Der Erfolg hat seinen Preis

Swiss-Ski-Präsident Urs Lehmann verlangt mehr Lotteriegelder für seinen Verband. Um das aktuelle Niveau halten zu können, benötige Swiss Ski jährlich drei Millionen Franken mehr.

Christof Krapf/Lenzerheide
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Urs Lehmann will für den Skiverband mehr Geld vom Staat. (Bild: ky/Christophe Bott)

Urs Lehmann will für den Skiverband mehr Geld vom Staat. (Bild: ky/Christophe Bott)

Ohne Athleten von Swiss Ski wäre die Schweiz ohne Goldmedaille von den Olympischen Spielen in Sotschi zurückgekehrt. Die fünf Schweizer Olympiasieger Sandro Viletta, Iouri Podladtchikov, Patrizia Kummer, Dominique Gisin und Dario Cologna gehören alle dem Skiverband an. Der Erfolg hat seinen Preis. «Wir haben unsere Kräfte überspannt. So können wir nicht weitermachen», sagte Swiss-Ski-Präsident Urs Lehmann am Weltcup-Final der Alpinen auf der Lenzerheide.

18 Millionen mehr seit 2006

Die nackten Zahlen sprechen für sich: 2006 operierte der Verband mit einem Budget von 27 Millionen Franken; heute sind es 45 Millionen. Die zusätzlichen 18 Millionen wurden für neue Disziplinen wie Skicross oder Biathlon ausgegeben. Im Skicross gehört die Schweiz zu den weltweit führenden Nationen – auch wenn sie in Sotschi in dieser Disziplin leer ausging.

Schon im vergangenen Winter konnte sich Swiss Ski für 12 bis 14 Skicrosser mit Ralph Pfäffli nur einen Trainer leisten. Im Vorfeld von Olympia kratzte der Verband Geld für einen Servicemann zusammen – für mehr als eine Teilzeitanstellung reichte es aber nicht. «Wir können nicht weitere vier Jahre in dieser Besetzung arbeiten. Sonst läuft uns Pfäffli davon, das hat er uns auch so gesagt. Es ist mehr Geld nötig, nur schon um das aktuelle Niveau zu halten», sagte Lehmann.

Dafür benötigt Swiss Ski drei Millionen Franken mehr pro Jahr. Geld, das laut Lehmann nicht mehr bei Sponsoren aufzutreiben sei. «Beim Sponsoring haben wir das Maximum erreicht», so der Abfahrtsweltmeister von 1993. In die Bresche springen sollen stattdessen Swiss Olympic und der Lotteriefonds. «Wir brauchen mehr Geld vom Staat», so Lehmann. Swiss Olympic zum Beispiel schüttet jährlich 20 Millionen Franken an seine Mitgliederverbände aus – 15 Prozent davon gehen an den Skiverband. «Wir holen an Olympischen Spielen aber 50 Prozent der Medaillen», so Lehmann. «Das ist ein Missverhältnis.»

Lotteriegelder genügen nicht

Eine zweite Geldquelle sieht Lehmann in Lotteriegeldern. Damit unterstützen die Kantone nebst der Kultur bereits heute den Sport. Aus Sicht des Verbandspräsidenten genügt diese Unterstützung nicht. Denn von 520 Millionen Franken Lottogeldern jährlich gehen nur 20 Prozent an den Sport. Lehmann ist sich bewusst, dass er mit einem solchen Vorgehen der Kultur Geld wegnimmt. «Der Sport muss uns das aber wert sein.»

Die Spitze von Swiss Ski will schon bald beim Bund und bei Swiss Olympic vorstellig werden. Über konkrete Projekte, in die das Geld fliessen soll, äusserte sich Lehmann nicht. Er sagte aber: «Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht.» Er strebt einen raschen Durchbruch an. «Wir brauchen das Geld dringend. Am besten schon im April.» Dass die politischen Mühlen in der Schweiz nicht so schnell mahlen, weiss aber auch Lehmann.