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Der «Djoker» ist wieder da

Nach einer monatelangen Baisse und mehreren Trainerwechseln findet Novak Djokovic in Wimbledon zurück zu seiner alten Form. Ein Rückkehr zum Erfolg mit mehreren Gründen.
Jörg Allmeroth, Wimbledon
Novak Djokovic hat wieder Grund zum Jubeln. (Bild: AP)

Novak Djokovic hat wieder Grund zum Jubeln. (Bild: AP)

Roger Federer hat vor kurzem noch mal über «dieses ganze Märchen» gestaunt. Über das Märchen seines Comebacks nach der langen Verletzungspause im Jahr 2016. Über die «unglaublichen Siege», die «emotionalsten Momente» überhaupt der ganzen Karriere: «Ich dachte manchmal, dass es ein Traum ist. Und dass ich im nächsten Moment aufwache und denke: Das stimmt alles gar nicht.» Aber doch: Es stimmt. Seine grandiose Rückkehr. Auch die seines ewigen Rivalen Rafael Nadal. Gerade wirkt die Tenniswelt wie Mitte des vorigen Jahrzehnts, als Federer und Nadal die grossen Titel und Trophäen untereinander aufteilten. Es gab Federer und Nadal bei den Grand Slams – und sonst fast nichts.

Die Rückkehr zu einem alten Bekannten

Federer hat aber trocken festgestellt, «dass nicht immer alles mit Sonnenschein, Happy-End und Glücksgefühl» enden muss. Er weiss, dass die Geschichten in der Knochenmühle der Tour auch ein anderes Drehbuch haben können. Er braucht gar nicht weit zu blicken: Da ist nämlich der Mann, der vor der Rückkehr der alten Titanen die Tenniswelt beherrschte – Novak Djokovic. Der Serbe, der zwischenzeitlich alle vier Major-Pokale in seinem Besitz hielt, als erster Profi überhaupt in der modernen Ära.

Djokovic hat vielleicht die grösste Achterbahnfahrt hinter sich, die es in der Weltspitze im neuen Jahrhundert gab. Eben noch der Allesgewinner, war er im nächsten Moment der zweifelnde Absteiger. Ausgebrannt, demotiviert, lustlos. Fast so weit, dem Tennis Lebewohl zu sagen.Soweit ist es dann nicht gekommen. Aber Djokovic hat lange, sehr lange gebraucht, um überhaupt wieder Fuss zu fassen. Kurz gesagt, tut der Jäger der verlorenen Schätze das mit einer Rückkehr zu den Wurzeln seines Aufstiegs. Personell bedeutet das: Er wird wieder von seinem Erfolgscoach Marijan Vajda trainiert, vorerst bis zum Ende des Wimbledon-Turniers, bei dem Djokovic in den Viertelfinals steht.

Ein spanischer Guru vernebelt die Sinne

Der Vorstoss in die Runde der letzten Acht bei den French Open und nun auch in Wimbledon sind so etwas wie das Licht am Ende des Tunnels für den 31-jährigen Serben. Denn vor diesen Erfolgsmomenten war nicht ganz unwahrscheinlich, dass sein Projekt des Wiederaufstiegs krachend scheitern könnte. Nicht zuletzt deshalb, weil die Partnerschaft mit Andre Agassi, die mit grossen Hoffnungen und Erwartungen befrachtet war, kollabierte.

Agassi war dieser Tage auch in Wimbledon, für einen 24-Stunden-Trip wegen Sponsorenverpflichtungen. Da sprach der Amerikaner über das Chaos, das rund um Djokovic geherrscht habe: «Er hörte eigentlich nie auf mich. Irgendwann fand ich, dass ich meine Zeit verschenkte.» Auch Agassis Rat, sich nach einer ohnehin zu spät vorgenommenen Operation am Handgelenk mehr Zeit für eine Pause zu nehmen, wies Djokovic zurück. Der andere Grand-Slam-Champion, der in Djokovics Diensten stand, Boris Becker, hatte sich nach einer triumphalen Zeit des Zusammenwirkens mit sechs Grand-Slam-Siegen ebenfalls aus dem Lager Djokovics zurückgezogen. Ihm missfiel, dass sein Schützling sich einem spanischen Guru zuwandte, der ihm mit Friede-und-Liebe-Sprüchen die Sinne vernebelte.

Die alte Stärke kommt zurück

Nun also soll es wieder Vajda richten. Den hatte Djokovic vor einem Jahr mit dem Rest seiner Betreuungscrew entlassen. Fitnesstrainer, Physiotherapeut, Ernährungsberater: Alle mussten gehen, alles musste raus. «Ich brauche neue Impulse», sagte Djokovic damals. Jetzt aber ist es der älteste Weggefährte, eben jener unscheinbare Vajda, auf den der Serbe wieder hören will. Nun muss er in Wimbledon ab sofort schaffen, was ihm bisher noch nicht gelungen ist: Rivalen aus dem Oberhaus der Szene zu besiegen. Jetzt geht es gegen Kei Nishikori, danach vielleicht gegen Nadal. Und im besten Fall dann noch gegen Federer. Djokovic schickt eine Warnung voraus: «Es war frustrierend, so lange Zeit so unbefriedigend zu spielen. Aber ich spüre, dass die alte Stärke zurückkommt.»

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