC St. Gallen macht er nun erstmals Erfahrungen im Fussball der Erwachsenen. «Bei Frauenfeld in der zweiten Liga interregional zu spielen ist für mich ein Schritt nach vorne. Ich gebe in Training und Spiel alles und kann viel profitieren.» Dass er aber den Traum hat, noch weiter oben zu spielen, verheimlicht er nicht. Er hat die Lehre als Hochbauzeichner abgeschlossen und kann nun noch mehr auf den Fussball setzen. «Wir sind eine fussballbegeisterte Familie», sagt er. Die Voraussetzungen sind gut. Und dass er bereits fünf Tore erzielt hat, spricht für ihn.

Verletzt beim Torjubel

Warum aber nimmt denn ein Trainer seinen besten Torschützen kurz vor Schluss vom Platz? «Ich hatte starke Schmerzen in der Schulter», sagt dieser. Die Erklärung für die Schmerzen ist einfach: Als Emilio Simeone in der 44. Minute sein Team mit 2:1 in Führung brachte, fiel der Torjubel etwas gar heftig aus. Die Mitspieler stürzten sich auf den Torschützen – und verletzten ihn. Dabei hat doch Frauenfeld seinen treffsicheren Spieler bitter nötig.

Sergio Simeone Assistenztrainer FC Frauenfeld (Bild: MARIO GACCIOLI)

Sergio Simeone Assistenztrainer FC Frauenfeld (Bild: MARIO GACCIOLI)

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